Hallo Forum,

ich möchte mit diesem Beitrag eine Diskussion starten, um Logitech
wachzurütteln.

Wie aus einzelnen Beiträgen (auch von den Profis hier) herauslesbar ist,
scheint auch im Hause Logitech die klare Linie gegenüber unseren
geliebten Streamern verloren. Nicht umsonst vermissen wir die
Kommunikation bezgl. Erneuerungen oder Verbesserungen, die uns Hoffnung
gibt, daß es weitergeht. Schaut man sich parallel die Aktivitäten in
diesem Forum an, scheint auch die langsam aber sicher rückläufig zu
sein; nicht umsonst gibt es diesen Beitrag:
http://forums.slimdevices.com/showthread.php?91188-Zukunft-der-Logi-Squeeze-Produkte-Player-einlagern

Ich möchte an dieser Stelle betonen, daß ich noch nie mit einem Logitech
Vertreter gesprochen habe, meine Eindrücke also ausschließlich auf der
Benutzung von Squeezebox Classic und Touch beruhen, sowie dem Lesen in
den Foren. Dies sind also subjektive Eindrücke und ich entschuldige mich
im voraus, sollte ich Sachverhalte - mangels tieferer Einsicht in die
Materie - nicht richtig wiedergeben.

Wir haben es also mit einem Produktbereich zu tun, der aus der IP Welt
kommend, im Moment dabei ist, die UE Welt massivst zu wandeln. Dabei
meine ich nicht explizit Logitech, sondern den Wandel von IR gesteuerten
Quellengeräten wie CD/DVD Player zu IP gesteuerten Geräten, wie z.B. die
Musik Streamer, aber auch Produkte wie HTPCs (Windows 7). Das Vordringen
der IP basierenden Technik ist unaufhaltsam und sollte für jeden
Hersteller mit Schlüsselprodukten Grund zur Freude sein, weil
wachstumsträchtig.

Gemeinsam ist den Produkten die Vorstellung, daß im privaten Haushalt
ein Medienbestand vorhanden ist, der nun (zusätzlich oder alternativ)
über das häusliche LAN Komfortverbesserungen im Bereich Steuerung
ermöglicht.
Dies bezieht sich auf die Nutzung auf eine HDD abgelegter Medien in
unterschiedlichen Räumen (Multi-Zonen Installation), genauso wie auf die
bidirektionale Steuerung mittels Touch Micro PC, z.B. iPad. Vollständige
Tag Infos ermöglichen damit eine weitere Informationsgebung am Hörplatz
ohne zusätzlich eingeschalteten Monitor oder Beamer.

Alle erforderlichen Parameter sind heute gegeben, um die klassische
Speicherung auf CD, DVD oder Bluray mittels geeigneter Tools auf eine
inzwischen preiswerte HDD zu übertragen. Es gibt die Spezialtools, um
auch highendigen Ansprüchen gerecht zu werden (z.B. dbpoweramp), es gibt
die simpel Lösungen (Media Center) um Musik inkl. Tag Informationen auf
die HDD zu bekommen. Schritt für Schritt lassen sich immer mehr
CD/DVD-Audio Formate auch hochauflösend herunterladen.

Jeder noch so kleine Aspekt ist heutzutage für eine individuelle Lösung
geklärt. Jeder kann aus einer Vielzahl von Software und Geräten seinen
Medientraum verwirklichen. Selbst die Bedienung ist
plattformübergreifend. Die großen Systeme Windows, Android und Apple
können mit Soft- und Hardware eingebunden werden. Die einzelnen
Programmierer sind hier sogar im Forum aktiv und helfen weiter.
Klanglich haben wir eine Basis, die recht nett ist (im Vergleich zu
Highend CD-Playern).
Die klanglichen Erfahrungen der HiFi Branche lassen sich übertragen, wir
tauschen ja nur die Quelle. Problemlos kann der Klang mittels besserer
(externer) DACs gesteigert werden; selbst Anleitungen für die Freaks
sind vorhanden, um in den Eingeweiden einer Squeezebox rumfummeln zu
können. Eigentlich eine schöne Welt, alles in Ordnung, oder?

