--- Urspruengliche Nachricht ---
Datum: 6/12/2008
Von: "Norbert Bollow" <[EMAIL PROTECTED]>
Betreff: [SIUG-discuss] SIUG-Spendenaufruf


[Entschuldigung fürs Cross-Posting, aber die SIUG braucht wirklich
 dringend einige Spenden.]


                          Spendenaufruf

    für die Lobbying-Arbeit der SIUG für Offene IT-Standards


Wir bitten Sie um finanzielle Unterstützung für die wichtige Arbeit
der SIUG im Bereich des Engagements für Offene Standards.


Hintergrund über OOXML und was damit bis jetzt geschehen ist
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Dokumentenformate sind für die praktische Nutzung von Informations-
technologien von ganz grundlegender Bedeutung.  Seit 2006 gibt es
ein Dokumentenformat, das als Internationaler Standard anerkannt ist,
nämlich XML-basierte Open Document Format (ODF).  Weil Microsoft
natürlich lieber verhindern möchte, dass sich ein von Microsoft
weder entwickeltes noch kontrolliertes Format als Standard durchsetzt,
hat sich Microsoft mit grossen Aufwand dafür eingesetzt, dass das
ebenfalls XML-basierte Dokumentenformat OOXML von "Office 2007"
ebenfalls als internationaler Standard anerkannt würde.

Die Entscheidung darüber, ob eine Spezifikation als Internationaler
Standard anerkannt wird, wird durch eine internationale Abstimmung
gefällt, wobei das Schweizer Stimmrecht von der Schweizerischen
Normen-Vereinigung (SNV) ausgeübt wird.

In der internationalen Abstimmung der Standardisierungsorganisationen
ist die Standardisierung von OOXML in der Form, wie das Format jetzt in
"Office 2007" implementiert ist, klar gescheitert.

Eine modifizierte Fassung könnte möglicherweise als internationaler
Standard anerkannt werden.  Diese korrigierte Fassung wurde im Februar
2008 an einer einwöchigen Konferenz in Genf, dem sogenannten "Ballot
Resolution Meeting", and dem die SIUG auch teilgenommen hat, erarbeitet.

Die internationale Abstimmung über diese revidierte Fassung der OOXML
Spezifikation hat zum Ergebnis "Approve" geführt, aber es ist nicht
sicher, dass dies das endgültige Resultat ist, weil noch Rekurse mit
starken Argumenten hängig sind.  Microsoft hat angekündigt, dass die
korrigierte Fassung des OOXML Dokumentenformats, die möglicherweise als
internationaler Standard anerkannt wird, erst in "Office 14", dem
nächsten Major Release, unterstützt werden soll.  Dagegen soll das
"Open Document Format" (ODF) bereits im kommenden Jahr mittels "Service
Pack 2" für "Office 2007" unterstützt werden.  Dies ist für alle
Freunde des von OpenOffice.org verwendeten Dokumentenformats ODF eine
sehr positive Nachricht.


Rückblick auf die Arbeit der SIUG in diesem Bereich
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Innerhalb der SNV wurde ein neues Unterkomitee gegründet, das sich
mit OOXML befassen sollte.  Die SIUG war von der Gründungsveranstaltung
an dabei und hat sich auch bei der sachlichen Diskussion über OOXML
stark engagiert und die OOXML-Spezifikation nachdrücklich kritisiert.
Die Schweizer Stimme ist dennoch zustimmend für OOXML ausgefallen, wenn
auch nicht aufgrund von sachlichen Argumenten.  Vielmehr wurde die
Entscheidung durch eine Abstimmung gefällt, wobei sich die Regeln über
das Stimmrecht als viel zu wenig robust erwiesen haben.  Dennoch war
das Engagement der SIUG nicht wirkungslos, wie die folgenden Punkte
zeigen.


a) Die SIUG hat an der OOXML Spezifikation einige technische Aspekte
kritisiert, wobei auf einen durchaus wichtigen Punkt international
nur durch die Initiative der SIUG aufmerksam gemacht wurde.  Es ist
tatsächlich gelungen, Microsoft von der Wichtigkeit dieses Punktes zu
überzeugen, und am internationalen "Ballot Resolution Meeting" vom
25. bis 29. Februar 2008 in Genf wurden unter anderem Änderungen der
OOXML Spezifikation beschlossen, die dieses Problem lösen.  Allerdings
haben die beschlossenen Änderungen den grossen Nachteil, dass sie es
Microsoft massiv erschweren, die korrigierte Fassung der Spezifikation
zu unterstützen, ohne damit Interoperabilitätsprobleme mit der bereits
verkauften Fassung von "Office 2007" auszulösen.  Konsequenterweise
hat Microsoft inzwischen angekündigt, dass die korrigierte Fassung von
OOXML (die möglicherweise nach Behandlung der Rekurse als ISO/IEC
Standard anerkannt wird) nicht vor dem nächsten Major-Release
"Office 14" unterstützt werden kann, während Unterstützung für das
bereits als ISO/IEC Standard akzeptierte und von OpenOffice.org
verwendete Open Document Format (ODF) bereits für nächstes Jahr im
"Service Pack 2" von "Office 14" versprochen wird.

