Hallo Jens,

aus Augsburg kann ich ausm letzten Jahr berichten, dass wir versucht hatten in das Projekt "Öffentliches WLAN Stadt Augsburg" reinzuspringen. Gescheitert sind wir meines Erachtens, weil wir hartgeblieben sind was unsere Ablehnung von Websperren betrifft.

Die Stadt Augsburg hat seit vergangenem September ein Unternehmen beauftragt, das öffentliche WLAN für Sie zu betreiben, d.h. die Firma fängt die Problematik der Störerhaftung auf.
http://www.augsburg.de/buergerservice-rathaus/buergerservice/wlan/
Die Schnittstelle Stadt vs. ext. Firma sieht so aus, dass die Stadt die LAN-Dose und Steckdose bereitstellt und die Firma dort ihren vorkonfigurierten LANCOM-Router einsteckt, danach wird's über ne DSL-Leitung von MNET nach draußen getunnelt.

In den Diskussionsrunden in denen wir letztes Jahr dabei waren, haben wir mehrere Optionen vorgestellt: a) Stadt is selber Provider und gibt sich von der Störerhaftung unbeeindruckt (okay utopisch, aber hey, probieren darf man's) b) Freifunk tunnelt's wie bisher per VPN ins EU-Ausland (da hieß es: oh Nein, wir dürfen doch net dazu beitragen, dass DEUTSCHE Gesetze umgangen werden und das auch noch als Stadt) c) Freifunk tunnelt den Traffic per VPN zu ner VM vom Förderverein und der Datenverkehr fällt dann bei nem Verein, der bei der Bundesnetzagentur registriert is, ins Internet (Die Lösung kam noch am akzeptabelsten an)

Mein Resumee vom letzten Jahr is, den Stadtverwaltungen is das Thema lästig und die wollen's möglichst schnell vom Tisch haben. Scheißegal was es kostet, ob wir Websperren einsetzen, man ausschließlich surfen kann weil alle anderen Ports gesperrt sind, egal dass es nur zwei Stunden am Tag geht und nur bis zum Trafficlimit X, Hauptsache das Thema is vom Tisch á la "Ja, aber wir ham doch schon was gemacht". Da nerven auch so ideologische Diskussionen um Websperren oder wirklich freies Internet nur...

Wir haben seit letztem September weiter gemacht und mehrere neue Standorte erschlossen und bestehende ausgebaut, dabei sind indoor-Installationen, aber auch mehrere outdoor-Funkstrecken. Wir haben uns mit einigen Initiativen auf lokaler Ebene vernetzt, bekommen darüber auch ab und zu Spenden für den weiteren Ausbau. U.a. haben wir so in einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge, die eigentlich die Regierung von Schwaben betreibt, aber sich dort um nahezu nix kümmert, Freifunk hingebracht; In zwei weiteren Einrichtungen im Stadtgebiet sind wir mit den jeweiligen Unterstützern am abklären, ob und wie, schaut net mal schlecht aus.

Auf non-kommunaler Ebene, geht bei uns deutlich mehr, als wir mit der Stadt oder Institutionen erreichen, daher macht Euch bei aller Euphorie nicht zuviel Hoffnungen bzw. seid nicht zu sehr enttäuscht wenn's nicht klappt. Trotzdem wünsch ich Euch allen Erfolg. Ich denke, wenn's mal einige Städte mit Freifunk erfolgreich probiert haben, is das auch nen Signal "Wir haben's drauf, das is ne reife Lösung" und bereitet den Boden für weitere Anstöße in anderen Städten.

Ciao

Steini


Am 2014-09-23 14:09, schrieb Jens Sandmann:
Moin,

wir in Münster hatten gerade ein Gespräch mit dem IT-Dienstleister der Stadt der ausloten soll wie verschiedene Kommerzielle Anbieter aber auch Freifunk Wlan in der Stadt anbieten würden. Dabei wurde deutlich das es Bedenken hinsichtlich der Umgehung der Störerhaftung per VPN ins Ausland
gibt.

Gibt es in anderen Communitys schon Erfahrungswerte zur Zusammenarbeit
mit Behörden?
Gibt es in anderen Communitys schon Erfahrungswerte wie Behörden zur
(Umgehung) der Störerhaftung stehen? Oder wie wurde das Problem Gelöst?
(Selbst als ISP anmelden?)

Über Infos von euch würden wir uns sehr freuen.

Viele Grüße,
Jens Sandmann

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