CHRISTINE KÖNIG GALERIE

PRESSEINFORMATION - mit der Bitte um Ankündigung in Ihrem Medium:

ANNE SCHNEIDER
anthropomorph und unähnlich

Eröffnung: Dienstag, 28. Juni 2011, 18 - 21 Uhr
29. Juni - 10. September 2011

Öffnungszeiten im August nach Voranmeldung.

Ausstellungsansichten nach der Eröffnung unter: www.christinekoeniggalerie.com
Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns bitte unter: 
[email protected]

http://www.christinekoeniggalerie.at/news/11/AnneSchneider.JPG

ANNE SCHNEIDER
Ohne Titel, 2010
Beton, Metall, Nylonfaden
238 x 15 x 13 cm
Courtesy Christine König Galerie, Wien


Anne Schneider wurde 1965 in Enns geboren, sie lebt und arbeitet in Wien. 
1992-1996 Meisterschülerin bei Michelangelo Pistoletto an der Akademie der 
bildenen Künste Wien.

Ausgewählte Ausstellungen:
2011 WAX, KUNSTEN Museum of Modern Art Aalborg, Dänemark; WAX. Sensation in 
Contemporary Sculpture, Kunstforeningen GL STRAND, Kopenhagen, Dänemark; Puppen 
- Projektionsfiguren in der Kunst, Museum Villa Rot, Deutschland; Geburt der 
Venus, Vitrine am Fundort der historischen Venus von Willendorf; 2010 Eroi 
Eroine. Iconologia e simulacro, Castello di Rivalta, Turin, Italien; 2008 
Nichts ohne den Körper,  Lentos Kunstmuseum Linz; In Deiner Gegenwart, 
Dortmunder Kunstverein, Deutschland; 2007 Austrian Cultural Forum, Tokyo; 2006 
...und Wachs, Christine König Galerie, Wien; 2004 side by side, Christine König 
Galerie, Wien; 2003 How big is the world?, Kaohsiung Museum of Fine Arts, 
Taiwan; Mimosen, Rosen, Herbstzeitlosen: Künstlerinnen von 1945 bis zur 
Gegenwart, Kunsthalle Krems; 2001 ...walking to the seat with the clearest 
view..., Christine König Galerie, Wien; Art/Music, Museum of Contemporary Art, 
Sydney; Shopping, Generali Foundation, Wien; 2000 Der anagrammatische Körper, 
ZKM Karlsruhe.


anthropomorph und unähnlich

Roman Grabner, Wien/Graz, 2011

"In den Träumen durchdringen einander die verschiedenen Wohnungen unseres 
Lebens und hüten die Schätze der alten Tage. Irgendetwas Geschlossenes muss die 
Erinnerungen hüten und ihnen dabei ihre Werte als Bilder bewahren.“ (Gaston 
Bachelard, Poetik des Raumes. Frankfurt am Main 1997, S.32.)

In Anne Schneiders Werk spielt die Auseinandersetzung mit physischen und 
psychischen Räumen, ihren Bedingungen und Geschichten, und ihre Relation zum 
Individuum eine wesentliche Rolle. Es sind die Hüllen und Schichten, die uns 
umgeben und mit denen wir uns schützen, die ihr als Ausgangspunkt für ihre 
Arbeiten dienen. Wolldecken mit kreisrunden Fehlstellen, die sie übereinander 
schichtet, Verspannungen von Raumdecke und Boden, Architekturmodelle aus Wachs, 
die an Fäden im Raum schweben und an Körperhöhlen erinnern, Wohnanlagen, die 
sie überwacht und auf ihre soziale Struktur hin beobachtet. Immer geht es um 
den Menschen und die Architektur, um das Individuum und den Raum. Sie setzt 
dabei bewusst auf strukturelle Analogien und entspinnt ein breitmaschiges 
Gewebe aus Form- und Erfahrungsverwandtschaften.

Anne Schneider hat in ihren neuesten Arbeiten in bewusster Anlehnung an die 
übliche Stahlbetonkonstruktion Eisenstäbe mit Beton ummantelt, dem Baumaterial 
jedoch den Anschein eines weichen Textils verliehen und es so mit einer 
ungewohnten Vertrautheit versehen. Das kalte und harte Material Beton erfährt 
durch ihre Handhabung taktile Eigenschaften: menschliche Spuren, Falten, 
Wölbungen und Narben. Ausgehend von dieser ersten Ummantelung hat sie Arbeiten 
entwickelt, die das Wechselspiel von Material und Wirkung, Konstruktion und 
Einrichtung, Architektur und Mensch, Vergangenheit und Gegenwart in 
vielfältiger Weise fortsetzen.

