Liebe Poupou,

ich wollte wirklich nicht wissen was/wen du wählst. Ich habe auch nicht samit gerechnet, daß expliziet sagen wirst, wer deine Stimme bekommt. Nun weiß ich es. Und zum Teil bleibt bei mir einzuig Unverständnis. Es gibt gute Gründe für eine geheime Wahl. Hier habe ich sie einmal wieder merken dürfen.

Marcus

Am 16.11.2014 12:27, schrieb poupou:
Liebe Alle,
was ich jetzt hier schreibe, geistert schon eine Weile in meinem Kopf herum und 
sollte eigentlich ein Blogbeitrag werden. Da nun aber auf dieser Mailingliste 
auch eine Diskussion über gute Kandidaten für das Präsidium aufgekommen ist, 
schicke ich diesen Text nun erst einmal über diese Liste.
Die Situation, dass, mit einer Ausnahme, für jede Position im Vereinspräsidiums 
mehr Bewerber als Ämter antreten, insgesamt 37 Kandidaten, ist für WMDE neu und 
für mich ein Zeichen, dass diese Ämter durch das was im letzten Jahr geschehen 
ist, für viele Vereinsmitglieder eine neue Relevanz bekommen haben. Das ist gut 
so. Manchmal braucht es ein Schlüsselmoment, damit sich sich Aufmerksamkeit auf 
etwas richtet und sich etwas bewegt - in welche Richtung wird sich zeigen.

==Überlegungen zum Wahlsystem==

Bevor ich dazu komme, wer für mich ein guter Kandidat für die verschiedenen Positionen 
wäre, ein paar Worte zum Wahlverfahren. Das von WMDE benutzte Wahlverfahren "Wahl 
durch Zustimmung" funktioniert so, dass jeder Wähler jeweils so viele Stimmen hat, 
wie Kandidaten für ein Amt angetreten sind.

Leider ist unsere Satzung und Wahlordnung etwas uneinheitlich darin, ob ein bestimmtes 
Quorum an Stimmen für eine erfolgreiche Wahl erforderlich sind (mal reichen 50% 
Zustimmung, mal müssen es mehr als 50% sein, mal sind "die Kandidaten mit den 
meisten Stimmen" gewählt). Ohne Anspruch auf Richtigkeit, werde ich versuchen, dies 
bei den einzelnen Ämtern noch einmal konkret darzustellen.
Welche taktischen Überlegungen kann man anstellen, wenn nach "Wahl durch 
Zustimmung" gewählt wird?

Eine Möglichkeit ist die Taktik "Das Schlimmste Verhindern". Bei dieser Taktik 
wählt man alle Kandidaten, denen man gerade noch zustimmen kann - also die ganz 
großartigen, die mittelguten und auch die, mit denen man gerade so eben leben könnte. 
Kandidaten, die man für sehr ungeeignet hält, erhalten dagegen keine Stimme. Damit wirkt 
man darauf hin, dass einzelne Kandidaten möglichst schon am Quorum scheiten. Man muss 
aber eventuell damit leben, dass am Ende solche Leute die Ämter bekommen, die man zwar 
gewählt hat, aber mit denen man nur gerade so eben leben kann. Diese Taktik wird man also 
nur dann wählen, wenn ein einzelner Kandidat z.B. droht, ein ganzes Gremium zu 
destabilisieren und man diesen deshalb unbedingt verhindern möchte.

Eine andere Taktik wäre "Dreamteam". Bei dieser Taktik wählt man so, als hätte man nur so viele 
Stimmen zu vergeben, wie Ämter zur Verfügung stehen (bei der Wikipedia-Schiedsgerichtswahl ist das eine 
beliebte Taktik). Diese Taktik ist sinnvoll, wenn es keine Einzelpersonen gibt, die man unbedingt 
"drin" oder unbedingt "draußen" sehen will, dagegen eine ganze Reihe von guten Kandidaten.
Eine dritte Taktik ist "Das Beste Absichern". Dies ist gewissermaßen die 
Umkehrung zu der Taktik, die das Schlimmste Verhindern will. Hier vergibt man möglichst 
wenige Stimmen und nur an die Kandidaten, von denen man unbedingt möchte, dass sie 
gewählt werden. Diese Taktik ist gut geeignet, wenn man davon ausgeht, dass die völlig 
unterirdischen Kandidaten ohnehin keine Chance haben, es aber ein relativ großes 
undifferenziertes Mittelfeld gibt, so dass dei Gefahr besteht, dass besonders geeignete 
Kandidaten darin untergehen.
Natürlich gibt es noch zig weitere denkbare Möglichkeiten. Das Schöne an einer 
Wahlanordnung wie bei WMDE ist, dass man bei den unterschiedlichen Ämtern auch 
verschiedene Taktiken anwenden kann, da die Ämter separat abgestimmt werden.
==Überlegungen zu den einzelnen Ämtern==

So, jetzt wird es konkret. Vorweggeschickt sei, dass ich mich hier nur positiv 
über einzelne Kandidaten äußern möchte. Das heißt nicht, dass ich nicht auch 
negative Aspekte sehe bei verschiedenen Kandidaten. Ich werde mich aber 
bemühen, meine Überlegungen so zu formulieren, dass ich mich auf positive 
Äußerungen beschränken kann.

