Heuer jährt sich der Todestag des Wiener Schriftstellers Jura Soyfer zum
70. Mal.
Sein Theaterstück zu Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit hat auch 7
Jahrzehnte nach seiner Uraufführung nichts an Aktualität eingebüsst und
wird nun aus gegebenem Anlass von Susita Fink und ihrem Ensemble in einer
außergewöhnlichen Inszenierung an 9 aufeinander folgenden Stationen in
Erdberg (einst auch Jura Soyfers Heimatbezirk)zur Aufführung gebracht:
• „DER LECHNER EDI SCHAUT INS PARADIES“
Eine theatrale Prozession mit Schauspiel, Puppenspiel und musikalischer
Begleitung.
Gespielt an Orten, an denen Arbeit und Handwerk noch aktiv Kohle bringen.
PREMIERE: 9. September 2009 (19.00 Uhr)
Weitere Vorstellungen:
10., 11., 16., 17., 18., 23., 24., 25. September 2009
Es spielen:
Walter KUKLA (Lechner Edi)
Claudia HISBERGER ( Fritzi)
Susita FINK (Motor Pepi)
Musik: Walther SOYKA
Kostüme: Sandra SEKANINA
Konzept & Regie: Susita FINK
Co-Regie: Walter KUKLA & Claudia HISBERGER
TREFFPUNKT:
A-1030 Wien; Erdberger Steg am Donaukanal
(Den weiteren Verlauf mit 9 Stationen entnehmen Sie bitte der hier
beiliegenden Presseinformation)
Dauer: ca. 80 Minuten
Kartenpreis: € 15,-- / € 12,--
Kartenreservierungen unter: Tel. 0680/126 53 86
ZUM PROJEKT:
Hilfe - die Wirtschaftskrise naht! Ein Deja-vu Erlebnis?
Täglich konfrontieren uns die Medien mit Meldungen über die Finanzkrise
mit fallenden Börsenkursen, den herannahenden Wirtschaftsabschwung und die
steigende Arbeitslosigkeit.
Was sind die Ursachen, wer ist schuld?
Die gierigen Manager der Großkonzerne und Börsenspekulanten, oder die
Sozialschmarotzer, Ausländer und Scheinasylanten? Schuldige müssen
gefunden werden und Sündenböcke müssen her!
Blicken wir zurück in die Vergangenheit so entdeckt man, dass es um und
nach 1929/30 eine ähnliche wirtschaftliche und politische Situation
gegeben hat. Börsenkrach in New York – Rückgang des Welthandels –
Massenarbeitslosigkeit – aufkeimender Faschismus und Antisemitismus (der
Jud´ ist Schuld). Was waren die Ursachen, wer war schuld, wer trägt
wirklich die Verantwortung?
Diese Fragen stellte sich auch der Wiener Schriftsteller und Dramatiker
Jura Soyfer.
Sein Todestag jährt sich 2009 zum 70. Mal.
Er starb an den Folgen der Krise, denn der einfachste Ausweg für die
Mächtigen ist immer der Krieg! Das sah auch Jura Soyfer 1936 so und
schrieb gegen die Machthaber, das Kapital und den Faschismus an. Am 16.
Februar 1939 kostete ihm sein politischer Widerstand als Kommunist und die
Tatsache, dass er Jude war, im KZ Buchenwald das Leben.
Schuld sind nicht wir.
Nein, aber was tun wir dagegen, dass so etwas nie wieder passiert?
Die zentrale Aussage in Jura Soyfers Stück, Der Lechner Edi schaut ins
Paradies, lautet:
Auf uns kommt´s an!
Das Ensemble theaterfink bringt mit den Techniken des Figuren- und
Mitmachtheaters dem Publikum die Brisanz des Themas näher.
Keiner darf nur zusehen wie sich unsere Welt verändert, jeder muss
mitgestalten.
Das Publikum folgt dem Motor Pepi und dem arbeitslosen Lechner Edi zu
Arbeitsstätten und Geschäftslokalen. Hier wird noch gearbeitet, hier wird
noch produziert.
Bei unserem Streifzug durch Erdberg rund um den Kardinal-Nagl Platz
besuchen wir Betriebe, welche schon der Autor Jura Soyfer gekannt haben
mag. Er ist hier aufgewachsen und besuchte hier auch das Gymnasium in der
Hagenmüllergasse, in dem er 1931 maturierte. Einige Szenen werden sich
direkt in den Betrieben oder deren Schaufenster abspielen. Die
orthopädische Schuhmacherin in der Haidingergasse stellt uns ihre Auslage
als Aufführungsort zur Verfügung.
