Dieser TELEPOLIS Artikel wurde Ihnen
von Martin Schmitt <[EMAIL PROTECTED]> gesandt.

----------------------------------------------------------------------
Schonmal nach "Open Source Music" gegooglet? :-)

-martin

----------------------------------------------------------------------
 Open Source Music
 
 Janko R�ttgers�� 30.03.2000 
 
 Trackerlabels: Die Pioniere der Online-Musik 
 
  MP3s sind heute der Inbegriff f�r Musik im Internet. Doch eigentlich 
beginnt die Geschichte der Online-Musik lange vor Internet-Boom, MP3 
und Co.. Wir schreiben das Jahr 1987... 
 
 Am Anfang stand der Amiga, Commodores Flaggschiff im Kampf um 
jugendliche Home-User. Musikern hatte die Kiste eigentlich nicht 
sonderlich viel zu bieten, jeder mit ein bisschen Equipment griff in 
jener Zeit lieber zum Atari ST. F�r den gab es professionelle Software 
wie Cubase, der hatte eine MIDI-Schnittstelle. Daf�r hatte der Amiga 
viele, viele Farben. 4096, um genau zu sein. Das war eine ganze Menge 
in einer Zeit, in der teure PCs entweder 4 oder 16 Farben zum 
Bildaufbau benutzten. Daran gemessen war der Amiga so etwas wie der 
erste Multimedia-Computer. Die passende Multimedia-Software musste man 
sich allerdings noch selber basteln. Und die Kids programmierten wie 
verr�ckt. Sie crackten kommerzielle Spielesoftware, ersetzten deren 
Vorspannsequenzen durch Eigenkreationen und verbreiteten ihre gewagten 
Animationen au�erdem als so genannte Demos - eine Art elektronische 
Graffiti-Kultur entstand. 
 
 Richtig ins Rollen kam der Kult dann, als 1987 ein gewisser Karsten 
Obarski ein Programm namens "Soundtracker" f�r den Amiga 
ver�ffentlichte. Obarski arbeitete bei der Spieleschmiede Eidos und 
h�tte sich sicher damals nicht tr�umen lassen, dass er mehr als 10 
Jahre sp�ter f�r diesen Schritt als Held gefeiert wird ( [1]The Karsten 
Obarski Tribute Project). Doch er legte mit diesem einfachen Programm 
die Grundsteine f�r eine ganze Szene. 
 
 Der Remix nur einen Mausklick entfernt 
 
 Dabei bot Obarskis Soundtracker verglichen mit heutiger Musiksoftware 
eher bescheidene M�glichkeiten. So gab es keine Unterst�tzung f�r 
externe Instrumente wie Sampler oder Synthesizer. Dank des 
Amiga-Soundchips konnten ausserdem nur 4 Stimmen gleichzeitig 
wiedergegeben werden. Echte Stereoausgabe war ebenfalls unbekannt. 
Entsch�digt wurden die Amiga-Musiker durch die Vorz�ge des verwendeten 
Dateiformats. 
 
 Diese so genannten Modules werden sozusagen im Source-Code 
abgespeichert. Statt aus fertigen Audio-Daten bestehen Modules nur aus 
einzelnen Samples und den Anweisungen dar�ber, wann und wie diese 
gespielt werden sollen. Diese Daten interpretiert beim User dann ein 
entsprechender MOD-Player. Gegen�ber MP3s hat das den Vorteil, dass die 
St�cke im Durchschnitt nur etwa ein Zehntel der Speichermenge brauchen. 
 
 Au�erdem beeinflusste diese Technik ganz wesentlich auch die Szene der 
Amiga-Musiker in ihren �sthetischen Wertvorstellungen. Denn 
selbstverst�ndlich kann sich jeder dieses Sourcecodes bedienen. Die 
Samples k�nnen exportiert werden, die Programmierung liegt neugierigen 
Augen offen. Jeder Track ist gleichzeitig eine Anleitung zum 
Selbermachen, jeder Remix nur einen Mausklick entfernt. Die Trennung 
zwischen Konsumenten und Produzenten verschwindet zwangsl�ufig. 
 