Es stellt sich die Frage, warum also die Squeezebox Produkte und dieses
Forum so vor sich hin dümpeln; Zur Erinnerung: in einer Phase, wo der
Wandel von IR zu IP vollzogen wird; also die Konsumenten offen für diese
schönen neuen Dinge sind.

Meine (hoffentlich nicht zu provokante) These: Die Verantwortlichen von
Logitech haben keine Ahnung von der Materie „Streamer im privaten
Haushalt“.

Die wichtigste Frage im Zusammenhang mit diesem komplexen Produkt ist
auch nach Jahren der Marktpräsenz unbeantwortet:
Wer ist meine Zielgruppe? Wäre diese Frage beantwortet, ergäben sich
aber sofort und zwingend die notwendigen Parameter, um dieses Produkt
inhaltlich zu definieren (Hardware (1) + Software (2)) sowie erfolgreich
zu platzieren (Vertrieb (3)). 


Zu 1)
Aktuell ist das zentrale Produkt Touch aus meiner Sicht das Maß, um
welches eine Produktfamilie gebaut werden sollte. 

Die Touch ist ein Streamer, wie ich ihn mir vorstelle. Alle notwendigen
Schnittstellen sind vorhanden, um sie sehr variabel einsetzen zu können.
Eine versprochene Funktion erfüllt sie allerdings nicht praxistauglich:
die Touch ist selbst der Server mit einer per USB angeschlossenen HDD.
Sie macht das, aber nicht mit einer ernstzunehmenden Musiksammlung.
Dabei fehlt nur eine Sache: mehr Rechenpower. Konkret liest sie ca. 10
Std ein (bei 30K Titeln im Wave Format auf einer 2TB HDD). Per Windows
Rechner mit LMS 7.7.2 werden hierfür knapp 30 Minuten benötigt. 

Sollte also dies kalkulatorisch nicht drin sein, wird hierfür ein
zweites Model benötigt. Nennen wir sie Touch server. 

Sehr gut finde ich auch eine Lösung, welche Amp und Speaker (stereo) 
beinhaltet. Aber mit gleicher Technik, wie die aktuelle Touch. Somit
bleibt die Bedienung und das Aussehen konsistent und es gibt kein
Gemecker seitens der Anwender, die keine Lust haben, für jedes Gerät
eine separate Schulung machen zu müssen, weil sich der Hersteller um
kein konsistentes Bedienungskonzept gekümmert hat. Nennen wir sie Touch
player.

Ein leichtes wäre es, dies auch unter einem einheitlichen Design zu
verwirklichen. Der Aufwand zur Umsetzung ist äußerst bescheiden, da die
Touch ja vorhanden ist und nur wenige Zutaten gebraucht werden.


Zu 2)
Mir ist nicht klar, inwieweit Logitech mit Geld die Programmierung
steuert. Mehr als deutlich ist zu erkennen, daß diese von Freaks
betrieben wird und die Funktionserweiterung treibendes Moment ist.
Vollig aus dem Auge verloren: der normale Endanwender, der eigentlich
nur seinen CD Player ersetzen möchte. Der aktuelle Aufwand zur
Systeminbetriebnahme geht völlig am Bedürfnis und den Fähigkeiten eines
normalen Anwenders vorbei. Und das ist aktuell die Hauptschwachstelle
des Systems. Keine vernünftige Inbetriebnahme
möglich, es gibt noch nicht einmal ein Handbuch. Und dies bitte auch für
fixed IP. Aufwand hierfür: 1 Monat? Auch hier muß nicht viel getan
werden. Die vorhanden Features müssen nur konsequent verknüpft werden,
damit die Systeme ohne Hilfe von Aussen in Betrieb genommen werden
können.
Wie an anderer Stelle hier zu lesen war, gab es wohl eine
Fehleinschätzung bezgl. der Bedeutung des Software Anteils beim Projekt
Squeezebox. Es gab aber auch keine Forderung zur Simplifizierung. Nur
darüber sind größere Absatzmöglichkeiten gegeben.


