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LCG10028 (KI)                          Dienstag, 9. Februar 2010
Wien/Kunst/Kultur/Ausstellungen


AUGENSCHMAUS - VOM ESSEN IM STILLLEBEN BILD/AUDIO =

Anhänge zur Meldung unter
http://presse.leisuregroup.at/kunstforum/augenschmaus

   Wien - Die Ausstellung »Augenschmaus - Vom Essen im Stillleben« ist
einem zentralen Thema des Stilllebens gewidmet: der Verknüpfung von Kunst
und Leben in der Darstellung von Essen und Trinken. In ihrem Versprechen
umfassender Sinnlichkeit üben Stillleben bis heute, in Zeiten der totalen
Verfügbarkeit fast aller Dinge, eine ungebrochene Faszination aus. In der
Gegenüberstellung von 90 Werken aus verschiedenen Kunstlandschaften und
Epochen wird die gewandelte Alltagskultur des Essens und Trinkens vom 16.
Jahrhundert bis heute thematisiert.

   Sechs »Erzählungen« beleuchten die vielfältigen Bedeutungsebenen des
Stilllebens: Das Objekt als Subjekt - Die Geburt des Stilllebens; Vanitas -
Allegorien von Leben und Tod; Nahrung zwischen Existenzgrundlage und
Konsumobjekt; Table/Tableau und der weiblich codierte Raum des Stilllebens;
Fleisch und die Grenzen der Darstellbarkeit von Essbarem; und die
Jahrhunderte durchziehend: das Stillleben als malerisches Experimentierfeld.

   »Kulinarische« Stillleben verkörpern die Ernährungsgewohnheiten,
kultischen Rituale und Diskurse aus der Welt ihrer Entstehungszeit, in denen
sich gleichermaßen existenzielle Grundbedürfnisse wie auch transzendentale
Bestrebungen des Menschen widerspiegeln. Ausgehend von Giuseppe Arcimboldos
Kompositköpfen und Pieter Aertsens Küchenstücken wird die simultane
Entstehung des Stilllebens südlich und nördlich der Alpen in der 2. Hälfte
des 16. Jahrhunderts nachvollzogen: Der Wandel vom Beiwerk einer
(religiösen) Bilderzählung hin zu einer autonomen Bildgattung, die ihren
Fokus auf die illusionistische Darstellung alltäglicher Dinge richtet.

   Die Ausstellung verfolgt den spektakulären Höhenflug des Genres im 17.
Jahrhundert in ganz Europa, mit einem Schwerpunkt auf den
»hyper-realistischen« Stillleben des »Goldenen Zeitalters« der Niederlande:
Im prosperierenden Klima der jungen Republik kommt es zur Entstehung eines
Kunstmarkts für den privaten bürgerlichen Raum und zu einem regelrechten
Bilderboom. Einzelne Stilllebentypen bilden sich aus, zu sehen sind etwa
»Gedeckte Tische« von Willem Claesz. Heda, Dessertstillleben von Clara
Peeters, Prunkstillleben von Willem Kalf oder Jagdstücke von Frans Snyders.
Der niederländische Terminus stilleven taucht erstmals 1650 auf und
bezeichnet ein still gestelltes Objektmodell (still = unbewegt, leven =
Modell).

   Trotz seiner allgemeinen Beliebtheit wird das Stillleben ab dem 17.
Jahrhundert - unter dem Vorwurf des Rein-Handwerklichen sowie der
inhaltlichen Bedeutungslosigkeit - in der akademischen Gattungshierarchie
auf die unterste Stufe verwiesen. Gerade seine Außenseiterposition im
akademischen Kanon hatte zur Folge, dass es zu einem weitgehend
»unbehelligten« Ort malerischer Experimente werden konnte, wie im 18.
Jahrhundert Jean-Siméon Chardin oder Anne Vallayer-Coster vor Augen führen.
Chardins Darstellungen schlichter Alltagsdinge, die sich von der mimetischen
Wiedergabe der Realität lösen und das Interesse vom Dargestellten auf die
Darstellungsweise verlagern, machen ihn zum zentralen Vorläufer der Malerei
der Moderne. 