 Trotzdem regiert in der Trackerszene nicht etwa das Diktat des 
gesichtslosen Technos. Gerade weil der Autor in Verhandlung ger�t, kann 
er sich besonders profilieren. Denn wenn jeder jedem in die Karten 
gucken kann, kommt es um so mehr auf Originalit�t an. Au�erdem hatte 
zumindest damals jeder die gleichen technischen Voraussetzungen und 
konnte deshalb nicht allein aufgrund seines Equipments au�ergew�hnlich 
gut produzierte Tracks vorlegen. 
 
 Demo-Parties und Compo-Fieber 
 
 Gerade diese Vergleichsm�glichkeiten waren extrem wichtig f�r die 
Demo- und Trackerszene. Deren Aktivisten schlossen sich in "Crews" 
beziehungsweise "Groups" zusammen und versuchten, anderen Gruppen mit 
ihren Werken den Ruhm streitig zu machen. Ein st�ndiger Wettbewerb fand 
statt, der auf den Demo-Parties seinen H�hepunkt fand. Noch heute gibt 
es eine ganze Reihe solcher Parties, wie etwa die [2]Mekka-Party Ostern 
2000. Wichtigster Programmpunkt dieser Partys sind die Wettbewerbe, 
auch Compos genannt, die nach penibelsten technischen Kriterien 
definiert sind: So gibt es Wettbewerbe f�r Amiga-Grafikintros, die aber 
auf keinen Fall gr��er als 64 Kilobyte sein d�rfen. Oder MOD-Compos, 
bei denen nur 4 Kan�le benutzt werden d�rfen. In gewissem Sinne sind 
diese Veranstaltungen so etwas wie die elektronische Variante der 
Hip-Hop-Jams. Das Repr�sentieren der eigenen Crew, das st�ndige Messen 
und Vorf�hren des eigenen K�nnens, aber auch das Zusammenspiel ganz 
verschiedener Ausdrucksformen - Animationen geh�ren ebenso dazu wie 
Musik und pixelige ASCII-Art. 
 
 Neben den Demo-Parties bildeten sich eigene Szene-Netzwerke �ber 
Diskettenaustausch, Mailboxnetze und sp�ter das aufkommende Internet 
aus. Besonders wichtig f�r die oft internationalen Crews wurde dabei 
das IRC als Kommunikationsmedium. 
 
 Von der Trackerszene zu den Netzlabeln 
 
 Gleichzeitig bedeutete der Internetboom so etwas wie einen Wendepunkt 
f�r die Tracker-Szene. Mit der Zeit sahen die Musiker ihre Tracks nicht 
mehr nur als Beiwerk zu Demos und emanziperten sich von dieser Szene. 
Eigene Music-Groups schlossen sich zusammen und bildeten im neuen 
Medium eigene Vertriebsnetzwerke. Einen kr�ftigen Schub bekam diese 
Entwicklung dann mit dem Aufkommen des World Wide Webs. 
 
 Die Gruppen designten sich eigene Websites und gaben sich damit ein 
eigenes Gesicht, was auch das musikalische Profil sch�rfte. Statt 
"Music Group" nannte man sich jetzt "Net Label". Anstatt wie vorher 
Musik stilistisch wild durcheinander zu ver�ffentlichen, suchte man 
sich seine Sparte. Nicht umsonst entstanden gerade in den Jahren 
1994-1996 viele auch heute noch sehr engagierte Netzlabel wie 
[3]Mono211 oder [4]Chill. 
 
 Als dann der MP3-Boom ausbrach, hatten sich die Tracker bereits fest 
etabliert. Dennoch hatte wohl manch einer Angst, von dem neuen Format 
�berrollt zu werden. Die �ffentliche Diskussion spitzte sich auf 
MP3.COM und illegale MP3s zu, Trackerlabel waren den meisten Neulingen 
im Netz unbekannt. Doch Sites wie [5]ModPlug Central sahen darin auch 
eine Chance, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und kurbelten die 
Werbetrommel an. Seit mehr als einem Jahr bietet die Site "featured MP3 
files" an - MP3s, die gleichzeitig auch als MOD ver�ffentlicht werden 
und so die Angst vor dem unbekannten Format nehmen sollen. Modplug 
Central m�chte die Trackerszene damit als unkommerzielle Alternative zu 
Plattenlabeln und Raubkopierern empfehlen: 
 
    "There is another option out there - and it ist not MP3.COM or any 
other MP3 Site. The MOD/Tracking community has been providing great 
free music for years now, and can only serve to benefit from this 
recent sweep by the industry."       
 
