CHRISTINE KÖNIG GALERIE
PRESSEINFORMATION - mit der Bitte um Ankündigung in Ihrem Medium
OVIDIU ANTON | Sauve qui peut
3rd Room: MIRCEA STANESCU | Apartament
Eröffnung: Dienstag, 19.November 2013, 18 Uhr
gemeinsam mit den Galerien Andreas Huber, Kerstin Engholm, Georg Kargl und
Gabriele Senn.
Ausstellungsdauer: bis 11.Januar 2014
http://www.christinekoeniggalerie.at/news/13/Ovidiu_Anton.jpg
Fuck the System! Aber welches System? Jenes, das die Grenzen dichtmacht und
Asylsuchende an der Einreise hindert oder sie in trostlosen Lagern kaserniert?
Jenes, das den öffentlichen Raum mit seinen Werbebotschaften kolonisiert und
Interventionisten wie Graffitisprayer oder Skater in die Illegalität abdrängt?
Oder gar das System Kunst und den White Cube selbst?
Die Ästhetik von Ovidiu Anton bedient sich des Stilmittels der paradoxen Intervention.
Sie steht in einem gedanklichen Zusammenhang mit jugendsubkulturellen Ausdrucksformen wie
Sprayen, Stencil Art oder Street Art, aber sie stellt deren Arbeitsweisen und Intentionen
auf den Kopf. So übersetzt Anton die dem Dunkel der Nacht geraubten schnellen
Tätowierungen auf herrschaftlichen Architekturen in das langsamere System der Zeichnung,
er überträgt Wandinschriften aus Marseille auf Häuserwände in Wien und umgekehrt, er baut
funktionales Design von Le Corbusier mit 'armen' Materialien nach und er übersetzt im
Video "It doesn`t matter where" jenes 'Auf der Flucht', das bei den
Guerilla-Aktionen im öffentlichen Raum immer mitschwingt, in eine 'Chase Scene', die Zeit
und Raum verwirbelt.
Das zentrale Werk dieser Ausstellung ist jedoch die Installationsarbeit "Zeit
totschlagen und Umgebung beobachten", in der die Flucht von Ovidiu Antons Vater aus
dem Post-Ceausescu-Rumänien und seine temporären Aufenthalte in transitorischen Räumen
wie dem Westbahnhof und dem Flüchtlingslager Traiskirchen mehrspurig und mehrschichtig
thematisiert werden, wobei die Asynchronität von Bild und Ton ein Element des
geographischen und psychischen Orientierungsverlustes einbringt.
In seiner jüngsten Laufbildarbeit "Street Cat Deluxe", die im Rahmen eines
längeren Aufenthaltes in Istanbul entstanden ist, läßt Anton Straßenkatzen über Probleme
der Gentrifizierung in der türkischen Metropole sprechen: Vermenschlichung als
Verfremdungseffekt und gleichzeitig als Möglichkeit, Bild- und Tonspur auf irritierende
Weise zu verknüpfen. L`homme en révolte - das ist das zentrale Thema des jungen,
rumänischstämmigen Künstlers. Doch ihn interessiert nicht die emphatische
Widerstandsgeste per se, sondern ihre sinnbildliche Darstellung, ihre Verankerung in
ständig permutierenden Lebenswelten und die Bedingungen, unter denen sie mit Energie
aufgeladen wird. Es geht um die dialektische Spannung zwischen Orten und Nichtorten,
zwischen gesellschaftlichem Normverhalten und Grenzüberschreitung, zwischen Verdammnis
und Erlösung. Sauve qui peut (la vie)!
3rd Room: MIRCEA STANESCU | Apartament
http://www.christinekoeniggalerie.at/news/13/mircea_stanescu.jpg
Der rumänische Künstler Mircea Stanescu verfügte nie über ein eigenes Atelier.
So wurde seine Wohnung in Sibiu zur Arbeitsstätte, zum Zentrum seiner
künstlerischen Energien. Die Innenräume und der Balkon mit Rosmarin,
Pfefferminze, Lavendel und zwei Arbeitstischen, das Vorzimmer mit den
Überbleibseln von Installationen und das von Büchern umgebene Bett waren und
sind gleichermaßen Residualräume und Produktionsdispositive und in dieser
Zweigestaltigkeit auch ein Thema in Stanescus Arbeit.
Mittels Fotografie dokumentiert er seit 2008 die Konstanten und Variablen in
seinem Umraum: Die Mutabilität der in der Alltäglichkeit sich konkretisierenden
Materialität, die subtilen Veränderungen in den Arrangements von Gegenständen
und Mobiliar, die das unmerkliche Vergehen der Zeit im Gegenständlichen zu
fassen versuchen. Stanescus fotografische Arbeit ist Dokumentation und
mythische Hypostasierung, Enthüllung eines produktiven Szenarios und
gleichzeitig Bewahrung eines Geheimnisses, das sich hinter den Oberflächen der
banalen Objekte verbirgt. Eine Meditation über Raum und Zeit, die dem flüchtig
Unsagbaren gegenständliche Konturen verleiht.
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