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Betreff: Wer regiert das Internet?
Datum: Mon, 2 May 2016 21:14:28 -0300
Von: willi uebelherr <[email protected]>
An: FoF4 <[email protected]>
Kopie (CC): JoSaR Sebastian Harnisch <[email protected]>, JoSaR Wolf Schuenemann <[email protected]>, Markus Beckedahl <[email protected]>, JoSaR Jeanette Hofmann <[email protected]>, JoSaR Marianne Kneuer <[email protected]>, JoSaR Kai Cornelius <[email protected]>, JoSaR Myriam Dunn Cavelty <[email protected]>, Wolfgang Kleinwächter <[email protected]>


Lieber Herr Harnisch und Schuenemann und alle Beteiligten,

mit grossem Interesse habe ich diese Schrift gelesen.

Wer regiert das Internet?
htp://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/josar/index

Aber ich will auch deutlich machen, wie sehr ich enttaeuscht bin. Der Titel eroeffnet den Zugang. Nur, wir muessen auch den Raum dahinter betreten wollen. Und das sehe ich in keinem der Artikel. Nur unterschiedliche Intensitaeten, sich dem Thema zu naehern.

Markus, Frau Hofmann und Herr Mueller gehen auf das Thema zu und scheuen zurueck. Ueber Rechtskonstruktionen und der Beschreibung so mancher Tatsachen werden sie das Thema nicht verstehen.

Es geht um Telekommunikation. Ein Medium, um unsere Kommunikation ueber greographische und zeitliche Distanzen aufrecht zu erhalten. Vermittels eines technischen Mediums. So wie im direkten Kontakt die Luft und die Lichtreflexion.

Neben den spezifischen technischen Bedingungen in der Zeit der Entstehung des "InterNet" gab es eine klare Praemisse: Dieses System muss privatisiert sein.

Wir haben ja eine aehnliche Situation im materiellen Transportsystem: die Strassen. Und wenn wir die Situation heute im Bereich der Telekommunikation auf die Strassen anwenden, dann hiesse das, dass vor jedem Haus eine Mautstelle installiert wird. Ich glaube, die Menschen wuerden derlei Versuche sehr schnell beenden.

Aber nicht im Telekommunikations Bereich. Der Grund ist einfach. Alle SprecherInnen im oeffentlichen Raum, so wie sie auch, schrecken vor der ehrlichen Beschaeftigung mit diesem Thema zurueck. Weichen aus in Sphaeren, wo sie in Ruhe gelassen werden. Auch Markus, Netzpolitik.org und die Freifunker tun dies.

Gehen wir doch mal das Thema grundsaetzlich an. Was ist zu tun? Wir digitalisieren die analogen Information und fassen sie mit den bereits digitalen Daten zusammen, packetieren diese digitalen Daten und schicken sie zu unseren Kommunikationspartnern. Dort werden die urspruenglich analogen Informationen wieder analogisiert.

Dieser Transport ist, wie jeder materielle Transport, eine geografische Operation. Von Position A nach Position B. Das war es eigentlich.

Jetzt kommen wir zum zweiten Schritt. Wir erkennen 2 Ebenen. Eine physikalische, der Packettransport, und eine logische, interpretative Ebene, in der wir uns den transportierten Daten zuwenden. Aber diese Ebene ist hier nicht unser Thema. Wir bleiben auf der physikalischen Ebene.

Fur den Transport von A nach B brauchen wir die Zielkoordinaten von B. Wir muessen wissen, wo das ist. So, wie wenn wir zu Fuss, mit dem Fahrrad oder Auto unterwegs sind. Mit der Eisenbahn oder Buslinien sehen wir sofort, dass hier Einschraenkungen vorliegen.

Aus meinem Vorschlag an NetMundial (2014) und EuSurvey Group (2016) will ich einige der 8 Basispunkte hier ansprechen. In den Maillisten von IGF (Internet Governance Forum), IUF (Internet Ungovernance Forum) und ISOC (Internet Society) wurde es auch diskutiert und natuerlich herb zurueck gewiesen. Der Grund ist einfach. Viele der Mitglieder verlieren ihre Jobs und besonderen materiellen Existenzbedingungen.

1) die konstituierenden Elemente unseres Telekommunikationssystems sind die lokalen Netzwerke in jeder Gemeinde, Dorf oder Stadt. Es sind unabhaengige, autonome Netzwerke, weil sie alle notwendigen Funktionalitaeten lokal organisieren. Clients, Server und Verbindungen. Clients und Server muessen nicht notwendig getrennt werden.

2) diese lokalen Netzwerke verbinden sich. Das machen die Menschen selbst. Das ist das InterNet, "the Inter-connection of local Net-works". Wir betrachten hierbei 3 Ebenen. a) die Verbindung der lokalen Netzwerken zu ihren benachbarten lokalen Netzwerken. b) die Verbindung der regionalen Zentren (meist grosse lokale Netzwerke) mit den anderen regionalen Zentren. c) die Verbindung der groesseren regionalen Zentren auf allen Inseln. Kontinente sind nur grosse Inseln.

3) die Transportkapazitaeten dieser Verbindungen sind grundsaetzlich symetrisch, wie es auch in den technischen Systemen existiert.

4) wir verwenden 2 mal 64 bit fuer die globale und lokale Adresse. Fuer den globalen Transport interessiert uns die lokale Adresse nicht. Die globale Adresse wird aus der geografischen Position des lokalen Netzwerks abgeleitet. Damit weiss jeder Router auf dem Weg von A nach B sofort, was zu tun ist. Er vergleicht seine eigene position mit der Zielposition im Packet.

5) wir dezentralisieren das DNS System auf der Basis der ccTLD oder regTLD (country coded oder regional). Aus der TLD wissen wir sofort, wo wir die numerische IP Adresse bekommen. Aber wie das regional organisiert wird, ist Sache der Menschen in dieser Region. Wenn Menschen den Unsinn von gTLDs verwenden wollen, dann sollen sie es tun. Das interessiert uns nicht.

Das sind jetzt physikalische und technische Grundueberlegungen, die sich direkt aus den Aufgaben der Telekommunikation ergeben. Unter der Vorraussetzung unserer Philosophie.

Es gibt noch einen zweiten Bereich. Er versetzt uns in die Lage, ueberall auf unserem Planeten dieses Telekommunikationssystem entstehen zu lassen. Die freie Technologie. Frei, sich daran zu beteiligen. Frei, die Resultate zu nutzen. Fuer alle Menschen auf unserem Planeten. Damit kommen wir zu den beiden Grundprinzipien: "global denken, lokal handeln" und "Wissen ist immer Welterbe".

mit lieben Gruessen, willi uebelherr
z.zt. St. Elena de Uairen, Venezuela

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