Amd Liesel und Rest des Vereins,

Da ich hier besonders an der Satzung interessiert bin, möchte ich da 
doch noch auf Pavels Frage nach dem reduzierten Vorstand, meinen 
Plädoyer dafür, und Liesels Gegenerwägungen zurückkommen. Ich will 
nebenbei bemerken, dass nach meinem letzten Wissenstand der 
Vorstandsentwurf auch – zumindest am 3.12. den Wegfall der Beisitzer 
vorsah – was der gegenwärtige Satzungsentwurf des Vorstands ist, ist mir 
nicht ganz klar.

Prinizipiell sieht ein großer Vorstand, in dem die Vereinsarbeit mit 
allen Ressorts und Projekten vertreten ist, natürlich nach maximaler 
Demokratie aus.

Denken wir uns eine Organisation die Filmprojekte fördert. Drei Gründer 
fördern sieben Filmer – und beschließen: das machen wir demokratisch. 
Ihr sieben kommt alle zu uns in den Vorstand. Und noch besser: Ihr sitzt 
uns auf Augenhöhe gegenüber. Maximale Demokratie.

Das geht gut, solange die sieben ihre Filme machen, die Vorsitzenden 
wissen, was läuft. Dann ist Betram mit seinem Kurzfilm fertig. Was nun? 
Er war immer loyal, hat alle unterstützt, wurde von allen unterstützt. 
Man ist ein Team und legt ihm nahe, ein Anschlussprojekt zu machen und 
im Team zu bleiben. Also schreibt Betram lustlos die Langfassung seines 
Kurzfilms und floppt. Aber alle stehen zusammen, kann jedem passieren 
mal zu floppen, tragen den Verlust gemeinsam, Bertram beginnt Teil zwei 
und fühlt sich unsicher.

Draußen gibt’s erste Kritiker. Karla macht Kinofilme und findet mies, 
was der Verein da macht, legt ein eigenes Projekt vor. Schwierige Lage: 
Das könnte man fördern – aber kann der Verein eine Gegnerin in den 
Vorstand holen??? oder auch nur ihr Geld geben? Man bietet ihr an mit 
Betram ihren Film zu machen und mit den Schauspielern, die immer 
mitmachen. Karla sagt ne und beweist damit, dass sie nicht teamfähig ist.

Der Vorstand ahnt, dass Betram abspringen wird und beauftragt Detlef und 
Dietrich, zwei Leute, die den Verein immer öffentlich lobten, sich doch 
um Projektgelder mit Kleinprojekten zu bewerben, und wenn‘s klappt, 
werde man sie bei nächster Gelegenheit ermuntern für den Vorstand zu 
kandidieren.

Der Verein hat jetzt 700 Mitglieder und die sind beunruhigt – Betram 
scheiterte, nun wird eine Lücke frei. Alle wollen verantwortlich handeln 
und einen funktionierenden Vorstand sichern, also Dietrich und Detlef 
wählen – bloß nicht Karla, die würde den Vorstand sprengen, auch wenn 
die gute Filme macht.

Das Ergebnis ist eine Seilschaft in der das Laufende fortgeführt wird, 
weil der Vorstand dann gut aussieht, wenn seine Arbeit gut geht. Das 
Ergebnis ist nicht Frieden – im Vorstand weiß jeder, dass Nieten 
mitmachen und man gute Leute draußen hält. Im Verein tut man alles, 
dafür dass der Vorstand so bleibt wie er ist, denn das er zerbricht wäre 
noch schlimmer.

+++

Fazit: Jede Filmförderung arbeitet mit Gutachtern, wenn sie Seilschaften 
verhindern will. Nie bestimmen die, die Gelder kriegen, wer Gelder 
kriegt. Auch bestimmen die 11 Stammspieler vom FCB nicht, wer am 
nächsten Spiel auf der Reservebank sitzt – denn da säßen sie nie. Und 
die 11 sind nicht im Vorstand, da sie es sonst bestimmen dürften.

Wenn die, deren Projekte das Geld kriegen, selbst im 
Entscheidungsgremium sitzen oder durch „Freunde“ an dieses gebunden 
sind, dann droht nicht unbedingt Korruption, aber eine Seilschaft, die 
Neues nur dort aufkommen lässt, wo sie selbst es haben will.

Ich selbst habe mich öfter um Stipendien beworben und fand das fair: Du 
gibst ein Projekt hinein, man fördert Dich für eine Laufzeit – Du bist 
glücklich Stipendiat gewesen zu sein, die Organisation ist glücklich, 
Dich gefördert zu haben, Du wirst nicht eine Art Angestellter darin, 
schon gar hast Du ein Entscheidungsrecht mit dem Du andere Stipendiaten 
abblocken kannst. Du kommst nicht mal auf die Idee. Mit-Stipendiaten 
erfreuen Dich, Du arbeitest mit ihnen zusammen schließt Freundschaften, 
die die Stipendienzeit überdauern. Je nachdem wie man die Regeln macht, 
ist die Wahrnehmung im Inneren. Deshalb sind die Regeln wichtig.

Beim Nachdenken über die Satzung habe ich mich an Förderinstitutionen 
orientiert – das gebe ich zu, nicht an unserem Verein. Indes habe ich 
darauf geachtet, dass die Zahl der Leute gleich bleibt. Nimm die vielen 
Leute aus dem Vorstand raus, tue sie in das Gutachtergremium hinüber, 
und sie werden dort nicht andere abblocken, sondern über eine breite 
Förderung nachdenken,

Gruß,
Olaf





_______________________________________________
VereinDE-l mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/vereinde-l

Antwort per Email an