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LCG10298 (KI)                        Mittwoch, 15. Dezember 2010
Wien/Kunst/Kultur/Ausstellungen/Museen


Birgit Jürgenssen - BILD/AUDIO

Anhänge zur Meldung unter
http://presse.leisuregroup.at/kunstforum/juergenssen

Utl.: Eine Kooperation von Bank Austria Kunstforum
und SAMMLUNG VERBUND =

Wien - Das Bank Austria Kunstforum und die SAMMLUNG VERBUND präsentieren
die erste posthume Retrospektive zum Werk von Birgit Jürgenssen
(1949-2003). Mit dieser Zusammenarbeit bekunden die beiden Unternehmen -
Bank Austria und VERBUND - ihr Engagement für bildende Kunst.

   Die in Wien geborene Künstlerin Birgit Jürgenssen zählt heute zu den
international herausragenden Vertreterinnen der feministischen Kunst. Ihre
künstlerische Arbeit vereint gesellschaftspolitisches Engagement,
literarische, philosophische und psychoanalytische Bezüge sowie eine
surrealistische Lust an Metamorphose und Sprachspiel. Auf die
Einheitlichkeit und Wiedererkennbarkeit eines »signature style« verzichtete
Jürgenssen zugunsten einer Experimentierfreudigkeit, mit der sie sich über
die Grenzen eines künstlerischen Stils oder einer feministischen Schule
hinwegsetzte. Ihr vielfältiges OEuvre, das vielfach postfeministische
Kunstpraktiken vorweg nimmt, reicht von Druckgrafiken, Zeichnungen,
fotografischen Inszenierungen und performativer Körperkunst bis zu den
subversiven Objekten des Schuhwerks.

   Im Klima eines männlich dominierten öffentlichen Lebens und
Kunstbetriebs begann Birgit Jürgenssen Ende der 1960er Jahre mit den
Mitteln der Maskierung und des Rollenspiels eine subtile, oftmals
selbstironische Kritik an gesellschaftlichen Dogmen und kulturellen
Konstruktionen von Weiblichkeit zu formulieren. Das Zentrum ihrer
künstlerischen Auseinandersetzung bildet der eigene Körper, den sie als Ort
künstlerischer Intervention einsetzt und ihn als Projektionsfläche sozialer
und kultureller Codes entlarvt. Durch die Strategien von Selbstironie,
Subversion und Bedeutungsverkehrung legt Birgit Jürgenssen die
konventionellen Darstellungsformen des Weiblichen bloß und lässt dabei jeden
»orthodoxen« Feminismus hinter sich. Die Künstlerin fungiert wiederholt als
ihr eigenes Modell, doch handelt es sich dabei nie um Selbstbildnisse. Ihre
spielerische Aneignung und Verwerfung einer Vielzahl in Umlauf befindlicher
Masken und Posen ermöglicht Jürgenssen eine lustvolle Überschreitung von
Identitätsgrenzen - zwischen den Geschlechtern, zwischen Mensch und Tier,
Mensch und Objekt, zwischen belebtem und unbelebtem Körper. Entgegen dem
entfesselten Aktionismus ihrer männlichen Kollegen, aber auch entgegen
zahlreicher Kolleginnen wie Yoko Ono, Marina Abramović und teilweise auch
VALIE EXPORT, inszeniert sich Birgit Jürgenssen jedoch nie in provokanten
öffentlichen Performances, für die sie sich als »zu scheu« bezeichnete.
Ihre stillen, poetisch angelegten Arbeiten macht sie allein mit sich selbst
aus, immer wieder ist das Selbstauslöserkabel zu sehen.

   Die lange erwartete erste posthume Retrospektive der Künstlerin zeigt
anhand von rund 250 Werken die gesamte Spannbreite ihres drei Jahrzehnte
umfassenden Schaffens -darunter zahlreiche bislang unveröffentlichte
Arbeiten aus ihrem Nachlass. Dazu zählen etwa ihre frühen
selbstanalytischen Badezimmerfotografien, ihre Diplomarbeit Zipfeln, mit der
sie 1971 die Meisterklasse für Grafik bei Franz Herberth an der Hochschule
für angewandte Kunst abschloss sowie »gemalte Fotografien« der 1980er Jahre
- mehrfach überarbeitete Rayogramme, die ihr Interesse an medialen
Grenzgängen belegen. Während ihre Zeichnungen von einer akademischen
Kunstfertigkeit gekennzeichnet sind, experimentierte sie in der Fotografie
frei mit den verschiedensten Verfahren (S/W- und Farbfotografie, Polaroids,
Solargrafiken, Rayogramme). Birgit Jürgenssen begann 1982 in der Klasse von
Arnulf Rainer an der Akademie der bildenden Künste in Wien zu lehren und
war dort bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 2003 mit Enthusiasmus tätig.