   »Der Tag wird kommen, da eine einzige selbständig gemalte Karotte eine
gewaltige Revolution verursachen wird«, lässt Emile Zola den Maler Lantier
in seinem Künstlerroman L'Œuvre (1886) sagen. Mit Paul Cézanne wird das
Stillleben zum experimentellen Medium par excellence - seine Äpfel sind
beispielhaft dafür. Im 20. Jahrhundert spielt es eine programmatische Rolle
für künstlerische Neuerungen, für die Cézannes autonome Bildschöpfungen den
unumgänglichen Ausgangspunkt bilden. Die Ausstellung führt dies an einem
breiten Spektrum von KünstlerInnen vor Augen: Pablo Picasso und Georges
Braque, die die kubistische Revolution auf dem »Rücken« der Dinge vollziehen
- Vincent van Gogh, Oskar Kokoschka oder Paula Modersohn-Becker; zudem
Giorgio Morandi mit seinen meditativen Krügen oder Andy Warhol mit seinen
ikonenhaften Suppendosen.

   Über Jahrhunderte hinweg galt das Stillleben aufgrund seines Fokus auf
die häusliche, »materiell-konkrete« Lebenssphäre als »feminines« Genre. Für
viele Malerinnen, denen der Zugang zur Akademie bzw. das Aktstudium
versperrt blieb, wurde es zum Reservat privater Kunstausübung, die im
Windschatten des öffentlich-repräsentativen Künstlertums stattfand. Dies
macht die Geschichte der Stilllebenmalerei gerade auch zu einer Geschichte
der Produktion und Rezeption von Künstlerinnen, wie die Ausstellung
erstmals, anhand herausragender Werke von Fede Galizia, Louise Moillon,
Clara Peeters, Anne Vallayer-Coster, Berthe Morisot, Paula Modersohn-Becker
oder Maria Lassnig, umfassend darstellt. In den 1970er Jahren entlarven
Künstlerinnen wie Martha Rosler traditionelle Zuschreibungen der Frau als
Kochende, Ernährende oder als »kulinarisiertes« Sexualobjekt und
demonstrieren, wie das Visuelle an der Konstruktion von
Geschlechterdifferenzen beteiligt ist.

   Die Transformation der Nahrung vom Sujet der Malerei zum eigentlichen
künstlerischen Material setzt in der Eat Art mit Daniel Spoerri oder Dieter
Roth ein, die auf eine bedingungslose Verbindung von Kunst und
(kulinarischen) Alltagserfahrungen zielt.

   Mit ausgewählten Positionen von Zoe Leonard, Damien Hirst, Harun Farocki
oder Sam-Taylor Wood werden außerdem zeitgenössische Ausdrucksformen
präsentiert, die sich auf die Stilllebentradition beziehen, aber
gleichzeitig aktuelle kulturelle Praktiken und Diskurse rund ums Essen
aufnehmen und diese vorantreiben.

~
AUGENSCHMAUS - VOM ESSEN IM STILLLEBEN

Laufzeit:  10. Februar - 30. Mai 2010
Ort:       Bank Austria Kunstforum
Adresse:   1010 Wien, Freyung 8
Website:   http://www.bankaustria-kunstforum.at
Lageplan: 
http://maps.google.at/maps?q=freyung+8,+wien&oe=utf-8&client=firefox-a&ie=UT
F8&hl=de&hq=&hnear=Freyung+8,+Wien+1010+Wien&z=16
~

   Das Bildmaterial steht zum honorarfreien Abdruck bei redaktioneller
Verwendung zur Verfügung. Weiteres Bild- und Informationsmaterial im
Pressebereich unserer Website unter http://www.leisuregroup.at. (Schluss)



Rückfragehinweis:
   leisure communications
   Wolfgang Lamprecht
   Tel.: (+43 664) 8563002
   E-Mail: [email protected]

   Alexander Khaelss-Khaelssberg
   Tel.: (+43 664) 8563001
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