=== Kassenprüfer ===

Bei meinen Überlegungen zu den einzelnen Ämtern fange ich "unten" an: bei den 
Kassenprüfern. Hier konkurrieren sechs Beweber um vier Plätze. Die Satzung macht keine 
Angaben zur Wahl der Kassenprüfer. Nach der Wahlordnung ist gewählt, wer die meisten 
Stimmen erhält, d.h. ein Quorum ist nicht verlangt.
Meine Stimme für die Wahl der Kassenprüfer geht an Manuel Schneider.

Ich kenne Manuel seit vielen Jahren. Ich weiß, dass er ein äußerst 
umfangreiches Wissen über das gesamte Wikimedia-Movement besitzt, insbesondere 
hat er auch detaillierten Einblick in die Vereine WMAT und WMCH, bei denen er 
ebenfalls engagiert ist.  Er ist international exzellent vernetzt und hat 
dadurch auch gegenüber WMDE ein hohes Maß an Unabhängigkeit - obwohl er 
zugleich die Projekte en detail auch von innen kennt. Manuel kann hartnäckig 
sein, wenn er es für erforderlich hält, lässt sich nichts vormachen und hat 
einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.

=== Beisitzer ===
Für das Amt als Beisitzer treten 22 Kandidaten für sechs Positionen an. Für 
eine erfolgreiche Wahl benötigt ein Kandidat laut Satzung mindestens 50% der 
abgegebenen Stimmen. Gewählt sind die sechs Kandidaten mit den meisten Stimmen.
Mir ist es wichtig, dass im neuen Präsidium Menschen sitzen, die Situationen 
strukturiert analysieren können, vernünftig und zugleich pragmatisch handeln 
und die einen engen Draht zur Community der ehrenamtlich in den 
Wikimedia-Projekten Aktiven haben und halten. Von den Kandidaten, denen ich 
meine Stimme geben werde, erwarte ich mir, dass sie bei der Auswahl und 
Einarbeitung des neuen Vorstands sich nicht von Emotionen und vergangenen 
Auseinandersetzungen leiten lassen werden, sondern tatkräftig und im Sinne der 
tausenden, die die Wikipedia, Commons, Wikisource usw. täglich erschaffen und 
erhalten, die Gestaltung der Zukunft von WMDE in die Hand nehmen werden.

Meine Stimmen für Beisitzer gehen an Andreas Karsten, Robin Krahl, Ralf Liebau 
und Lukas Mezger (alphabetische Reihenfolge).

=== Schatzmeister ===
Hier treten drei Kandidaten für ein Amt an. Gewählt ist laut Wahlordnung der 
Kandidat mit den meisten Stimmen.
Bei dieser Wahl werde ich zwei Stimmen vergeben. Eine Stimme geht an Sebastian 
Moleski, von dem ich weiß, dass ihm die Zukunft und eigenständige 
Handlungsfähigkeit von WMDE sehr am Herzen liegt und dass er durchsetzungsstark 
und zielstrebig ist. Meine zweite Stimme erhält Steffen Prößdorf, der sein Amt 
in der Vergangenheit mit viel Leidenschaft ausgeführt hat und dem an einem 
Verein mit einer klaren Ausrichtung auf die Community der Freiwilligen gelegen 
ist.
=== Stellvertretende Vorsitzende ===
Als Stellvertretende Vorsitzende treten sieben Bewerber an. Gewählt werden laut 
Satzung die beiden Kandidaten, die die meisten Simmen erhalten.
Meine Stimme für dieses Amt geht an Kurt Jansson.
Kurt ist nicht nur Mitbegründer von WMDE, er ist auch einer der ersten deutschen 
Wikipedianer überhaupt gewesen und verfolgt das Projekt seither mit einer geradezu 
väterlichen Mischung aus Liebe zu Wikipedia&Co, Sorge um deren Zukunft und 
konstruktiven Vorschlägen der Verbesserung und Erneuerung - auch mit einer 
inzwischen etwas größer gewordenen Distanz (das Kind ist gewissermaßen schon groß 
und inzwischen von zuhause ausgezogen). Mit Kurt wird ein unmessbarer 
Erfahrungsschatz in das Präsidium einziehen, aber auch ein kritischer Blick und der 
Wille, Dinge im Sinne der Verbesserung der Inhalte, einer größeren Beteiligung 
diverser Akteure und noch besserer Nutzbarkeit für unsere Leser und Nachnutzer 
voranzutreiben.
== Vorsitzender ==
Hier tritt nur ein einziger Kandidat, Tim Moritz Hector, an. Der Wahlmodus sieht deshalb so aus, 
dass mit "ja" und "nein" gestimmt werden kann. Gewählt ist der Vorsitzende, 
wenn er mehr ja- als nein-Stimmen erhält.
Der Vorsitzende ist im Gefüge der WMDE-Strukturen der Counterpart des 
hauptamtlichen Vorstandes und zugleich primus inter pares innerhalb des 
Präsidiums. Von seinem Führungsanspruch, seiner klaren Vorstellung und 
Formulierung der Ziele des Präsidiums und dem beharrlichen Willen, diese 
umzusetzen, hängt ab, ob er diese Rolle ausfüllen kann oder nicht.

Ich schätze an Tim Moritz genau die Eigenschaften, die er auch in seiner Eigenvorstellung 
nennt: Ausgleich, Moderation, Zuhören können. Es sind Eigenschaften, wie ich sie mir für 
einen stellvertretenden Vorsitzenden wünschen würde. Ich werde deshalb mit 
"nein" abstimmen.

Liebe Grüßepoupou

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