 Abschied vom Open-Source-Gedanken? 
 
 In den letzten zwei Jahren haben immer mehr dieser Trackerlabel das 
MP3-Format f�r sich entdeckt. Der Open-Source-Gedanke geht dabei 
zwangsl�ufig verloren. F�r diesen Schritt gibt es einige ganz 
pragmatische Gr�nde: Bandbreite spielt eine immer geringere Rolle bei 
der Distribution der Musik. Au�erdem erm�glicht heute auch der 
durchschnittliche Multimedia-PC umfangreiches Mastering der St�cke, was 
fr�her nur Studios mit professionellem Equipment vorbehalten war. 
Zwangsl�ufig steigt deshalb auch der Anspruch der Produzenten an die 
Qualit�t ihres Sounds. 
 
 Schlie�lich hat auch die Trackerentwicklung nicht halt vor dem 
technischen Fortschritt gemacht: Noch bis vor kurzem dominierten fast 
ausschlie�lich DOS-Programme wie der Impulse Tracker oder der 
Fasttracker die Szene. Doch an deren Nachfolgern wird bereits emsig 
gearbeitet. 
 
 Ein besonders spannendes Projekt h�rt auf den sch�nen Namen [6]Buzz 
und steht in seiner Vielf�ltigkeit teurer Studiosoftware um fast nichts 
mehr nach. Das Programm ist modular aufgebaut, so dass Klangerzeuger, 
Tracker und virtuelle Effektger�te nach Belieben miteinander verkabelt 
werden k�nnen. Dazu bietet Buzz eine Schnittstelle f�r Plug-ins der 
Profisoftware VST sowie das ASIO-Treibermodell an. Deutlicher Nachteil 
einer so umfangreichen Produktionsumgebung: Einzelne St�cke k�nnen 
nicht mehr ohne weiteres ausgetauscht werden, da nicht jeder die daf�r 
ben�tigten Plug-ins zur Verf�gung hat. Also setzen die meisten 
Buzz-Producer auf MP3s. 
 
 "We can go on." 
 
 Unterdessen lebt das Prinzip der Tracking-Software auch in anderen 
Bereichen weiter. Thomas Dolbys [7]Beatnik-System zur Beschallung von 
Webseiten beispielsweise baut auf einer Art Tracker auf. Au�erdem 
sitzen neben den Buzz-Entwicklern zahlreiche andere Programmierer mit 
ihren Tracker-Projekten in den Startl�chern. In welche Richtung sich 
die Szene mit den kommenden Neuentwicklungen bewegen wird, ist schwer 
einzusch�tzen. Am wahrscheinlichsten ist wohl ein pluralistisches 
Nebeneinander professioneller Netzlabel, old-schooliger Tracker-Groups 
und treuer Open-Source-Anh�nger. Die Demo-Parties ziehen weiterhin 
Massen von Publikum an. Und auch im Netz ist neben den gro�en 
Audioservern noch viel Platz f�r eine kreative unabh�ngige Szene. 
 
 Die Major-Plattenfirmen helfen mit ihrer Copy-kills-Music-Rhetorik 
tatkr�ftig dabei mit, Musikfans auf andere Distributionsmodelle 
neugierig zu machen. Die Szene selbst gibt sich optimistisch bis 
k�mpferisch. So heisst es etwa bei Modplug Central: 
 
    "Let the commercial artists writhe in the agony of the greed of 
their contract holders, we can go on."       
 
 Tracker-Labels 
 
 [8]Kosmic Free Music Foundation - Gegr�ndet 1991 und damit sicher das 
�lteste noch existierende Trackerlabel. 
 
 [9]Mono - Startete als Trackerlabel, ver�ffentlicht heute aber nur 
noch MP3s. Trotzdem gibts viele spannende MODs im Archiv. Au�erdem 
hostet Mono aus Traditionsbewu�tsein eine hervorragende Sammlung 
[10]Old-school-MODs. 
 
 [11]Tokyo Dawn Records - Ver�ffentlicht auch immer mehr MP3s, hat aber 
den Trackerursprung nicht vergessen. Stilistisch zwischen Drum and Bass 
und Trip Hop einzuordnen. 
 
