_______/ PRESSEMITTEILUNG

______/ Kulturrat Österreich

__/ Die Macht hat stets, wer zahlt – Bertolt Brecht

_______/ http://kulturrat.at

__/ Was haben Burgtheater und Abschiebegefängnis gemeinsam?
__/ Kulturrat Österreich fordert das Burgtheater dazu auf, die 
Geschäftsbeziehungen mit dem "Sicherheitsdienstleistungsunternehmen" G4S 
umgehend zu beenden, sein Personal selbst anzustellen und fair zu entlohnen!

______/ Aufruf zum Protestmailen

Ein Billeteur des Burgtheaters hat vor Kurzem mit deutlichen Worten 
öffentlich gemacht, dass eine ganze Reihe wichtiger MitarbeiterInnen des 
Burgtheaters bzw. der Bundestheater-Holding seit 1996 aus Kostengründen 
über einen internationalen Konzern "zugemietet" werden. Billiger werden 
solcherart ausgelagerte Arbeitskräfte in erster Linie durch 
Gehaltseinbußen und Schlechterstellungen in ihren Arbeitsverträgen: Das 
Umgehen von kollektivvertraglichen Mindeststandards und betriebsinternen 
Abmachungen sind weit verbreitete Folgen.

GeschäftspartnerIn des Burgtheaters ist das 
"Sicherheitsdienstleistungsunternehmen" G4S, ein global tätiges 
Unternehmen, das u. a. von der zunehmenden Privatisierung des 
staatlichen Gewaltmonopols profitiert: Schubhaft und Abschiebung sind 
Geschäftsfelder, an denen G4S ebenso verdient wie durch Bereitstellung 
von BilleteurInnen am Burgtheater.

Statt eine klare Stellungnahme abzugeben, positioniert sich das 
Burgtheater seit der Rede des Billeteurs mit dem peinlichen Versuch 
schadensbegrenzenden Kleinredens: Es liegt Verdrängung und (mutwillige) 
Verharmlosung vor, wenn sich das Haus am Ring auf den Standpunkt 
zurückzieht, G4S agiere Recherchen zufolge in Österreich 
gesetzeskonform: Abschiebungen und Schubhaft sind in vielen Fällen 
gesetzeskonform, nichtsdestoweniger sind sie menschenrechtswidrig. In 
England ist ein Verfahren gegen G4S anhängig, weil G4S-MitarbeiterInnen 
bei einer Abschiebung so aggressiv vorgingen, dass eine Person, die 
abgeschoben werden sollte, an Luftmangel erstickte. In Österreich hat 
G4S einen 68-Millionen-Euro-Auftrag für die nächsten 15 Jahre erhalten, 
um in Vordernberg in der Steuermark ein Schubhaftzentrum zu unterhalten 
und zu leiten. Damit wird erstmals in Österreich der Vollzug von 
Schubhaft an ein Privatunternehmen outgesourct. Es ist unerträglich und 
inakzeptabel, dass derartige Firmen auch mit Geld aus dem Kulturbudget 
bezahlt werden!

Wir fordern das Burgtheater und insbesondere die Bundestheaterholding 
dazu auf, die Geschäftsbeziehungen mit dem 
"Sicherheitsdienstleistungsunternehmen" G4S umgehend zu beenden und ihr 
Personal innerhalb der eigenen Organisation anzustellen und fair zu 
bezahlen!

_______/ Wir rufen dazu auf, bei Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann 
sowie der zuständigen Bundestheaterholding auch persönlich zu protestieren!

__/ Ein Mailvorschlag – als Vorlage für jene, die nicht selbst 
formulieren möchten:

Sehr geehrter Herr Direktor Hartmann,
sehr geehrte Damen und Herren in der Bundestheaterholding,

Ich protestiere aufs Schärfste gegen die nunmehr öffentlich gewordene 
Geschäftsbeziehung zwischen den Bundestheatern und G4S. Ein 
"Sicherheitsdienstleistungsunternehmen", dessen MitarbeiterInnen zur 
Zeit in London angeklagt sind, einen Abzuschiebenden im Zuge der 
"Amtshandlung" erstickt zu haben, ein 
"Sicherheitsdienstleistungsunternehmen", das in Hinkunft das 
Abschiebegefängnis Vordernberg in Österreich verwalten und betreuen 
soll, hat als DienstgeberIn im Theaterbereich nichts verloren!

Auch KulturarbeiterInnen haben ein Anrecht auf faire Anstellungen – 
insbesondere der hochsubventionierte Bereich sollte hier mit gutem 
Beispiel vorangehen. Kündigungen von Drittunternehmen als Reaktion auf 
nachvollziehbare Kritik an ihnen sind sofort abzustellen – kein Wunder, 
dass sich niemand der anderen unmittelbar Betroffenen öffentlich 
solidarisiert:

Die Menschen fürchten zu Recht den Verlust ihrer Beschäftigung!
Die Bundestheater müssen umgehend ihre MitarbeiterInnen selbst zu 
arbeitsrechtlich korrekten und faieren Bedingungen anstellen!
Kein Cent aus dem Kulturbudget darf mehr an fragwürdige Firmen fließen!

Ich verbleibe in Erwartung Ihrer Stellungnahme, vor allem Ihrer 
Entscheidung,

mit freundlichen Grüßen,

__/ AN

Burgtheater Direktor Matthias Hartmann: [email protected]
Burgtheater Kontakt: [email protected]
Bundestheater Holding: [email protected]

Und zu Dokumentationszwecken bitte CC an: [email protected]


_______/ Weitere Informationen:

__/ Blog des Billeteurs (und seine Rede)
http://burg4s.tumblr.com

__/ Offener Brief der IG Bildende Kunst an das Burgtheater in 
Solidarität mit der mutigen Protestrede eines Billeteurs (17.10.2013)
http://www.igbildendekunst.at/politik/brennpunkte/burgtheater2013.htm

__/ Aus Anlass der Rede des Billeteurs im Burgtheater im Rahmen des 
Kongresses „Von welchem Theater träumen wir“. Presseaussendung der IG 
Freie Theaterarbeit (18.10.2013)
http://www.freietheater.at/?page=index&detail=2

__/ Wir fordern die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit des 
Österreichischen Bundestheaterverbands mit G4S. Aussendung von IG 
Autorinnen Autoren, IG Übersetzerinnen Übersetzer, Grazer Autorinnen 
Autorenversammlung, Österreichischer P.E.N.-Club (21.10.2013)
online auf dem Blog http://burg4s.tumblr.com

__/ „Ein humanes Gefängnis gibt es nicht, wird es nie geben“. Ein 
Interview zum geplanten Schubhaftgefängnis in Vordernberg/ Steiermark 
(online seit 16.10.2013).
http://www.malmoe.org/artikel/regieren/2650


_______/ Rückfragen:

Kulturrat Österreich
Gumpendorfer Str. 63b
A-1060 Wien
[email protected]
http://kulturrat.at

_______/ Disclaimer:

Sollten Sie keine weiteren Informationen des Kulturrat Österreich 
beziehen wollen, ersuchen wir Sie um eine kurze Verständigung.
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