------ -- MEDIENINFORMATION -- World-Information Institute -- Institut für Neue Kulturtechnologien/t0
------ -- Deep Search II: "Die Politik des Suchens und Findens" -- Internationale Konferenz in Wien diskutierte Machtverhältnisse -- hinter Suchmaschinen "Suchtechnologien werden gerne als neu und beispiellos dargestellt. Wir wollen jedoch die politischen und kulturgeschichtlichen Dimensionen von Suche, Referenzierungs- und Kategorisierungssystemen beleuchten und zeigen, dass hier subjektive Interessen und Geschäftsabsichten im Vordergrund stehen. Denn mittlerweile werden nicht mehr nur Informationen, sondern die Menschen selbst organisiert", erklärte Felix Stalder zu Beginn der Konferenz "Deep Search II", die vom World-Information Institute am Freitag, 28. Mai 2010, in Wien veranstaltet wurde. Vor großem Publikum standen zentrale Fragen der automatischen Klassifizierung von Daten, ihre Indexierung und Auswertung zur Debatte. Chad Wellmon von der Universität von Virginia zeigte auf, dass die Wurzeln der Zitier- und Rankinglogik von modernen Suchalgorithmen in den Annotationen liegen, die zur Zeit der Aufklärung maßgebliche philosophische Texte miteinander verbanden. Er ist überzeugt: "Die Fußnote des 18. Jahrhunderts ist der Prototyp des heutigen Hyperlinks." Kultur- und Medienhistoriker Sebastian Gießmann sprach über die Geschichte von Netzwerken und darüber, dass Rankingsysteme nie objektiv sind, sondern die Wertvorstellungen jener widerspiegeln, die sie entwickeln. Dies wurde von Yuk Hui, Forscher an der Goldsmiths University London, unterstrichen: "Forscher in diesem Gebiet sagen frei heraus, dass sie nicht darüber nachdenken, was sie tun – sie tun es einfach. Es braucht hier eine neue Auseinandersetzung damit, was 'Information', 'Wissen' und 'Verstehen' bedeutet." Dies bestätigte auch Elizabeth van Couvering: "Wir brauchen zweierlei: Einen Verhaltenskodex für Suchmaschinenfirmen und das technische Personal sowie eine öffentliche Debatte darüber, dass das Internet nicht nur ein Marktplatz ist." Das profitable Geschäft des Suchens behandelte auch Matteo Pasquinellis Beitrag. "Der Rentier des Feudalsystems war jemand, der Land von anderen Menschen kultivieren ließ, um daraus Gewinne zu erzielen. Heute stehen wir vor neuen Pachtsystemen: Globale Rentiers wie Google erzielen enorme Profite aus Wissens- und Kulturinhalten, die eigentlich Allgemeingut sind." Einen Ausblick auf die Zukunft der Suche gab mc schraefel. "Wenn unser einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann suchen wir nur nach Nägeln. So ist das auch mit der Suche", erklärte die Lektorin an der britischen Southampton University. "Derzeit sind Suchmaschinen noch nicht fähig, Metadaten aus Dokumenten zusammenzuführen und originäre Fragen zu beantworten. Das ist eine Herausforderung für die Zukunft." Karl Müller vom Wiener Institut für Sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik zeigte Limitierungen klassischer Umfrageergebnisse auf und wies auf die Bedeutung digitaler Daten aus transaktionalen Spuren für die Zukunft sozio-ökonomischer Forschung hin. "Wir leben in einer extrem herausfordernden Zeit: in der ersten Phase einer Turing-Gesellschaft, die auf Maschinencode basiert und in der Datenarchive über Milliarden von Menschen angelegt werden." Gleichzeitig kommentierte er das Phänomen selbstverstärkender Wirkung und medialer Rückkoppelung in diesem Bereich. Konrad Becker zeigte sich abschließend überzeugt, dass dieses Kernthema digital vernetzter Wissensgesellschaften eine verstärkte Aufmerksamkeit aller gesellschaftlichen Bereiche notwendig macht. "Der öffentliche Informationsraum als Grundlage demokratischer Gesellschaften muss als Allgemeingut erhalten und als wichtige gesellschaftliche Ressource nachhaltig gepflegt und geschützt werden." ------ -- Videoaufzeichnung der Konferenz: http://world-information.org/wii/deep_search2/videos Hinweis: Der Sammelband "Deep Search. Politik des Suchens jenseits von Google" erschien 2009 im Studienverlag, sowie in englischer Version bei Transaction Publishers. Konrad Becker/ Felix Stalder [Hrsg.] Deep Search. Politik des Suchens jenseits von Google. Studienverlag 2009. ca. 220 Seiten. ISBN 978-3-7065-4794-9 http://world-information.org/wii/deep_search/book/deepsearch-book_de ------ -- Rückfragehinweis: World-Information Institute Institut für Neue Kulturtechnologien/t0, Operngasse 20B, 1040 Wien ZVR-Zahl: 121916514 [email protected] http://t0.or.at ------ -- Erklärung gemäß § 107 TKG Angesichts einer zunehmend erdrückenden Medienkonzentration leistet der nicht-kommerzielle Versand von kulturpolitischen Informationen einen wichtigen Beitrag zur Herstellung diskursiver Öffentlichkeiten. Die neuen Bestimmungen des Telekommunikationsgesetzes (TKG § 107) bedeuten eine diesbezügliche Einschränkung, denn seit 1. März 2006 dürfen e-Mail-Zusendungen ausschließlich mit dem Einverständnis der EmpfängerInnen zugesendet werden. 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