Hallo Andreas, 

> Siegfried Jetzke schrieb:
> Ich erwähnte im Subject ja sogar noch ein drittes "Mittel": den Editor
> LyX.
> 
> Für einen Vergleich mit OOo nahm ich an, dass ein Autor alle drei
> "Mittel" anwenden wird.
Ich denke, eher nicht. Ich persönlich habe früher TeX benutzt und seit
einigen Jahren LaTeX. Die beiden Programme hängen natürlich zusammen, haben
aber doch wenig miteinander zu tun. TeX ist wirklich ein Satzprogramm, mit
jedes Pixel und jeder Abstand zwischen Buchstaben manipuliert werden kann,
natürlich kann auch ein normaler Text erstellt werden. Auch hier gibt es
Standardeinstellungen, die aber problemlos überschreibbar sind. Zusammen mit
metafont lassen sich schöne Dinge zaubern, wenn mensch genügend Lust, Ideen,
Zeit und Ausdauer hat.
LaTeX nimmt viel dieser Kleinstarbeit ab. Dadurch, dass es mittlerweile eine
riesige Anzahl von sogenannten packages gibt, können vielfältigste
Aufgabenstellungen relativ einfach gemeistert werden. So gibt es ein
latex-beamer-Paket, mit dem sich hervorragend Präsentationen erstellen
lassen. 
LyX oder ähnliche Tools kenne ich nur aus der Ferne, ich habe mit diesen nie
ernsthaft gearbeitet.
Ich denke nicht, dass einE AnwenderIn alle drei Programme bzw. Pakete
anwendet, es sei denn für irgendwelche Sonderaufgaben, wie z.B. einen netten
Font mit metafont bauen.


> 
> > Es ist richtig, dass
> > Anweisungen und Text in einer Datei stehen, aber auch nicht.
> > Die Anweisungen stehen dort in einer recht abstrakten Form, wie z.B.
> >
> > \documentclass[11pt,german,b5paper]{book}
> 
> Schon früher drängte sich mir der Eindruck auf, dass der Quellcode
> HTML und CSS um Dimensionen weniger abstrakt und somit deutlich besser
> lesbar und erlernbar ist.
Das Abstrakte hat einen ganz entscheidenden Vorteil. 
Ich schreibe z.B. ein Buch, das der Verlag in einer speziellen Größe
verlangt. Da ich eine Seitenvorgabe habe, kann ich das Layout auch nicht
später machen. Ich muss wissen, wie viele Seiten das von mir Geschriebene
einnimmt. 
Bei dieser Art der Beschreibung benutze ich für meine Zwischenausdrucke als
Größe a4paper, nur wegen des Geizes und der Papierverschwendung. Ansichten
auf dem Bildschirm erstelle ich in dem richtigen, wenn ich möchte. Das
Umschalten erfolgt durch Ändern des einen Parameters. Das Entscheidende ist,
dass die Seiten nicht als Ganzes verkleinert werden, sondern die Seiten
vollkommen neu gesetzt werden. Verkleinern geht nicht, weil ich in dem Text
importierte Graphiken habe, die dann auch verkleinert werden würden. 
Hiermit erspare ich mir auch das lästige Ändern von Maßen für
Seitenvorlagen. 
Wenn ich nun Teile eines Textes für eine andere Textart nutzen möchte, würde
ich book durch article ersetzen und der Text bekäme ein anderes Aussehen.
Ebenso wenn ich 11pt durch 16pt ersetzen würde.
Auch ohne ein guter Layouter zu sein, sieht der Text am Ende gut aus.
Hinzu kommt, dass viele Verlage oder Vereinigungen style-files liefern, so
dass der Text automatisch die gewünschte Form hat.
Ebenfalls ist anders- oder mehrsprachiges Schreiben kein Problem: 
German wird einfach durch english oder german,french,english ersetzt und es
kann an beliebigen Stellen mittels eines einfachen Befehls 
\selectlanguage{}
zwischen den Sprachen hin- und hergeschaltet werden.

> 
> > Dieses kann, je nach Gültigkeitswunsch, in der selben Datei wie der Text
> > stehen oder in einer anderen.
> 
> OK, also scheint eine strikte Trennung von Struktur doch bei
> TeX-Dokuemten möglich zu sein.
Ja, bis auf die oben genannten Definitionen.
> 
> > Was thechapter und theequation ist, steht
> > wiederum an anderer Stelle.
> 
> Dieser "dritte" Ort für Informationen ist bei HTML+CSS die
> Rendering-Maschine des Browsers.
> Ob diese Analogie angemessen ist, kann ich nicht sagen.
Ich auch nicht, denke aber, dass es anders ist: Die Ausgabe eines TeX- oder
LaTeX-Dokumentes ist ein dvi, d.h. device independent file, d.h. unabhängig
von dem Medium, auf dem es ausgegeben wird, so verwendet TeX auch eigene
Schriften, mit Ausnahmen bei pdf-Dateien.
Dieses erscheint bei einem Browser nicht zwangsläufig der Fall.
> 
> 
> Eins interessiert mich, hier am Rande, brennend:
> Du kennst Dich offenbar sehr gut mit TeX und LaTeX aus.
> Was ist bei dieser Vorraussetzung für Dich das Motiv OOo zu nutzen.

Es war Neugierde, weil der Formeleditor praktisch von TeX abgeschrieben ist
und ich diesen als für mich unbedingt notwendig sehe. Ebenso finde ich die
Idee zu einem solchen Projekt gut, aber LaTeX ist durchaus ähnlich.
Ich nutze jetzt aber wieder für alles, was in irgendeiner Form kritisch ist,
wieder LaTeX. 
Im Gegensatz zu dem, was einige hier schrieben, gibt es zu allem
hervorragende Dokumentationen und auch Hilfe im Internet. Der Vorteil von
LaTeX war und ist, dass es weiterentwickelt und nicht verändert wurde. 
Ich habe uralte Dateien, die ich über verschiedene Betriebssysteme und
Betriebssystem- und Rechnergenerationen gerettet habe und die ich noch immer
nutzen kann. 
Es gibt wirklich gute Bücher und Beispieldateien im Internet.
Bevor ich anfange, richtig zu schwärmen: 

TeX und LaTeX sind schlicht und ergreifend einfach nur genial, 

oder wie D.E.Knuth sagte:

"The art of typesetting."

Und auch das Argument, dass nur WissenschaftlerInnen damit arbeiten können,
stimmt nicht: Ich kenne mehrere Sekretärinnen, die damit arbei(te)ten.

Ich hatte die vage Hoffnung, nachdem ich den Formeleditor sah, dass OOo
einige der Konzepte übernehmen würde. 


> 
> Zielrichtung des Threads ist ja unter anderem, eine Ahnung davon zu
> erheischen, welche Aufgaben /prinzipiell/ besser mit OOo und welche
> mit TeX gelöst werden können.
> 
> Andreas


TeX und LaTeX haben keinerlei Ambitionen in Richtung Tabellenkalkulation und
Datenbank.

Siegfried

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