Hallo Gerhilde,

ich bin ein wenig hintendran mit der Liste,
deswegen erst jetzt mein Kommentar dazu.

Ich finde es ganz toll, dass sich hier eine
Möglichkeit auftut Squeak mit öffentlichen
Geldern zu fördern.

Folgende Themen lägen mir am Herzen:

1. Dokumentation: Am besten wäre es natürlich wenn
Squeak seine Dokumentation (für die EToys) selbst
mitbringt. Die Erklärungsblasen die gelengtlich aufgehen
sind erst hilfreich, wenn man weiß worum es überhaupt geht.
Da haben interessierte Lehrer (Nicht-Informatiker) 
aber wahrscheinlich schon aufgegeben.

Es müsste etwas sein, was vielleicht sogar die Benutzung eines
Computers überhaupt erklärt (Maximalforderung). Aber wenigstens
jemande der z.B. Word unter Windows bedienen kann, sollte
in der Lage sein zu begreifen, was er tun kann. Ich persönlich
halte einen Einführungskurs für am geeignetsten. Dieser sollte
leicht Verständlich und am besten 'Fail-Safe' sein. D.h. wenn
der Anwender einen Fehler macht, sollte er sich neu orientieren
können ohne von vorne Anfangen zu müssen. Wenigstens aber sollte
nicht alles aufeinander aufbauen.

2. Squeak (EToys) sollte robuster und transparenter sein.
Scratch (erst einmal angeschaut) macht mir unter diesem Aspekt
einen besseren Eindruck.
Mit 'Robustheit' meine ich: Der kleinste Fehler sollte nicht gleich
zu völlig anderem Verhalten führen.
Mit 'Transparenz' meine ich z.B. dass es für einen Lehrer (nicht Informatiker)
nicht einsichtig ist, warum ein Objekt nicht immer auf einem Strich anhält,
wenn es auf 'Farbe darunter' anhalten soll, entweder weil es nicht exakt die
gleiche Farbe ist oder weil sich das Objekt in Schritten und nicht 
kontinuierlich
bewegt und der Mittelpunkt zunächst vor, dann hinter dem Strich ist (also nie 
auf 
dem Strich). Es sollte also möglichst klar sein, warum etwas passiert.

3. Man sollte meiner Meinung nach die EToys dazu nutzen um die Kinder mit 
fertigen 
Projekten zu konfrontieren mit denen sie spielen und experimentieren können. 
Dabei
sollten die Ergebnisse der Experimente den Erfahrungen aus der wirklichen Welt
entsprechen (also Simulationen sein).

Alan Kays anliegen ist es ja den Spaß an der Mathematik zu fördern. Dazu muss 
ich
Interesse an Mathematik wecken. Dies kann ich am besten mit Dingen, die helfen
die wirkliche Welt zu verstehen (Aha-Effekt).

4. Dann erst kann und sollte man hergehen und die Kinder mit der 
'Programmierung'
der EToys konfrontieren.

Gruß Uwe

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: [EMAIL PROTECTED] [mailto:[EMAIL PROTECTED] Im Auftrag von Gerhilde 
Meissl-Egghart
Gesendet: Donnerstag, 7. Dezember 2006 11:18
An: 'Squeak in Germany / Squeak in Deutschland'
Betreff: [Squeak-ev] Ein Forschungsprojekt für Squeak !!!!
Wichtigkeit: Hoch

Liebe Liste,

Nachdem wir uns jetzt schon ein paar Mails lang kennen, möchte ich mich gerne 
näher vorstellen:

Ich habe vor 10 Jahren mein Informatik-Studium an der TU Wien beendet und war 
dann in der kommerziellen EDV tätig. Dann hat mich eine Sinnkrise und - fast 
gleichzeitig - die Begeisterung für Squeak und Etoys gepackt. Der Gedanke, dass 
es meine Mission ist, das Schulwesen in Österreich damit zu verbessern, hat 
mich nicht mehr losgelassen.

Ich bin derzeit im zweiten Jahr Elternkarenz und habe mir vorgenommen, dieses 
Jahr in diese Mission zu investieren. Sollte es mir gelingen, dafür auch Geld 
aufzutreiben, würde ich liebend gerne noch viel länger dabeibleiben.

Gestern ist mir ein Durchbruch gelungen: Ich war bei Prof. Swertz, der den 
Lehrstuhl für Medienpädagogik an der Universität Wien innehat, und - wie alle, 
denen ich Squeak bisher gezeigt habe - war auch er sehr angetan davon.
Wir werden versuchen, den Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank 
anzuzapfen, und damit meine Stelle für 2 Jahre zu finanzieren. Falls das nicht 
gelingen sollte (und Österreich bis dahin eine neue Regierung hat, sodass auch 
das Bildungsministerium seine Arbeit wieder aufnimmt), dann marschieren wir ins 
Ministerium.

Und jetzt kommt das Wichtige:
Meine Zielsetzung ist klar: Es geht mir nicht darum, im wissenschaftlichen 
Elfenbeinturm Wissen anzuhäufen, sondern ich will Squeak in die Schulen 
bringen. Das Vehikel dafür ist aber offenbar ein Forschungsprojekt. 
Und hier ist meine Frage an Euch, die Ihr Euch ja schon länger mit Squeak 
beschäftigt, und teilweise selbst im Wissenschaftsbetrieb arbeitet: 

Was schreib ich am besten in den Antrag?
Was könnte ich erforschen? Und wie?
Gibt es etwas, was Ihr schon immer über Squeak erforschen wolltet? (Patty 
Gadegast hat kürzlich das Interaktionskonzept erwähnt.) Hättet Ihr eine Idee, 
wie man den Nutzen von Squeak messen oder sichtbar machen kann?

Oder vielleicht reicht ja auch:
"Evaluierung der Verwendung Konstruktivismus-orientierter Software im 
Mathematikunterricht"; 2 Pilotschulen; unmittelbar nach Abschluss des Projektes 
sowie 3 Monate später Interviews mit den Schülern, um die Lernzielerreichung zu 
erheben; zusätzlich eine Projektsammlung und ein Workshop in einer 
Lehrerfortbildungsveranstaltung. Toll wäre auch eine Lernplattform (Squeak per 
e-learning)!

Prof. Swertz hat gemeint, man könnte auch eine Usability-Studie machen; das 
wäre für die weitere Squeak-Entwicklung sicher sehr sinnvoll, geht an meinem 
derzeitgen Ziel aber etwas vorbei. 

Der Einreichungstermin ist Mitte Jänner.
Ich wäre Euch also sehr dankbar, wenn Ihr mir möglichst schnell, antworten 
könntet!

Schönen Dank und liebe Grüße
Gerhilde 



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DI Gerhilde Meissl-Egghart
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Tel/Fax: 02231/66187
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