Zu 3)
Es gibt keinen Vertrieb, der sich explizit mit der Materie Streamer im
privaten Umfeld befaßt. Wie Logitechs Computer Produkte auch, wird über
IT Distributoren das Produkt in Deutschland offiziell vermarktet. Ruft
man dort an, gerät man an Zeitgenossen, die von dem Produkt Squeezebox
noch nichts gehört haben. Natürlich ist auch kein Gerät am Lager, kann
aber bestellt werden. Ein mir bekannter Händler berichtete auch von der
Preiseinstufung: Der Händler EK ist höher als die Verkaufspreise inkl.
19% bei den Kartonschiebern im Internet.
Touch soll ja für 299 € verkauft werden; real im Internet 209 €. Beides
sind Preise, die für den Massenmarkt gedacht sind. Die Komplexität der
Materie erlaubt unter jetzigen Bedienungen aber keine Ansprache an diese
Zielgruppe
(s.o.). Gleichzeitig gibt es kein Vertriebskonzept Fachhandel. Dieser
würde das Produkt präsentieren, vorführen und erklären. Dafür erwartet
er aber eine Marge, die es nicht gibt. Erfahrungsberichte und diverse
Foren sind die Vermarkter und der wissende Freundeskreis. Die
Beschaffung der Geräte ist nur über das Internet möglich; die Leute, die
es dort verkaufen, schieben aber nur einen Karton und kümmern sich nicht
um eine Positionierung des Systems Squeezebox.
Das Produkt kann aber mehr.
Es ist ein weltweit anerkannter Standard. Nicht umsonst gibt es für jede
Plattform Programmierungen für eine bidirektionale Steuerung. Das
Preisgefüge kann überdacht werden. Es spricht nichts gegen ein
Einstiegsmodell mit VK 299€; es darf aber auch höher gehen, wenn das
Drumherum stimmt. Was spricht dagegen, diesen Standard der High End
Industrie und deren Manufakturen zur Verfügung zu stellen? Logitech
liefert die Technologie und die Software, die an die Bedürfnisse des
Herstellers angepaßt werden können. Hat Philips früher mit CD und DVD
Technik auch so gemacht. 
Ab DAC konnten die Hersteller individualisieren. Basis Technik Laufwerk,
Mikroprozessor und Display waren bei allen gleich. Die Klangunterschiede
entstanden durch Netzteile, DACs und mechanischem Aufbau. Das ist völlig
in Ordnung so. Nebenbei bemerkt entsteht so auch die Möglichkeit zur
Ersatzteilversorgung (Stichwort Display bei der Classic).
Wenn die Grundsätzlichkeiten geklärt, echte Vertriebspartner vorhanden
sind, kann man auch darüber reflektieren, ob das Squeezesystem zum Video
Streamen ausgebaut wird. Dies könnte auch die Touch sein, die über
Server Power verfügt. Cloud steht am Horizont und bringt Veränderungen.
Aber nicht jeder will seine Daten extern haben, es wird über
Diensteanbieter auch nicht die eigene Musiksammlung obsolet. Diese
streamen in MP3; gerade mal tauglich als Background-Berieselung. Die
Squeezebox liefert mehr und verdient es, als System überdauernd
positioniert zu werden. Und auch Apple ist nicht in jedem Haushalt
willkommen. Ich habe zwar ein iPad, aber nutze keine Dienste von Apple
und habe dies auch nicht vor. Das iPad ist für mich nur eine angenehme
Fernbedienung. Ich möchte damit noch nicht einmal mit Apple im Internet
browsen.

Die Freiheitsgrade, die technische Reife und die weltweite Akzeptanz
sprechen  
für die Squeezebox. Macht das Projekt rund und es wird sich auch
erfolgreich
entwickeln.

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen und Kommentare.


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