Am 11.08.2011 21:13, schrieb Albrecht Will: > Hallo Martin und Tobias, > > das ist doch schon was. ABER: Ich denke, die Information ist nicht > ausreichend. Gutes Kartenmaterial macht es vor - Baumreihe links oder rechts > oder beidseitig. So müßte es sein. > Von CAD her gedacht, sind solche Liniensignaturen durchaus nichts besonders. > (Linie + Kreis, definierter Abstand zur Linie und Anstand der Kreise > untereinander). Je nach Richtung der Linie sitzen die Kreise links oder > rechts. > Ließe sich das machen?
Nein - Josm oder OSM sind kein CAD, sondern "captured reality". Es wäre IMHO sogar falsch im Editor solche komplexen Funktionen zur Konstruktion anzubieten, denn es verleitet dazu, die Realität mathematisch genauer abzubilden, als sie es ist. OSM sammelt Daten der Realität. Beim CAD geht es mehr darum, sie zu manipulieren. Vgl. ein math. Modell eines erträumten Landschaftsparks, der dann gebaut wird. Wenn Du das Ergebnis dann in OSM erfasst, sollte es Ziel sein, der Realität näher zu sein, als dem CAD-Vorbild. Auf dein Beispiel bezogen: Ein Baum der Allee könnte fehlen, nicht alle Bäume haben evtl. den gleichen Abstand, etc. pp. Weiterhin, wenn Du mit natural=tree_row denotation=avenue eine Linie neben die Straße setzt, lässt sich ausrechnen, ob eine Allee die Straße säumt. Alternativ kannst Du Allee und Straße auch mittels Relation verknüpfen. Das wird z.B. häufig bei straßenbegleitenden Rad- und Fußwegen praktiziert. Während der Planungsphase einer zu gestaltenden Landschaft ist es in CAD-Systemen durchaus wünschenswert, Allee und Straße im Datenmodell so verknüpft zu haben, dass sich die Allee automatisch mitbewegt, wenn man die Straße verlegt (oder umgekehrt). Im Abbild der Realität, welches OSM nahe kommen möchte, ist das weniger nötig - häufig betreffen Änderungen (Baumaßnahmen) dann nur ein Feature - also Abholzen der Allee, Umnutzung der Straße, Renaturierung, etc. Es gab eine ganze Zeit lang viele Proposals, welche zum Ziel hatten, die Erfassung von Linienbündeln zu vereinfachen. Einige Lösungen blieben dabei, nur eine Linie für eine 4-spurige Straße mit 2 Tramgleisen, sowie Fuß- und Radwegen links und recht zu erfassen, um dann mit einem Plethora an Tags zu beschreiben, was diese Linie eigentlich darstellen soll. Andere waren dafür, selbst für jede Fahrspur eine Linie zu erfassen und den gemeinsamen Bezug über eine Relation darzustellen. Heute ist ein Mix in OSM zu finden - bei kompliziert abzubildenden Kreuzungen ist schonmal ein way pro Fahrspur zu finden, unkomplizierte Straßen bei welchen alle Features weitgehend parallel verlaufen werden tatsächlich mit einer noch überschaubaren Menge an Tags erfasst (etwa lanes=2, footway=track, cycleway:right=lane). Ich persönlich halte es so, dass all das, was baulich getrennt ist, durchaus auch getrennt erfasst werden sollte. Konkret wird also z.B. eine Fahrradspur als Tag der Straße, auf der sie markiert ist, erfasst (etwa cycleway:right=lane) und ein baulich getrennter Radweg als extra Linie/way, denn oft hat der auch andere Eigenschaften, z.B. Oberflächenbeschaffenheit oder Zugangsbeschränkungen. Es ist aber nicht falsch wenn Du z.B. während der Erfassung einer größeren Straße einfach cycleway=track setzt, wenn Du weißt, dass links und rechts baulich getrennte Radwege verlaufen, aber keine Lust hast, sie separat zu zeichnen / zu erfassen. Ich verstehe auch eine Bordsteinkante als bauliche Trennung, andere verstehen erst unüberwindbare Hürden als bauliche Trennung (z.B. Grünstreifen mit Busch, etc.) - das ist also z.T. eigene Ermessensfrage des jew. Mappers. Zurück zu deiner Allee: Sie ist baulich getrennt, also sollte sie getrennt erfasst werden. Wenn Du oft zur Straße strikt parallele Alleen erfassen willst, empfehle ich Merkaartor - der Editor kann parallele Ways zeichnen. In Josm kannst Du Dir mit der Funktion behelfen, die Flächen rechteckig macht - Fläche tempörär zeichnen, auf den gleichen Knoten, welche die parallel zu richtenden Ways stützen, dann "q" drücken, temp. Fläche wieder löschen. Vorteile: Leute, die es später überhaupt nicht interessiert, ob da eine Allee ist, können die Geometrie ohne viel Aufwand filtern. Umgekehrt lässt sich ausrechnen, ob eine Allee neben der Straße existiert und wenn der Verlauf nicht interessiert, dann einfach per Tag am highway hinzufügen. Nachteile: Die Erfassung erfordert das Hinzufügen von Geometriedaten/Linie+Tags. Es gibt große Ähnlichkeiten des Problems zu den Abwägungen, die bei der Erfassung eines straßenbegleitender, baulich getrenntem Radweges zu treffen sind - daher habe ich die Darstellung oben auch mit aufgenommen. Schlussendlich musst Du selbst entscheiden, wie weit Du gehst: - erfassen als Attribut der Straße/highway - erfassen als Linie+Tag neben der Straße/highway - evtl. zusätzliches Binden der Geometrie an die Straßenrelation Gruß, Christian _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] http://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

