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Die Helvetica

Das Parfum der Stadt


Die Helvetica, m�chte man meinen, war die Schrift der modernen Gestalter
schlechthin. Lars M�ller aber merkt im Vorwort seines Buchs an, dass seine
Lehrmeister Richard Paul Lohse und Josef M�ller-Brockmann auf die Akzidenz
Grotesk abonniert waren. "Die Helvetica zu begr��en war das mindeste, was ich
tun konnte, um mich abzusetzen." Auf den Markt gebracht 1957 unter dem Namen
Neue Haas Grotesk ("grotesk" meint serifenlose Buchschrift) und 1960 umbenannt
in "Helvetica", ist dies der erfolgreichste Exportartikel der Schweiz geworden,
ein popul�res Vehikel, das nahezu universal verwendbar geworden ist. Das weist
der Gestalter und Verleger Lars M�ller in diesem kleinen Band mit einer F�lle
von Beispielen nach. Kaum zu glauben, aber aus einer einzigen Schrift waren
stimmige Logos f�r so unterschiedliche Firmen zu gewinnen wie: 3M, BASF,
aprilia, COMME des GAR�ONS, evian, Lufthansa, PanAm, TOYOTA, Tupperware und die
VAG. Manchmal war der helveticanische Schriftzug auch nur der Zusatz, wie unter
dem Signet der Bank of America, oder wurde von der Helvetica ausgehend in ein
komplexes Wortbild �berf�hrt, wie der Nestl�-Schriftzug mit seinem eleganten
Flachdach. Auch die japanische Produktlinie MUJI hat es sich nicht nehmen
lassen, ihre auf Einfachheit getrimmten Waren unter die k�hle Aura der Helvetica
zu stellen, was den westlichen Teil des Signets betrifft. Auf asiatische
Schriften l�sst sich das Schweizertum dann nicht mehr �bertragen.

Das Buch
Lars M�ller: Helvetica. Homage to A Typeface.
Lars M�ller Publishers, Baden (Schweiz) 2002. Englischspr., 256 Seiten, geb., 26
� .
Angetrieben von den Logos der Firmen, ist die Helvetica "das Parfum der Stadt"
(M�ller) geworden, eingesetzt f�r Gesundheitsreklame, Kulturplakate, politische
Propaganda, Zeitungsheadlines und Schallplattencover. Dieses Buch bringt
vorz�gliche Reproduktionen der Quellen und nennt auch die Gestalter. Man staunt,
aber sogar David Carson verwendete die Helvetica, indem er sie f�r Issey Miyake
zum Fliegen brachte. L�ngst ist sie ein flexibler Schriftagent in ambitionierten
Websites (wie www.nl-design.net). Selbst in den Witz-Gem�lden von Richard Prince
taucht sie auf, als ironische Laientypo. Mit wenigen Ausnahmen, wie die Fotos
aus dem Stadtbild zeigen, h�lt sich dieses Buch an grafische Vorlagen; dass fast
jeder Schweizer B�cker die Highstreet mit der Helvetica bespielt, ist dieser
Kollektion nicht zu entnehmen. Es ist eine Hommage an die Schrift, die so
ubiquit�r ist, dass man sie nicht mehr sieht. M�llers Buch - das nur auf
Englisch vorliegt - erkl�rt nicht, was die Helvetica in typographischer Hinsicht
ausmacht, und es rehabilitiert auch nur bedingt Max Miedinger, der die Schrift
erfunden hat und 1980 in Z�rich starb, noch so gut wie unbesungen. ULF ERDMANN
ZIEGLER

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