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G�nther Jauch und sein unartiges Studiopersonal
Wolf-Dieter Roth�� 08.12.2003
�ffentlich-rechtliche Lotterielose werden per Telefon-Spam beworben
Wer einmal auf der Liste von Adressmarketern gelandet ist, hat an
Telefon, Fax und Mail nicht mehr viel Freude: In der Mail stapelt sich
der M�ll, das Fax entwickelt sich zum Papier- und Tintenvernichter und
am Telefon nerven Call-Center. Sch�n, wenn es dann ausnahmsweise etwas
Berufliches ist und es "nicht darum geht, etwas zu verkaufen". Wer's
glaubt...
Los ging der ganze �rger mit einem Pamphlet namens �Ebay Yahoo Tipps
und (miese?) Tricks�[1], das eigentlich erst dadurch bekannt wurde,
dass Ebay sich eben jene miesen Tricks nicht bieten lassen wollte. Das
Buch kannte jedoch niemand und es wurde deshalb immer wieder gefragt,
ob es denn �berhaupt empfehlenswert sei. Um dies zu kl�ren und es
gegebenenfalls f�r Telepolis zu besprechen, wurde per Email an eine
T-Online-Adresse ein Rezensionsexemplar angefordert.
Im Zug klingelte dann pl�tzlich das Handy und ein Herr von
Adressmarketing.net wollte ganz genau wissen, mit wem er es denn zu tun
habe, ob der auch tats�chlich Journalist sei und wirklich f�r Telepolis
schreibe. Anschlie�end wollte er die Adresse aufnehmen - was zum
Zusenden des Buches zugegeben unvermeidlich war. Stutzig machte jedoch,
dass auch v�llig irrelevante Daten wie die Faxnummer abgefragt wurden -
bei einer Firma, die Adressmarketing.net hei�t, l�sst das nichts Gutes
�vermuten�[2]. Doch da wurde der Herr wie auch schon im Heise-Forum
�geschehen�[3] ziemlich ungehalten, wie man denn nur so was von ihm
denken k�nne, so was w�rde man ja niiiie tun....
Statt miesen Ebay-Tricks fiese Adressvermarktung
Einige Tage sp�ter kam Post von Adressmarketing.net. Doch nicht das
Buch, sondern nur eine Rechnung f�r dasselbe. Zu dieser gesellten sich
noch weitere, allein, das Buch lie� sich nicht blicken. Daf�r begann
das Faxger�t bald, noch mehr Unsinn auszuspucken als �zuvor�[4]. Und in
der speziellen, ansonsten nur f�r Ebay-Kontakte benutzten Email fanden
sich pl�tzlich haufenweise deutsche Spams zu Gewinnspielen,
Schn�ppchen, Esoterik und Ramsch - nicht wie �blich mit gef�lschtem
Absender, sondern von regul�ren deutschen Absendern. Auf deshalb
ausnahmsweise get�tigte R�ckfrage gaben dann alle Mailversender an,
diese Adresse ganz legal bei Adressmarketing.net erworben zu haben -
und zwar als "Kontakte, die an Gewinnspielen interessiert seien und
sich dazu aktiv auf einer Website eingetragen h�tten".
Nat�rlich wurde sofort und mehrfach bei Adressmarketing.net
protestiert. Trotzdem verticken die bis heute weiter flei�ig meine
Daten inklusive aller Telefonnummern auf ihrer CD und weigern sich
hartn�ckig, mich aus ihrer Datenbank zu nehmen. Ebenso erging es
�brigens dem Ebay-Spezialist �Axel Gronen�[5], der seinerzeit auch an
dem Tipps & Tricks-Buch interessiert war und erst mit teurer
Anwaltshilfe seine Adresse wieder aus der Datenbank bekam. Immerhin
erhielt er allerdings auch das dubiose Buch - "eine rund 24-seitige
kopierte Brosch�re" in teils ziemlich radebrechenden Deutsch. Gronen
revanchierte sich postwendend als Verfasser eines nun zwar ebenso
rei�erisch betitelten, doch mit 320 Seiten bei Data Becker offiziell
verlegten und absolut soliden, umfassenden und f�r jeden E-Bayer
lesenswerten Werks zum Thema �Dirty Ebay-Tricks�[6].
Sp�ter fiel Adressmarketing.net alias Weserverlag.de noch durch dubiose
spontane �L�schungsmitteilungen�[7] auf, die zwar auf den ersten Blick
unsinnig waren, doch in Wahrheit dazu dienten, das vorliegende
Adressmaterial auf G�ltigkeit zu pr�fen: Alles, was nicht mit
Fehlermeldung zur�ckkam, konnte nun als g�ltige Adresse noch teurer
verkauft werden. Die Spam-Mails nahmen zu - hartn�ckige
Werbemailversender wie TDG-Germany oder Bizznews �ndern teils mit der
Technik von �Buongiorno Messagizer�[8] mit jeder Mail die
Absenderadresse, um normale Mailfilter auszutricksen, und m�ssen auch
heute noch regelm��ig zur�ck in den Spamfilter geschubst werden.
Ebenso erwachte das Telefon regelm��ig zum Feierabend - ab 18 Uhr ging
es rund, von Eismann bis zur allerdings leicht abzuwimmelnden
WKV-Versicherung ("Interessant...Schicken Sie mir bitte den Tarif f�r
Arbeitslose?" - "�h, �h, Tschuldigung" - klick!) erzeugten die
Telefonverk�ufer bald amerikanische Verh�ltnisse, von st�ndigen
computergew�hlten Anrufen von Marktforschern ganz zu schweigen, die
wissen wollen, wie man denn das Fernsehprogramm findet ("mangels
Fernseher h�chstens beim Nachbarn...").
