_______/ PRESSEMITTEILUNG

_______/ Kulturrat Österreich


__/ Soziale Sicherheit statt so genannter Mindestsicherung!
__/ Kulturrat Österreich lehnt Ministerialentwurf als Etikettenschwindel ab.



_______/ http://kulturrat.at


Nach Jahren inhaltsleerer Vorankündigungen zur Einführung einer 
Grundsicherung in Österreich ist nun erstmals Konkretes öffentlich: Statt 
einem bundesweiten Gesetz war eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern 
zur Schaffung von Mindeststandards in der Ausgestaltung der Sozialhilfe in 
parlamentarischer Begutachtung, die im Kern nicht mehr als eine Umbenennung 
der Sozialhilfe in bedarfsorientierte Mindestsicherung vorsieht. Die 
Begutachtungsfrist für den Ministerialentwurf ist in diesen Tagen zu Ende 
gegangen.

Gerade für Kunst-, Kultur- und Medienschaffende, die im Zuge des Reförmchens 
des Künstlersozialversicherungsfonds immer wieder darauf verwiesen wurden, 
dass mit der bedarfsorientierten Mindestsicherung ein allgemeines System der 
sozialen Sicherung gerade auch für jene in Planung sei, die aufgrund 
diskontinuierlicher Beschäftigung des öfteren einkommensschwache Zeiträume 
mit systembedingt unverhältnismäßig hohen Sozialversicherungsbeiträgen 
überstehen müssen, ist dieser Umsetzungsentwurf umsonst: Der gesamte 
Problemkreis wird noch nicht einmal erwähnt.

Allerdings enthält der Entwurf, welcher in der Öffentlichkeit unter dem 
Topos Armutsbekämpfung verhandelt wird, eine Reihe von Maßnahmen, die 
mitnichten helfen, eine wenn auch geringe allgemeine Alimentierungsschwelle 
für jene einzurichten, die zuwenig Geld zum Leben haben:

__/ Strafandrohungen sowie Kürzungen von bis zu 50% (etwa in Verbindung mit 
Sperren durch das AMS) sind vorgesehen. In Ausnahmefällen soll auch alles 
gestrichen werden können. Grundbedürfnisse, die durch die so genannte 
Mindestsicherung abgedeckt werden soll, lassen sich nicht halbieren - eine 
solche Regelung führt nicht zur Verringerung von Armut, sondern trägt zu 
deren Verschärfung bei.

__/ Besonders finanzschwache Gruppen wie z.B. Asylsuchende oder subsidiär 
Schutzberechtigte werden generell vom Rechtsanspruch ausgeschlossen - obwohl 
ohnedies eine Klausel enthalten ist, dass zum Bezug ein Hauptwohnsitz in 
Österreich notwendig ist; Sozialtransfers in andere Staaten also de facto 
ausgeschlossen sind.

__/ Es sind ausführliche Regelungen zur Konstruktion so genannter 
"Bedarfsgemeinschaften" enthalten: So soll alleine das Zusammenwohnen mit 
einem oder mehreren Erwachsenen generell eine Senkung des Anspruches auf 
zumindest 75% bewirken.

__/ Das AMS soll als Antrags- und Datensammelstelle dienen. Alleine die 
beinahe Nichtverpflichtung des AMS zu einem sorgfältigen Umgang mit von 
ihnen erhobenen Datensorten durch die letzte 
Arbeitslosenversicherungs-Novelle (2007) lässt hier das Schlimmste 
befürchten.

__/ Der Entwurf sieht weitere nicht präzisierte Verschärfungen des 
Arbeitslosenversicherungsgesetzes vor - anstatt letzteres zumindest den 
Bedürfnissen der Arbeitssuchenden anzupassen.

__/ Im Entwurf wird ausdrücklich festgehalten, dass die Mindestsicherung 
kein arbeitsloses Einkommen sein wird. In Verbindung mit enthaltenen 
Klauseln zu verpflichtender sozialer Arbeit zum Nulltarif ist eine breite 
Einführung von Gratisjobs ohne arbeitsrechtliche Mindeststandards zu 
befürchten.

Die so genannte Mindestsicherung ist in der derzeit vorgeschlagenen Form 
eindeutig abzulehnen. Not tut eine Bekämpfung von Armut, wobei hier 
zuallererst eine grundsätzliche Trennung von Einkommen und Arbeit zu 
realisieren ist. Nur ein Grundeinkommen (im Gegensatz zu einer 
bedarfsorientierten Grundsicherung - also ohne Arbeitsverpflichtung, ohne 
Bedarfsprüfung, in einer existenzsichernden Höhe) hat das Potenzial zu einer 
Umverteilung und Neudefinition von Arbeit (jenseits von Erwerbsarbeit und 
unbezahlter Tätigkeit) sowie einem Leben ohne materielle Existenzangst.

Der Kulturrat Österreich fordert daher ein bedingungsloses 
existenzsicherndes Grundeinkommen! Für alle!




__/ Stellungnahme des Kulturrat Österreich zum Entwurf der "Vereinbarung 
zwischen dem Bund und den Ländern gemäß Art. 15a B-VG über eine bundesweite 
Bedarfsorientierte Mindestsicherung"
__/ 
http://kulturrat.at/agenda/sozialerechte/stellungnahmen/mindest_stellungnahme.pdf

__/ Thema Existenzsicherung: Grundsicherung vs. Grundeinkommen
__/ http://kulturrat.at/agenda/sozialerechte/existenz/

__/ Positionspapier Grundeinkommen
__/ 
http://kulturrat.at/agenda/sozialerechte/existenz/forderungen/grundeinkommen





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Gumpendorfer Str. 63b
A-1060 Wien

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