Markus Kauer wrote: > Aktuell hörte ich von einem Firmenchef, bei ihm wird immer noch IE > eingesetzt, weil er seit Jahren unverändert bleibt. Firefox und > Thunderbird wären ihm zwar lieber, verändern sich aber im Affentempo. > Dito bezüglich OpenOffice.org > So könne man nicht effizient arbeiten. Er sei beileibe kein Bil Gates > Fan, bleibt aber bei seinen Produkten, weil sie sich nicht so schnell > wie OpenSource verändern.
Das ist aber irgendwie kurzsichtig gedacht. OOo verändert sich von einer Major Version zur nächsten sicherlich nicht grundsätzlich mehr oder weniger als die "closed source" Konkurrenz. Allerdings sind wir bei OOo aufgrund der Wünsche der überwiegenden Zahl der Anwender dazu übergegangen, nicht alle neuen Features, die wir in einem Release-Zyklus erstellen, in einem einzigen "Big Bang" zur Verfügung zu stellen, sondern jedes einzelne dann, wenn es fertig ist. Das hat vor allem den Vorteil, dass Anwender früher Feedback geben und an Verbesserungen mitarbeiten können. Wenn ein neues Feature in z.B. OOo3.0 nicht ganz das ist, was die Anwender wollen, können wir es in 3.1 schon ändern - und nicht erst in 4.0! Das halte ich für einen klaren Vorteil, der IMHO viel schwerer wiegt als vielleicht auch nur "gefühlte" Nachteile. Warum "gefühlt"? Nun, selbst wenn wir ständig neue Features hinzufügen (so viele sind es pro Release gar nicht), eine grundsätzliche Änderung der Installation, der Bedienung oder der Daten gibt es - wenn überhaupt - auch bei OOo nur in Major Releases. Und Datenübernahme ist dann selbstmurmelnd. Auch wenn man alle Updates mit nimmt, wird man nicht unter der "Veränderung" leiden. Man muss die neuen Features ja nicht benutzen. Es gibt Teile der Community, denen wir immer noch zu konservativ sind, z.B. Novell. Die integrieren sogar unfertige Features in ihre Versionen, weil die Anwender das (angeblich?) so wollen. Die sollten mal mit dem von dir erwähnten Firmenchef reden. :-) Wir haben jetzt schon einen Kompromiss realisiert, indem wir neue (fertige ;-)) Features jetzt nur noch in jedem zweiten Release einbauen, also ca. alle 6 Monate. Wenn man aber gar keine neuen Features will, gibt es ja niemanden, der einen zwingt, alle Updates mitzunehmen, man darf auch gerne bis zum nächsten Major Release warten. Ich glaube sowieso, dass nicht die neuen Features, also die "Veränderungen", das Problem sind. In Produktivumgebungen hat man halt grundsätzlich einen anderen Ansatz. Da nimmt man eine Version, testet sie etwas und installiert sie dann. Das möchte man dann natürlich nicht alle 3 oder 6 Monate immer wieder machen. Wie gesagt: muss man ja auch nicht. Allerdings sind solche Anwender wiederum meistens diejenigen, die ein neues Release gar nicht schnell genug bekommen können, wenn es einen Fix für einen von ihnen als besonders lästig empfundenen Bug enthält. Da wiederum ist dann gerade der "release often" Ansatz von Open Source wieder genau das richtige. Wenn man das mal konsequent zu Ende denkt, lässt sich ein gewisser Ansatz zur Schizophrenie nicht übersehen. Abhilfe dafür ist übrigens einfach: man kann durchaus OOo benutzen und eine Support-Vertrag mit Entwicklern abschließen (z.B. mit Sun), der beinhaltet, dass der Kunde spezielle Patches für seine Probleme erhält, ohne dass er dann ständig jedes Update mitmachen muss. Also möglicherweise verwechselt dein "Firmenchef" einfach "Open Source" mit "für lau". Genauso wie man auch "closed source" Software umsonst bekommt, darf man auch für "Open Source" Software oder um Dienste rund um die Software herum Geld ausgeben, um genau die Leistung zu erhalten, die man braucht. In der Kombination spricht eher mehr *für* Open Source als dagegen. Ciao, Mathias - Mathias Bauer (mba) - Project Lead OpenOffice.org Writer OpenOffice.org Engineering at Sun: http://blogs.sun.com/GullFOSS Please don't reply to "[EMAIL PROTECTED]". I use it for the OOo lists and only rarely read other mails sent to it. --------------------------------------------------------------------- To unsubscribe, e-mail: [EMAIL PROTECTED] For additional commands, e-mail: [EMAIL PROTECTED]