G�nther Jauchs Fernsehstudio will was...
Doch dann wurden die l�stigen Anrufe auch am Tag und am Mobiltelefon
h�ufiger und st�rten somit bei der Arbeit. Logisch, wer wirklich an
Gewinnspielen Interesse hat, ist vermutlich arbeitslos und auch
tags�ber zu Hause. Schlie�lich platzte jedoch mitten in ein
Telefoninterview auf der zweiten Leitung G�nther Jauch. Sein
RTL-Fernsehstudio sei an der Strippe. Ich mache aber nur Radio und kein
Fernsehen. Nein, nicht als Macher, sondern als Gast in seine Sendung
wolle man mich haben.
Nun, ich war schon vor sicher 20 Jahren in einer Fernsehsendung von
G�nter Jauch - Live aus dem Alabama - und hatte auch nicht mehr so
gro�es Interesse an einer Wiederholung, seit auch Jauch unter die
Abmahner �gegangen�[9] ist. Noch dazu stellte sich die Sendung als die
�SKL-Show�[10] heraus - nicht wirklich interessant, denn wenn man
tats�chlich in der Lotterie gewonnen haben sollte, muss das ja nicht
auch noch jeder im Fernsehen erfahren, oder? Doch man habe 40 spezielle
VIP-Lose, die den Eintritt in die tolle SKL-Show garantierten, und eins
dieser Lose sei f�r mich pers�nlich reserviert.
Nach langem Rumgedruckse - "Nein, ich will Ihnen nichts verkaufen" -
stellte sich heraus: Es war nicht G�nther Jauch, nicht sein
Fernsehstudio, nicht mal die S�ddeutsche Klassenlotterie und auch keine
Lotterie-Annahmestelle an der Strippe, sondern wieder mal ein
Call-Center. Und oh Wunder, das Los m�sse nat�rlich bezahlt werden.
Aber es gew�nne zu 100% - na ja, 99,6% - und der Eintritt in die
Fernsehsendung sei mit diesem VIP-Speziallos absolut sicher. Eine
R�ckrufnummer wurde genannt, aber au�er "Fernsehstudio von G�nther
Jauch" kein Firmenname. Gibt es denn rechtsverbindliche Vertr�ge am
Telefon? Nun, es solle schon noch irgendwann etwas schriftlich kommen.
Man br�uchte dann nur noch meine Bankverbindung...
Zun�chst randalierte am n�chsten Tag jedoch das Handy: Man wollte die
Richtigkeit des Wichtigsten �berpr�fen: der Bankverbindung. Woher man
die Nummer �berhaupt habe? Ja, ich h�tte doch fr�her schon Lotto
gespielt und da habe man noch auf dem Schein seine Adresse angeben
m�ssen:
"Sie haben nie Lotto gespielt? Na dann muss jemand ohne Ihr Wissen f�r
Sie einen Schein abgegeben haben." Ah ja, klar, ein Unbekannter spielt
also in meinem Namen, aber mit seinem Geld Lotto. "Machen Ihre Freunde
das f�r Sie eigentlich auch?". Langsam begann es albern zu werden und
ich entschied, der Sache auf den Grund zu gehen.
G�nther, wer war's?
Eine Nachfrage bei RTL wurde an die SKL weitergeleitet. Die wiederum
fand heraus, dass ein f�r die staatliche Lotterie-Einnahme nein, nicht
�G�nther�[11], sondern �Gl�ckle�[12] in Stuttgart t�tiges Call-Center
Urheber der St�rung war. Und dieses Call-Center benutzte wieder einmal
die CD von Adressmarketing.net. Auch kann man bei der SKL gar kein
ganzes Los kaufen, sondern nur Zehntel-Lose. Das gibt dann lange
Gesichter, wenn das Los 125 Euro gewonnen hat und sich nur 12,5 Euro
auf dem Konto blicken lassen. Nur die Bank - beziehungsweise der Staat
- gewinnt immer. Und dass �ffentlich-rechtliche Anstalten scharf auf
das Geld von Privatleuten sind, ist auch nichts Neues. Hier hat man
aber immerhin die Wahl - ein paar Euro billiger als die GEZ ist die
Lotterie immerhin und man muss auch keinen Fernseher haben, um dabei
sein zu k�nnen.
Das 4/10-Los kreuzte nebst Brief von Gl�ckle �brigens erst Wochen
sp�ter auf. Man kann dann aber immer noch k�ndigen oder die Abbuchung
sperren. Es werden auch tats�chlich 40 Kandidaten f�r die Jauch-Sendung
in einer speziellen Ziehung bestimmt, vorab als VIP-Los am Telefon
werden diese jedoch nat�rlich nicht verkauft. Wegen der H�ufung und
Heftigkeit �hnlicher Beschwerden gibt es nun einen speziellen Men�punkt
"Telefonmarketing" auf der �SKL-Website�[13], das Call-Center wurde
ermahnt und die Presseabteilung des Lotterieeinnehmers entschuldigte
sich. Nur G�nther Jauch wird nun wohl auf meinen Besuch verzichten
m�ssen...
Links
[1] http://www.heise.de/newsticker/data/hod-05.04.02-000/
[2]
http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=1602732&foru
m_id=27759
[3]
http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=1600817&foru
m_id=27759
[4] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/9653/1.html
[5] http://www.wortfilter.de
[6] http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3815823277/wdrorgprjourwebd
[7] http://www.intern.de/news/3829.html
[8] http://www.intern.de/news/2572.html
[9] http://www.heise.de/newsticker/data/bb-24.04.01-000/
[10] http://www.skl.de/fwd?to=2_tv_tv.jsp
[11] http://www.guenther.de
[12] http://www.gloeckle.de
[13] http://www.skl.de/fwd?to=1_telefon.jsp
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