AM 8. MAI UM 19h: ERÖFFNUNG SEI MEIN ZEUGE! Mieke Bal und Michelle Williams 
Gamaker


Be My Witness!

… is what the woman Sissi, diagnosed as schizophrenic, calls out to her 
psychoanalyst, right after she has revealed the cause of her troubles. Sissi 
was the first patient of Françoise Davoine, the analyst and main character – 
and actress playing herself – in the feature film A Long History of Madness. 
Like Freud’s Dora, Sissi dismissed Françoise, who seemed incapable of helping 
her. Twenty years later, and still confined to a psychiatric hospital, Sissi’s 
"second chance" in the shape of another analyst, slowly but surely allows her 
to reach into her deepest darkest self. The analyst, this time, is not afraid 
of putting herself on the line, an identification that allows the unattainable 
memories to come to the surface.


OPENING AT THE VBKÖ
Maysedergasse 2 - 4. Stock
1010 Wien

May 8 at 7pm

OPENING TIMES
Fridays: May 11, 18, 25 from 5 to 7pm
Saturdays: May 12, 19, 26 from 4 to 7pm


An exhibition of two video works “Eine zweite Chance” and “Sissi Outside”, and 
the exhibit “Sissi’s Skins”.

The exhibition is related to the feature film, “A Long History of Madness”, on 
view at Top Kino from May 13 to 19 at 5:30pm. On May 12, following the 
screening at 8pm, there will be a Q&A session with Mieke Bal.

Sei mein Zeuge!

… fordert Sissi, als schizophren diagnostiziert, ihre Psychoanalytikerin 
heraus, nachdem sie ihr die Ursache ihrer Probleme offenbart hat. Sissi ist die 
erste Patientin von Françoise Davoine, der Analytikerin, Hauptfigur und 
Schauspielerin, die sich im Film A Long History of Madness selbst spielt. So 
wie bei Dora und Freud, beendete Sissi die Therapie bei Françoise, die ihr 
nicht in der Lage erschien, ihr zu helfen. Zwanzig Jahre später und immer noch 
in einem psychiatrischen Krankenhaus eingeschlossen, erhält Sissi ihre “zweite 
Chance” durch eine andere Analytikerin, die ihr langsam aber sicher erlaubt, 
ihr innerstes, dunkelstes Selbst zu erreichen. Dieses Mal hat die Analytikerin 
keine Angst davor, sich in die Schusslinie zu begeben, und somit eine 
Identifikation zu ermöglichen, um unerreichbare Erinnerungen an die Oberfläche 
zu bringen.

In der westlichen Kultur besteht der „Wahnsinn“, in einer Vielzahl von 
medizinischen Begriffen als Psychose, Schizophrenie, Soziopathologie oder 
Ähnliches bezeichnet, als letzte Grenze, die Form der Alterität, die am 
schwersten zu bewältigen ist. Wahnsinn ist nicht auf Gruppen ethnischer, 
sexueller, Alters- oder rassischer Definition beschränkt. Vielleicht ist es 
deshalb so schwierig, die Grenze, die das „Verrückte“ von dem angeblich geistig 
Gesunden trennt, zu überwinden, weil wir den „Wahnsinn“ nicht definieren 
können, um ihn dann anderorts abzudrängen. Die „Verrückten“ werden somit der 
sozialen Ausgrenzung und Einsamkeit überlassen. Doch oftmals drückt sich das 
angeblich Verrückte in einem Überschuss aus: Da sie mehr Stimmen als die 
„Gesunden“ hören, haben „Verrückte“ ein reicheres Seelenleben.

Für Sissi nimmt dieser Überschuss die Form kaiserlichen Gehabes an: sie denkt, 
sie wäre – wie ihre Namenspatronin – die Kaiserin von Österreich-Ungarn. Sie 
wendet Zeit und Geld auf, sich entsprechend zu kleiden und zu frisieren, 
extravagante, wenn auch nicht kostbare Schmuckstücke zu tragen, und von oben 
herab mit ihrer Analytikerin zu sprechen. Die Therapeutin ist letzen Endes 
erfolgreich, da diese in der Lage ist zu sehen, wie Sissi sie “behandelt”, und 
dies andererseits auch Sissi sehen lässt. Dadurch erhält Sissi die Möglichkeit, 
sich ihrer dunklen Vergangenheit zuzuwenden.

Zwischen der Kunst und ihren Rezipient_innen ist ein Prozess ähnlicher 
Größenordnung möglich. Die Videoarbeit Eine zweite Chance führt den_die 
Zuschauer_in durch zwölf analytische Sitzungen, die die Psychoanalyse selbst 
umgestalten. Durch die sehr intensive Identifizierung mit der Patientin und die 
Vermittlung von Gleichwertigkeit wird letztere im Adressieren der psychischen 
Erkrankung effektiver.

In Eine zweite Chance wird diese Haltung auch dem_der Betrachter_in von Kunst 
angeboten, um auf die gleiche Weise lernen zu können, die Bereicherung zu 
erfahren, die Alterität mit sich bringen kann, diese zu akzeptieren und somit 
die Rolle des_r Zeugen_in zu billigen. In dem kürzeren Stummfilm, Sissi 
Outside, wird Sissi in ihrer Außenumgebung gezeigt, auf der historischen Insel 
Seili (Sjalö), wo eine Foucault-artige Leprakolonie in eine Nervenheilanstalt 
transformiert wurde, die die Umgebung für Sissis Aufenthalt bildet. Auch das 
Land und seine Geschichten sind somit Zeugen. Die Arbeit Sissi’s Skins besteht 
aus einigen Kleidern und Schmuckstücken, die Sissi in dem Video trägt. In 
gewisser Hinsicht lösen diese Objekte die strikte Grenze zwischen Fiktion und 
Dokumentation auf, da sie real und tragbar sind. Zum anderen sind sie Sissis 
engste Zeugen: Objekte, die bei ihr sind, wie eine zweite Haut. Die Würde, die 
diese auf sie übertragen, schützt sie gegen erneute Angriffe.

Die Videoarbeiten von Mieke Bal und Michelle Williams Gamaker stehen im 
Zusammenhang mit dem Film A Long History of Madness, der vom 12. bis 19. Mai im 
Topkino zu sehen ist.

BE MY WITNESS! ist Teil von „NARRATION UND MIGRATION – Art-based Research / 
Research-based Art”, das vom 8. bis zum 26. Mai in Kooperation mit dem tfm | 
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, der Brunnenpassage and dem 
Topkino stattfindet.


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