Der Polster, das Sitzkissen, der Hocker sind skulpturale Formen, die unabhängig 
von ihrer Machart, Materialität und Herkunft immer auf den Menschen verweisen. 
Sie repräsentieren die alltägliche Mensch-Objekt-Beziehung und 
versinnbildlichen seine Körpergrenze, entlang der das Selbst mit der Außenwelt 
in Kontakt tritt. Doch geht es Anne Schneider nicht um konkrete Körper-Abdrücke 
in Form von Kuhlen oder Ausbuchtungen in den Betonabgüssen. Es sind die 
Ablagerungen der Zeit, die Spuren des Gebrauchs, die kollektiven Assoziationen, 
die Einschreibungen des Unbewussten, die anthropologische Verdichtung in diesen 
Gebrauchsgegenständen, das Gedächtnis der Objekte, die sie interessieren.

Einige Objekte von Anne Schneider offerieren uns wohlbekannte Formen und sind doch 
(nur) Materialisationen der Leere. Wie Bruce Nauman einst den Leerraum unter seinem 
Stuhl abgegossen und damit sichtbar und "begreifbar“ gemacht hat, 
materialisiert auch Anne Schneider das scheinbar Unsichtbare zu Symptomen der Zeit. 
Jeder Abguss, jeder Abdruck ist Zeugnis einer Berührung, enthält uns jedoch den 
Kontakt mit dem formgebenden Gegenstand vor. Er wird daher fast zwangsläufig als 
Trennung, Verlust bzw. Abwesenheit aufgefasst. Jede Abwesenheit indiziert Spuren 
einer einstigen Anwesenheit und verweist damit auf die zeitliche Dimension von 
Vergangenheit und unmittelbarer Gegenwart.

Gleich einer Archäologin, die es gewohnt ist, Sedimentierungen zu lesen und sich 
durch Schichten zu arbeiten, präsentiert die Künstlerin ihre Arbeiten in einer 
vertikalen Ausrichtung. Metallstangen entwachsen den Betongüssen und reichen bis an 
die Decke, sackähnliche Gebilde falten sich entlang eines Rohrs nach unten, 
Metallstäbe lehnen nur mit einer hellblauen Aluminiumzeichnung verbunden an der 
Wand, Schnüre und Bänder hängen von der Decke und strecken biomorphe Objekte in die 
Länge, eine Wohnungstür teilt den Raum in der Vertikalen und gibt neben einer 
Metallleiter die Leserichtung für die Arbeiten vor. Der Blick wandert von oben nach 
unten und lässt die Skulpturen wie auf den Grund gesunken erscheinen, mit der 
Oberfläche, mit der Gegenwart verbunden durch rätselhafte Antennen. Abgesunken in 
die Zeit scheinen sie einen imaginären Dialog zu führen und lenken durch die 
Prothesen, die aus ihrem Inneren zu kommen scheinen, zugleich die Aufmerksamkeit auf 
ihr "Innenleben“. Ein weiterer Hohlraum mit Sedimenten, Ablagerungen, Spuren 
eines kollektiven Unbewussten?

Die Gegenstände verharren in der Schwebe. Der Abdruck als Erkennungszeichen oder gar Zeichen 
der Identität wird unterwandert. Für Anne Schneider ist das Einswerden des Künstlers mit 
seinem Material, die Berührung und der körperlichen Bezug zu ihm ein entscheidender Faktor. In 
seinem Buch "Ähnlichkeit und Berührung“ schreibt Georges Didi-Huberman, ein Zitat Gilbert 
Simondons verwendend: man müsste "zusammen mit der Tonerde in die Form gelangen können, 
gleichzeitig Form und Ton werden, ihr Zusammenwirken spüren und erleben, um die Formwerdung 
als solche denken zu können." Die Formen Anne Schneiders lassen sich nur über das 
Nachvollziehen dieser Berührung begreifen.

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A-1040 VIENNA
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