   Die Verschränkung von verschiedenen Medien und Fragestellungen, von
ästhetischen und wissenschaftlichen Diskursen, bestimmte zeitlebens
Jürgenssens OEuvre. Die Ausstellung trägt dieser Arbeitsweise Rechnung und
legt einen Parcours mit thematischen Verdichtungen quer durch ihre
Schaffensperioden. Zu diesen Schwerpunkten zählen: Selbstinszenierungen,
künstlerische Reflexionen über den Topos ›Hausfrau‹ und ›Heim‹, Liebe, das
Unheimliche, Sprachspiele, ihre Auseinandersetzung mit surrealistischen
Methoden wie Fragmentierung und Montage, die Anverwandlung von Mensch und
Tier, Mensch und Objekt, Fetisch ›Schuh‹, Projektion usw. Die Rekonstruktion
einer Installation aus der Ausstellung 10 Tage - 100 Fotos (1981) in der
Galerie Hubert Winter, die in einem Tableau verschiedene performative
Arbeiten, Badepolaroids und Selbst mit Fellchen verband, veranschaulicht,
wie weit Birgit Jürgenssens Gestaltungswille in das Ausstellungsdesign
hineinwirkte.

   Die Rezeption in der jüngeren Kunstgeschichte, das Gesamtwerk
würdigende Museumsausstellungen und kommerzielle Erfolge blieben ihr zu
Lebzeiten weitestgehend versagt. Mit dieser Ausstellung soll Birgit
Jürgenssen sieben Jahre nach ihrem Tod zu der ihr angemessenen
internationalen Sichtbarkeit und Anerkennung verholfen werden.
Österreichische Museen wie MUMOK, MAK, Neue Galerie Graz, Essl Museum und
MUSA sowie die Bank Austria Kunstsammlung unterstützen die Retrospektive
mit wichtigen Werken der Künstlerin aus ihren Beständen. Den größten Teil
der Leihgaben stellen der Nachlass Birgit Jürgenssen mit rund 180 Werken
und die SAMMLUNG VERBUND zur Verfügung, die mit ihrem Schwerpunkt der
Feministischen Avantgarde die einzige Kunstinstitution ist, die mit 50
Arbeiten eine umfassende Werkgruppe besitzt und die federführend an der
Wiederentdeckung der Künstlerin beteiligt ist.

~
Ausstellung »Birgit Jürgenssen«

Ort:             Bank Austria Kunstforum
Laufzeit:        16. Dezember 2010 - 6. März 2011
Öffnungszeiten:  Montag bis Sonntag: 10.00 - 19.00 Uhr
                 Freitag: 10.00 - 21.00 Uhr
Adresse:         1010 Wien, Freyung 8
Website:         http://www.bankaustria-kunstforum.at
Lageplan:        
http://maps.google.at/maps?oe=utf-8&client=firefox-a&ie=UTF8&q=freyung+8+wi
en&fb=1&gl=at&hnear=Dornbirn&cid=0,0,5117596367274441194&ll=48.212906,16.366
067&spn=0.006434,0.015235&z=16&iwloc=A
~

   Das Bildmaterial steht zum honorarfreien Abdruck bei redaktioneller
Verwendung zur Verfügung. Weiteres Bild- und Informationsmaterial im
Pressebereich unserer Website unter http://www.leisuregroup.at. (Schluss)


Rückfragehinweis:
   leisure communications
   Wolfgang Lamprecht
   Tel.: +43 664 8563002
   E-Mail: [email protected]

   Alexander Khaelss-Khaelssberg
   Tel.: +43 664 8563001
   E-Mail: [email protected]

   Für die SAMMLUNG VERBUND:
   Susanne Haider
   Tel.: +43 1 5249803
   E-Mail: [email protected]





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