Liebe Mitmapper,

Im Rahmen der Wochenaufgabe http://blog.openstreetmap.de/blog/2014/08/wochenaufgabe-umweltzonen-kw-3536-25-08-7-09-2014/ habe ich mir die Umweltzone Köln vorgenommen. Schließlich bringt man OpenStreetMap am besten voran und lernt auch am meisten über die Werkzeuge, wenn man mappt. Ein paar Beobachtungen dabei will ich daher festhalten.

Für Köln habe ich mich entschieden, weil die Stadt mit OpenStreetMap durchaus wohlwollend umgeht (und bei mir um die Ecke liegt). Zum einen basiert der touristische Stadtplan http://stadtplan.koeln.de/ auf OSM-Daten, zum anderen haben wir von der Stadt Köln ein Adressverzeichnis bekommen, so dass zumindest theoretisch sogar alle Kölner Adressen in OSM verzeichnet werden könnten.

In der Praxis würde ich dafür allerdings eher die amtliche Liegenschaftskarte von NRW nutzen. In NRW haben wir die Erlaubnis, Adressen aus dem ALK abzuschreiben, daher steht es als Hintergrundlayer in JOSM zur verfügung.

Generell ist das gegenüber der Situation vorher eine deutliche Erleichtung. Zahlreiche Adressen hätte ich sonst nicht finden können. Denn nicht alle Hauseigentümer bringen ihre Hausnummern so an, dass man sie als Fußgänger oder vom Fahrrad aus sehen könnte. Vom Auto aus wird sogar noch schwieriger. Natürlich kann man die Frage stellen, welchen Nutzen eine Hausnummer hat, wenn ein Benutzer der Karte sie nicht finden kann. Einer ist eben, dass man die Angabe "Die Umweltzone endet bei Hausnummer 1377" in eine zumindest auf 20 Meter genaue Geokoordinate umsetzen kann.

In dieser Form hat die Stadt Köln nämlich ihre Umweltzone vorgelegt http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf57/strassen_und_adressen_in_der_umweltzone.pdf

Wie hilfreich ist das?

Generell würde ich zu einer Umweltzone wünschen, dass sie zumindest Kreuzungen auflöst, so dass man zu jeder einzelnen Straße entscheiden kann, ob sie drinnen oder draußen ist. Überraschenderweise reichen Hausnummern dafür nicht: Hier http://www.openstreetmap.org/#map=18/50.96584/7.02683 ist für die "Bergisch Gladbacher Straße" die Hausnummer 267 als Grenze angegeben, so dass man nicht weiß, ob man noch in die "Gronauer Straße" hineindarf oder nicht; die "Gronauer Straße" gehört überraschenderweise nicht nur Umweltzone. Hier http://www.openstreetmap.org/#map=18/50.97472/6.97126 gilt das gleiche für die Aral-Tankstelle (und die beiden Industriezufahrten) an der "Friedrich-Karl-Straße"; sie gehört bis zur nicht auffindbaren Hausnummer 270 zur Umweltzone.

Es gibt auch gleich Straßen ganz ohne Hausnummern, z.B. "Unterer Komarweg", "Mülheimer Brücke" und "Niehler Gürtel", bei denen man aus dem Kontext rekonstruieren muss, ob sie zur Umweltzone gehören: wenn man an der einen Seite sowieso nur in die Umweltzone kommt, darf man vermuten, dass die Straße selbst auch zur Umweltzone gehört.

Wobei eben auch Straßen ausgenommen sein können, selbst wenn sie nur Straßen innerhalb der Umweltzone miteinander verbinden. Das gilt z.B. für die "Militärringstraße" http://overpass-turbo.eu/s/4VS . Mit Ortskenntnis wäre es sehr überraschend gewesen, wenn die Straße zur Umweltzone gehörte.

Es zeigt auch auf, dass die Modellierung als Polygon nicht ausreichend aussagekräftig ist: Hier http://www.openstreetmap.org/#map=17/50.93770/6.88473 kreuzt die Straße "Aachener Straße" (innerhalb der Umweltzone) besagte "Militärringstraße" (außerhalb der Umweltzone). Das gleiche Problem dürfte für 30-Zonen existieren; auch diese dürfen ja auf Brücken über Straßen außerhalb von 30-Zonen verlaufen. Andererseits ist es zumindest für die Umweltzone keine Option, sie als Relation oder Tag an Wegen zu notieren: Als Relation wäre sie mit mehreren tausend Wegen drinnen kaum handhabbar. Als Tag gäbe es Schwierigkeiten, absehbare Änderungen an den Bedingungen der Umweltzone nachzuziehen. Beide Konzepte wäre anfällig für Abgrenzungen: muss eine Busspur oder ein Radweg noch getaggt werden? Wer kontrolliert, ob neue Wege oder umgestufte Wege korrekt mit der Zone getaggt werden? Insgesamt wird man wohl über Unterstützung durch Tools nachdenken müssen. Und dann wohl eher ein Polygon mit Ausnahmen oder ähnliches nehmen.

Noch zu erwähnen sind einige Anomalien: Hier http://www.openstreetmap.org/#map=19/50.89852/6.97864 gehört laut Liste die Leyboldstraße nur bis Hausnummer 68 zur Umweltzone, die Lindenallee aber komplett. Man dürfte an der Kreuzung dann wohl nicht abbiegen und müsste kurz dahinter wenden. Hier http://www.openstreetmap.org/#map=16/50.9226/6.9993 gehört laut Liste die Paul-Vingster-Straße nicht zur Umweltzone, die Rolshover Straße auf der Höhe zur Autobahnzufahrt aber schon. Man dürfte also im Industriegebiet fahren, aber käme von dort aus nicht mehr hinaus. Ich vermute mal, dass hier ein Fehler in der Liste der Stadt Köln ist, würde mir aber lieber eine Zweitmeinung wünschen. Falls jemand die eingezeichnet Umweltzone auf Plausibilität prüft, könnte man dann alle Anomalien en bloc bei der Stadt Köln nachfragen, was die Aufklärung vermutlich vereinfacht.

Wie sieht es in anderen Städten aus? Treten dort die Probleme auch auf?

Fazit: Insgesamt hat es zwar einige Stunden gedauert, die Umweltzone einzutragen. Aber die Daten anzufragen, unter Umständen nachzuhaken, sie in irgendeinem nicht direkt konvertierbaren Format zu bekommen, eine Konvertierung zu basteln und auf Plausibilität zu prüfen hätte länger gedauert.

Viele Grüße,

Roland (drolbr)

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