hmm, das kriegt man glaub ich aus der persönlichen Sicht nur sehr schwer eingeschätzt, da gibt es zu viele Phänomene, die einander überlagern:

- die nächste Hürde für Ruby/RoR, nämlich in die Unternehmen reinzukommen und damit "geschäftskritische" Anwendungen zu entwickeln, ist schwerer zu nehmen. Noch schwerer in Deutschland, da herrscht doch eher die Meinung vor: Bevor irgendwas schief geht, machen wir doch lieber das, was wir schon immer gemacht haben. Da hat sich auch Java nach einer ersten Euphorie-Phase jahrelang gegen C++ schwer getan. In GB und USA sind die Leute da wohl etwas weniger konservativ, auch im IT-Bereich: Ob das gut ist oder nicht, weiß ich nicht: Wir verpassen hier neue Trends, aber wir lassen auch mal den einen oder anderen Quatsch aus und das Pendel schlägt hier in beide Richtungen selten so heftig aus, wie in USA....

- das Umfeld für Ruby/Rails ist viel bunter geworden: Mit Scala, Groovy, clojure kommen hier beinah täglich neue "dynamische" Sprachen raus, und mit Seam, EJB3, Spring3, wicket usw. bleiben auch die Web- Frameworks für Java nicht stehen. Damit ist aus der Grundstory von Rails ein bisschen die Luft raus: Ruby als dynamische Sprache, Rails einfach vs. Java als Dinosaurier, und alle Frameworks nahezu lächerlich komplex - da ist die Welt weniger schwarz-weiß geworden und die Entscheidungen pro RoR und contra Java längst nicht mehr so einfach.

- Vielleicht trügt mich der Eindruck, weil die so ein lautes Marketing haben. Und weil es wie Java on Rails aussieht, macht es RoR ernsthafte Konkurrenz. Seit SpringSource g2one gekauft hat und damit jetzt ihre (sehr sehr laute...) Werbetrommel jetzt auch für grails rührt, scheint grails eine Menge Aufwind zu bekommen. Man muss zwar durch java ernsthaft geschädigt sein, um groovy für eine tolle Sprache zu halten und grails ist zu beinah 90% geklaut, aber ich glaube vielen Unternehmen fällt der Umstieg von Java/Struts/JSF/... zu grails viel leichter als auf Ruby/Rails. Zumal sie am Ende an ihrer Infrastruktur kaum was ändern müssen.


Eine explizite Flaute habe ich aber bislang noch nicht feststellen können, aber das liegt wohl auch daran, dass man 5.5% Minuswachstum nicht so leicht gemessen kriegt: Entweder man hat ein Projekt, dann hat man gar keine Krise, oder man hat keins, dann hat man 100% Krise...

Aber ich krieg auch nach wie vor mehr Java-Jobs angeboten, aber das liegt wohl einfach daran, dass der Java-Markt einfach viel viel größer ist. Was ich wirklich irritierend fand, aber das scheinen mit eher Trittbrettfahren der Krise zu sein: Projektangebote, in denen die Anforderungsbeschreibung meterlang war, gepaart mit lächerlich niedrigen Stundensätzen. Ich glaube, man darf sich da nicht verrückt machen lassen und halte es mit King George VI: Keep calm and carry on

nur meine 2 euro-cents zu dem Thema...
Stefan





Am 10.05.2009 um 19:18 schrieb Michael Schuerig:


Wenn ich auf die Anfragen und Aufträge blicke, die ich für Rails-
Projekte im letzten halben Jahr bekommen habe und das mit den drei
Jahren davor vergleiche, dann werde ich beinahe wehmütig. Hat auch uns
die Krise inzwischen erreicht? Für mich sieht es danach aus.

Im Java-Umfeld sieht es dagegen nicht annähernd so dunkel aus. Obwohl
ich mich lange nicht mehr dort angeboten habe, bekomme ich noch immer
vereinzelt Anfragen und die Stellen-/Projektbörsen sind noch immer gut
gefüllt.

Meine Sicht kann einfach durch mein schlechtes Selbstmarketing verzerrt
sein, aber ich frage mich inzwischen durchaus, ob ich vor allem daran
etwas ändern sollte -- oder einfach meine Java-Künste wieder auffrische.

Wie seht ihr die Lage?

Michael

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