(Die Interoperabilitätsprobleme zwischen den Versionen von OOXML wären
mit einer sorgfältigen Diskussion der geplanten Änderungen durchaus
vermeidbar gewesen, aber dafür fehlte die nötige Zeit, weil nach dem
Willen der OOXML-Befürworter unbedingt ein ISO/IEC Standard zu OOXML im
"Fast Track" Schnellverfahren beschlossen werden sollte.  Die Warnungen,
dass viele wichtige Fragen am "Ballot Resolution Meeting" nicht
angemessen diskutiert werden konnten, wurden allzu leichtfertig in den
Wind geschlagen.)


b) Die SIUG kritisiert am "Open Specification Promise" Patentversprechen
von Microsoft, dass es sich (solange es nicht entsprechend ergänzt wird)
nur auf im Standard als zwingend vorgeschriebenen Elemente des
Dokumentenformats bezieht.  In der Spezifikation werden aber die
allermeisten Elemente des Dokumentenformats ausdrücklich als optional
klassifiziert.

In diesem Punkt besteht eine als realistisch erscheinende Möglichkeit,
dass Microsoft aufgrund der Kritik der SIUG bereit sein könnte, das
Problem zu lösen.  Dies ist jedoch bis jetzt noch nicht geschehen.


Längerfristige Perspektive
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Für die Schweiz ist noch die Arbeitsgruppe "Technologie" von eCH von
besonderer Bedeutung, wo Empfehlungen ausgearbeitet werden, welche
Standards in der Schweiz bei e-Government Projekten eingesetzt werden
sollen, wovon natürlich längerfristig auch für die Privatwirtschaft
eine erhebliche Signalwirkung ausgehen kann.  Die SIUG ist hier
ebenfalls aktiv.

Aus der Sicht der SIUG ist OOXML nur ein Beispiel von technischen
Spezifikationen, die zu Standards werden können, obwohl es ungelöste
Bedenken betreffend Patenten gibt.

Dieses Problem ist grundsätzlich zwar schon lange bekannt, aber
durch das zunehmende öffentliche Bewusstsein der wirtschaftlichen
Bedeutung von Freier und Open-Source Software erscheint es jetzt mit
realen Erfolgschancen möglich, eine politische Lösung des Problems
anzustreben.

Ein Kontakt zu der Vorsteherin des Eidgenössischen Volkswirtschafts-
departements, Frau Bundesrätin Doris Leuthard, konnte bereits
hergestellt werden.  Dies ist anlässlich der Mitgliederversammlung
der Schweizerischen Normen-Vereinigung am 29.5.2008 geschehen.  Auch
zu einem mit der Geschichte der Patentproblematik im Normenbereich
bestens vertrauten pensionierten Standardisierungs-Professional konnte
eine wertvolle Beziehung aufgebaut werden.  Dieser Kontakt ist in
Genf in Zusammenhang des Ballot Resolution Meetings zu OOXML
entstanden.  Diese Beispiele zeigen, dass die Ausgaben der SIUG für
die Mitgliedschaft in der Schweizerischen Normen-Vereinigung und für
die Teilnahme am Ballot Resolution Meetings zu OOXML keineswegs
überflüssig oder nutzlos sind, sondern im Gegenteil im Hinblick auf
das Erreichen des politischen Ziels, dass IT-Standards nicht durch
Patente belastet sein sollen, grundlegend wichtig sind.

So sind mit der Lobbying-Arbeit der SIUG wichtige Grundlagen dafür
gelegt worden, das Problem langfristig effektiv zu lösen.  Allerdings
ist noch nicht klar, ob diese Arbeit langfristig im Rahmen der SIUG
weitergeführt werden kann.  Auch wenn wir hoffen, dass die Kosten
für das Jahr 2008 durch diesen Spendenaufruf gedeckt werden können,
stellt sich die Frage, ob die SNV-Mitgliedschaft nicht längerfristig
für die SIUG zu teuer ist.  Vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit,
per 1.1.2009 eine enge Zusammenarbeit mit einer ähnlich gesinnten
aber finanzkräftigeren Organisation zu realisieren.


Kosten der Standardisierungsarbeit
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Obwohl die SIUG bemüht ist, die Kosten so tief wie möglich zu halten
sind mit der Mitgliedschaft in der SNV, mit den Bahnfahrten zu den
diversen Anässen sowie mit den Übernachtungen in Genf Kosten von
insgesamt knapp 4000 Franken entstanden.

Wir bitten Sie um Unterstützung, um diese Kosten zu decken.


Zahlungsinformationen für Spenden
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Zahlungen an die SIUG bitte per Einzahlung oder Überweisung auf das
SIUG-Postkonto 87-67210-5.  Zahlungsempfänger ist "SIUG, Postfach 1908,
8021 Zürich".  Bei zweckgebundenen Spenden für die Lobbying-Arbeit der
SIUG für Offene IT-Standards bitte "Offene Standards" als Mitteilung
angeben.



Herzlichen Dank im Voraus!

Für die SIUG

Norbert Bollow,
Präsident

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