Moin, zunächst einmal vielen Dank an Sven-Ola und Jürgen für diesen Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde. Es wurde ja viel über die Krücke VPN-Exits gesprochen - und ja, eigentlich ein sehr nerviges Thema, weil es sehr zentralistisch ist und daher nicht viel mit der Kernidee von Freifunk zu tun hat. Eigentlich will man als Freifunker doch lieber tolle, dezentrale WLAN-Mesh-Netzwerke spannen, die in erster Linie doch garnichts mit dem Internet sondern mit einem freien Intranet zu tun haben... (mit der Hoffnung, dass das freie Intranet eines Tages zum neuen Internet wird :P).
Zum Thema VPN-Exits wurde Lübeck ja einige male erwähnt und ich wollte ganz gerne noch ein paar Dinge hierzu ergänzen (habe mich natürlich nicht getraut, ins Mikro zu sprechen...). Kurz für die, die den Deal zwischen Freifunk Lübeck und dem Freie Netze e.V. nicht kennen: Es geht um einen Server zum direkten Abschmeißen von Internetverkehr. Die Finanzierung, das Aufsetzen und weitere Administrieren machen wir in Lübeck, die rechtliche Seite wurde aber auf den Freie Netze e.V. übertragen. 1) Jürgen erwähnte, dass für den Freie Netze e.V. das kein zukunftsweisendes Konzept ist: Sehe ich genauso und ist uns bewusst. Das hatte sich beim letzten Chaos Communication Congress mit der 10.000-Teilnehmer-Geschichte ja schon herauskristallisiert, dass das so nicht "skaliert". Uns ist bewusst, dass das maximal eine Übergangslösung ist. 2) Wir haben hier in Lübeck einen noch relativ jungen, kleinen, chaos-nahen Verein, den Chaotikum e.V.: Dieser hat weder Juristen, noch eine Rechtschutzversicherung und ist eigentlich auch noch viel mit sich selbst beschäftigt, als das dieser Abuse-Handling (zumindest zu jenem Zeitpunkt) handhaben konnte. Die Bestrebungen sind da, bis Ende des Jahres entweder den Exit-Server auf das Chaotikum e.V. umzuschreiben oder falls dieser nicht möchte, einen eigenen Lübecker Freifunk-Verein zu gründen. 3) Diese Übergangslösung war es für uns aber meiner Meinung nach trotzt viel bürokratischem Aufwand wert und kam genau zum richtigen Zeitpunkt: Wegen des Bürgerschaftsbeschlusses und für unsere Verhältnisse relativ großen Presserummel, war Freifunk Lübeck hier in aller Munde und die Nutzerzahlen und Anfragen explodierten. Das machte sich in der Bandbreite bemerkbar: Trotz drei verschiedener, kommerzieller VPN-Exit-Anbieter war plötztlich die meiste Zeit über nur noch weniger als 1MBit/s drin. Nach dem tollen Bürgerschaftsbeschluss hörte man das Geraune und Gemurmel von allen Seiten, oft wurden wir gefragt, warum dass denn so langsam sei. Der ungesharte VPN-Exit mit weiteren 100MBit/s kam dann genau richtig! Einige Wochen später und es hätte sich vermutlich in die Köpfe der Lübecker eingebrannt, dass Freifunk langsam und amateurhaft sei. Und gerade bei dem aggressiven Vorgehen von Anbietern wie Kabeldeutschland oder Hotsplots hier in Lübeck, hätte dass ansonsten einen riesen Dämpfer des aktuellen Wachstums bis hin zur Abwanderung bedeutet, vermute ich. Seitdem ein vierter VPN-Entry/Gateway-Server zusammen mit dem VPN-Exit-Server vor 1.5 Monaten online gegangen sind, verdratet und aktiv geschaltet wurden, herrscht bezüglich der Geschwindigkeitsthematik aber erstmal wieder stille. Daher auch nochmal vielen Dank an den Förderverein freie Netzwerke e.V. für die Unterstützung! Cheers, Linus _______________________________________________ WLANtalk mailing list [email protected] Abonnement abbestellen? -> http://lists.freifunk.net/mailman/listinfo/wlantalk-freifunk.net Weitere Infos zu den freifunk.net Mailinglisten und zur An- und Abmeldung unter http://freifunk.net/mailinglisten