Der Betrieb existierte als Schusterei bereits in den 20er-Jahren. Auch die
Buchdruckerei, in der wir natürlich die Gutenbergszene angesiedelt haben,
ist unter einem jüdischen Vorbesitzer seit Erbauung des Rabenhofes hier
beheimatet.
An den realen Schauplätzen, welche im Zusammenhang mit den einzelnen
Szenen stehen, begegnen uns die Figuren aus Edis Zeitreise in die
Vergangenheit. Es sind Erfinder und Entdecker.
Große Männer der Geschichte. Dargestellt durch Puppen, karikiert und auf
das wesentliche ihres Handelns (ihrer Funktion) reduziert. Zum Beispiel:
Galvani der Erfinder der Kontaktelektrizität, ist aus Elektroschrott
zusammengebaut. Gegenstände, die wir nicht mehr brauchen, denn das Rad der
Zeit dreht sich immer schneller. Was wir nicht mehr brauchen wird durch
Neues, Besseres ersetzt.
Wir können es uns ja leisten! Aber wie lange noch?
Den ZuschauerInnen wird die Aktualität des Themas durch den dargestellten
Gegensatz, ein Stück über Arbeitslosigkeit an Stätten der Arbeit, bewusst
gemacht.
DIE STATIONEN
Alle 9 Stationen befinden sich in 1030 Wien / Erdberg
und sind öffentlich erreichbar mit U3 Station Kardinal-Nagl-Platz (Aufgang
Keinergasse)
Zwischen den Stationen werden die einzelnen Unterwegszenen gespielt und
gesungen. Die Musik hierzu wurde eigens vom bekannten Akkordeonisten
Walther Soyka komponiert. Er wird auch die DarstellerInnen Walter Kukla
(Lechner Edi), Claudia Hisberger (Fritzi) und Susita Fink (Motor) auf
ihrer Reise musikalisch begleiten. An den Stationen selbst wird mit den
Techniken des Figurentheaters gespielt.
1.) Donaukanal bei Erdberger Steg (Fußgängerbrücke zw. Erdberg und Prater)
Edi und Fritzi treffen den Motor Pepi
2.) Orthopädische Schuhmacherin Michaela Klein-Jenner (3., Haidingergasse
26)
Besuch bei Galvani
3.) Sigma Reisebüro (3., Erdbergstrasse 82)
Ausgabe von Schiffchen und einem Reiseprospekt als Sitzunterlage
4.) Kardinal-Nagl-Platz / Pavillon
Gerichtsverhandlung gegen Galileo Galilei
5.) Kardinal-Nagl-Platz / Wasserspielplatz
Christoph Columbus
6.) Buchdruckerei Werner (3., Rabengasse 1)
Gutenberg
7.) GRG 3 (3., Hagenmüllergasse 30)
Scholarenrunde
8.) Kirchenplatz Don Bosco (3., Ecke Hagenmüllergasse/Lechnerstrasse)
Vor dem Paradies
9.) Theatersaal im Hanuschhof (3., Lechnerstrasse 2-4)
Schlussbild: Donaubrücke
projektiert mit einer alten Laterna Magica aus den 20er-Jahren
Anschließend gemütliches Beisammensein oder hitzige politische Diskussion
bei Speis und Trank.
Jura Soyfer hat seine ersten theatralischen Gehversuche mit dem
politischen Parteikabarett in eben solchen Veranstaltungsräumen, wie dem
Theatersaal im Hanuschhof, gemacht.
RAHMENPROGRAMM IM HANUSCHHOF
Der Theatersaal im Hanuschhof, erbaut von der Gemeinde Wien in den Jahren
1923-1925, bietet einen geeigneten Ort um ein politisches Theaterstück bei
Diskussion, Speis und Trank ausklingen zu lassen. Dem Publikum wird nicht
nur Kunstgenuss auf höchstem Niveau geboten, sondern auch die Möglichkeit
sich zu informieren, zu vernetzen und mit anderen auszutauschen.
Da einzelne Szenen in Geschäftslokalen, welche schon in den 1920er Jahren
existierten spielen, wurde auch diesem geschichtlichen Kontext Rechnung
getragen. Die Initiatorin des Projektes,
Maga. Susita Fink, hat unter der Mithilfe von HistorikerInnen die
Geschichte der Betriebe erforscht.
Die Ergebnisse sind wichtige Beiträge zur Erdberger Grätzlforschung und
werden in einer Ausstellung im Hanuschhof präsentiert.
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