Hallo,

* am 18.07.2007 gegen 17 Uhr 57 schriebest du/schrieben Sie:
> >> P.S. Installiere besser Debian Etch. Ubuntu ist ein auf gutes 
> >> Aussehen aufpoliertes Debian sid und um das zu installieren sollte 
> >> Frau wissen was sie tut :-)
> > 
> > das meinst du nicht ernsthaft, oder?
> 
> Doch und dazu steh ich! 

Dann lass dich aufklären: Sid oder Unstable ist der Entwicklungszweig, 
in den Debian-Maintainer ihre Pakete stellen. Dort stehen sie für erste
Tests bis zu zehn Tagen, manchmal weniger, abhängig von der Dringlichkeit 
des Uploads (siehe http://www.debian.org/devel/testing). Anschließend
kommen sie nach Testing, wenn folgende weiteren Voraussetzungen erfüllt 
sind:
   - Übersetzung auf alle Architekturen (bei Debian elf, bei Ubuntu eine)
   - weniger oder gleich viel veröffentlichungskritische Fehler als die 
     aktuell in Testing enthaltene Version 
   - Alle Abhängigkeiten müssen entweder von Paketen erfüllt werden können, 
     die dann in Testing sind
   - Der Arbeitsgang des Installierens der Pakete nach Testing darf
     keine Pakete beeinträchtigen, die sich augenblicklich in Testing
     befinden.
Wie du siehst, geht es um die Anzahl der Architekturen (PC, Mac, etc),
die Paketabhängigkeiten und - aber nicht nur, obwohl das scheint dein
Statement vom "aufpolierten Sid" zu implizieren - die Zahl der 
veröffentlichungskritischen Fehler.

Ubuntu nimmt Debian-Pakete aus stable, testing und unstable (=sid) her, 
testet die aber vor Veröffentlichung selbst auf Paketabhängigkeiten, 
die bei Ubuntu zwangsläufig etwas anders sind oder sein mögen. Wie 
veröffentlichungskritische Fehler bei Ubuntu definiert werden, kann 
ich im Moment nicht sagen, lässt sich aber bestimmt nachlesen. Ich 
weiß aber, dass in jeder Debian-Distri Release-critical-Fehler drin 
sind. In Etch waren es weniger als hundert bekannte Fehler (siehe 
http://bugs.debian.org/release-critical/) - wobei das keine
Paketabhängigkeiten mehr sind. Wie viele es bei Ubuntu oder Opensuse
jeweils sind, müsste sich auf deren Projekt-Homepage nachlesen lassen.

(Nicht, dass nun jemand abgeschreckt wird, Linux oder OpenOffice zu
benutzen. Hersteller proprietärer Software haben deshalb nicht weniger
Fehler in den Programmen. Sie legen sie nur nicht offen.)

Merke: Es gibt keine fehlerlose Software.

Bei Debian sind beispielsweise derzeit für das nächste Release zwei 
RC-Fehler zu OpenOffice verzeichnet (das können auch mal mehr und mal
weniger werden):

---8<---8<----8<----
Package: oooqs-kde (debian/main).
Maintainer: Debian OpenOffice Team <[EMAIL PROTECTED]>
  428701 [        ] [U] oooqs-kde package won't install

Package: ooqstart-gnome (debian/main).
Maintainer: Debian OpenOffice Team <[EMAIL PROTECTED]>
  399763 [        ] [U] ooqstart-gnome: Conflicts with
openoffice.org-core
--->8--->8--->8---

Es handelt sich bei beiden offensichtlich um Paketabhängigkeiten, und 
nicht um Fehler im Programm selbst. Mit solchen Dingen muss sich jede
Distri auseinandersetzen, sei es Debian, Opensuse, Mandriva oder Red
Hat. Ubuntu hat es da lediglich leichter als Debian: nur eine Architektur 
und nicht über 18.000 Pakete auf drei DVDs, sondern nur eine CD. Und auf
der sind - soweit ich das nach einer rudimentären Installation
beurteilen kann - alle Abhängigkeiten korrekt aufgelöst.

Merksatz 2: Release-Critical Bugs können in Programmen und Distributionen
gleich sein, müssen es aber nicht.

> Damit ist die Diskussion auch schon zu Ende,

Es gab keine Diskussion. Du hast nur eine lapidare Behauptung
aufgestellt, die ich von dir und dem Super-Job, den du hier machst,
sonst nicht gewohnt bin.

>  denn einen Flamewar 
> darüber wollte ich damit eigentlich nicht lostreten, 

Ogottogott, der Begriff "Flamewar" wird mir hier auf der Liste oft arg
strapaziert. Manchmal kommt es mir vor, als wird er immer dann dezidiert
eingestreut, wenn man zuvor Bullshit abgelassen hat, und jemand anderes
davor steht und kurz die Nase rümpft.

> eher dezent 
> darauf hinweisen, auf was Ubuntu gerne mal unter den Tisch fallen 
> lässt. 

Diese Aussage sollten wir nach den obigen Erläuterungen vielleicht auch
unter den Tisch fallen lassen.

-- 
Thomas Hümmler * http://www.huemmler.de

---------------------------------------------------------------------
To unsubscribe, e-mail: [EMAIL PROTECTED]
For additional commands, e-mail: [EMAIL PROTECTED]

Antwort per Email an