 [12]Chill - Auch Chill ist heute v�llig auf MP3-Kurs umgeschwenkt. 
1994 fing es als reines Trackerlabel an und hat sich mit knapp 200 
Releases ein Soundprofil zwischen Techno, Ambient und eigenwilligen 
Experimenten erarbeitet. 
 
 [13]Blacktron Music Productions - Hostet gleich drei Trackerlabels. 
Housefreunde, Techno- und Drum-and-Bass-Liebhaber werden hier auf jeden 
Fall f�ndig. 
 
 [14]Disciples of Ageema - Wer wissen will, was mit dem Amiga und 
seinen 4 Kan�len alles m�glich war, muss unbedingt hier vorbeischauen. 
Extrem kreative Tracks, meist in Richtung Instrumental-Hip-Hop. 
 
 [15]Up ROUGH - Klassisches Trackerlabel mit netter Website, 
Amiga-Binaries, ASCII-Art und einigen interessanten Tracks von Hip Hop 
bis "Zuperhard Deutsche p�mpin Gabber Panzertranz". 
 
 [16]Theralite - Letzten Monat erst auf MP3-Kurs umgeschwenkt, im 
Archiv warten noch 105 Modules. Die Schubladen: House, Drum and Bass 
und funky Techno. 
 
 Tracker-Hosts 
 
 [17]www.scene.org - Einer der wichtigsten Hosts der Szene. Hier finden 
sich ausgesuchte Labels und Demo-Groups. 
 
 [18]www.amigascne.org - Noch ein wichtiger Webhoster mit Demo-Groups 
und Trackerlabels. 
 
 [19]www.chiptune.com/ 1800 LoFi-Verr�cktheiten. 
 
 [20]Trax in Space - Musik und Reviews. Schreckliches Seitendesign, 
daf�r Tausende von MODs sortiert nach Musikstilen. 
 
 Tracker-Ressourcen 
 
 [21]The Karsten Obarski Tribute Project - Die Geschichte der Szene, 
gewidmet dem Pionier der Pioniere. 
 
 [22]United Trackers - Szeneportal mit Links zu zahlreichen 
Wettbewerben (Compos), Labels und jeder Menge Hintergrundliteratur. 
 
 [23]Underground Tracking Scene - Eine sehr spannende Site mit Reviews, 
Interviews und wichtigen Tracker-Links. 
 
 [24]MAZ Sound - Seit Jahren liegt die erste Adresse f�r 
Tracker-Software in Zwickau. Player, Tracker und vieles mehr in einem 
gut gewarteten Archiv. 
 
 [25]Modplug Central Software, Musik, aktuelle Infos und jede Woche ein 
"featured MP3 file". 
 
 Orange Juice, [26]The Demo Scene Information Center - Erste 
Anlaufstelle f�r alle, die mal eine Demo-Party besuchen m�chten. 
 
 Links 
 
 [1] http://www.multimania.com/fonzo/Obarski99.html
 [2] http://ms.demo.org/
 [3] http://www.mono211.com
 [4] http://www.chillproductions.com
 [5] http://www.modplug.com
 [6] http://www.buzz2.com
 [7] http://www.beatnik.com/
 [8] http://www.kosmic.org
 [9] http://www.mono211.com
 [10] http://www.mono211.com/st-00
 [11] http://tdr.scene.org
 [12] http://www.chillproductions.com
 [13] http://www.d-zign.com/bmp/
 [14] http://members.tripod.com/~mortimertee/nuarc1.htm
 [15] http://www.amigascne.org/uprough/
 [16] http://theralite.avalon.hr
 [17] http://www.scene.org
 [18] http://www.amigascne.org
 [19] http://www.chiptune.com/
 [20] http://www.traxinspace.com
 [21] http://www.multimania.com/fonzo/Obarski99.html
 [22] http://united-trackers.org
 [23] http://www.chillproductions.com/uts/
 [24] http://www.maz-sound.com
 [25] http://www.modplug.com
 [26] http://ojuice.planet-d.net/
 
 Artikel-URL: http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/musik/3505/1.html 
 
----------------------------------------------------------------------
  Copyright � 1996-2002 All Rights Reserved. Alle Rechte vorbehalten
 Verlag Heinz Heise, Hannover    
----------------------------------------------------------------------------
PUG - Penguin User Group Wiesbaden - http://www.pug.org

Antwort per Email an