Hallo Deutschland,

und auch Österreich / Schweiz. Anscheinend werden wir dort auch gelesen.
Das ist die letzte Ausgabe von Regel-Freitag im Jahre 2014. Wir möchten uns
ganz herzlich bei Euch für die vielen guten Fragen und kritischen
Kommentare bedanken.

Regelkunde ist nicht in Stein gemeißelt. Regelkunde lebt. In Deutschland
fühlt sich die Regelkunde dank engagierten Diskussionen und intensivem
Austausch derzeit besonders wohl. Wir alle lernen mit jeder Frage und
Anregung neu dazu.

2015 werden wir uns mit einer weiteren kuriosen Situation aus dem Spiel
"Bad Skip vs. Oso" - WUCC 2014 befassen, welche unsere Experten zu
Diskussionen angeregt hat.

Zum Jahreswechsel haben wir uns überlegt, dass wir Euch an solch einer
"wilden" Diskussion als Zeugen Teil haben lassen. Wir verabschieden uns
damit in die Weihnachtspause und wünschen Euch ein frohes Fest und einen
guten Rutsch in das neue Jahr.


*Achtung! **Der folgende Beitrag ist Entertainment/Bespaßung. Auch wenn
große Fetzen von Wahrheit enthalten sind, ist das keine offizielle
Interpretation der Regeln. Nehmt es mit Humor. Viel Spaß dabei.*

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Wir haben zwei fiktive (nicht-gendergerechte) Regelexperten die besten und
tatsächlich gestellten Fragen des Jahres 2014 diskutieren lassen.


*1. Wenn ein Vogel über dem Spielfeld getroffen wird und die Scheibe dann
auf dem Boden landet, wo und wie geht es dann weiter?*

Experte 1: Vollkommen klar! Das kommt darauf an, ob es ein OPEN Spiel ist
und man den Vogel als Spieler interpretieren könnte.

Experte 2: Verehrter Kollege, ein Spieler ist nach Definition von "player"
im Regelwerk definitiv eine Person. Einen Vogel als Person zu
interpretieren finde ich schon sehr weit hergeholt.

Experte 1: Nun gut, aber es ist wichtig, welche Größe der Vogel hat. Diese
muss groß genug sein, um den Scheibenflug zu beeinflussen.

Experte 2: Warum das?

Experte 1: Na eine "Berührung" rechtfertigen, ist wirklich wichtig.
Ansonsten läuft man in Brandenburg im Sommer Gefahr nicht mehr spielen zu
können.

Experte 2: Wieso?

Experte 1: Jede Berührung mit einem Moskito, und das sind Hunderte pro
Wurf, wären dann problematisch.

Experte 2: Ja, das kann ich nachvollziehen.

Experte 1: Noch problematischer ist es allerdings, wenn der Vogel kein
Spieler ist und die Scheibe ablenkt. Da er nicht zum Aus gehört, ist die
Antwort auf diese Frage nicht geregelt.

Experte 2: Ich kann dem nicht zustimmen, dass die Situation nicht geregelt
ist, sondern es einfach keine Regel gibt, die diesen unglücklichen Nachteil
für die Offense ausgleicht.

Experte 1: Gut, dann brauchen wir dafür eine Interpretation.

Experte 2: Und die wäre?

Experte 1: Dazu müsste dieser Fall dann erst einmal eintreffen. Also liebes
Ultimate-Deutschland: Strengt Euch an!


*2. Wenn ein Greifvogel die Scheibe als Beute sieht, sie erbeutet und über
der Endzone fallen lässt, die dann ein Angreifer fängt, ist das ein Punkt? *

Experte 1: Eindeutig kein Punkt! Der Greifvogel wirft keinen Pass nach
14.1., da er die Scheibe unabsichtlich fallen lässt. Das ist kein Wurf!

Experte 2: Einspruch. Erst einmal gilt zu klären, ob der Greifvogel die
Scheibe aus der Hand gerissen hat oder es eine Scheibe in der Luft war.

Experte 1: Warum das?

Experte 2: Nun, wenn es ein Wurf ist, bleibt es ein Wurf, solange die
Scheibe in der Luft ist. Ob die Scheibe jetzt durch den Auftrieb der Luft
oder des Vogels fliegt, ändert dann nichts an dem Fakt das die Scheibe
fliegt.

Experte 1: Ein interessanter Gedanke. Wenn also jemand aus Versehen die
Scheibe fallen lässt und der Greifvogel diese Scheibe über der Endzone
fallen lässt, wäre das kein Punkt.

Experte 2: Exakt.

Experte 1: Aber wenn der Greifvogel einen Pass aus der Luft greift und
fallen lässt, wäre das ein Punkt?

Experte 2: Genau.

Experte 1: Sehr interessant.

Experte 2: Übrigens, wenn jemand einen Wurf antäuscht und dabei die
Scheibenkontrolle verliert, ist das nach Definition ein Wurf. Das heißt,
falls er es schaffen sollte, seinen eigenen Wurf wieder zu fangen,  ist das
ein "double touch" - also ein Turnover. Dumm gelaufen.

Experte 1: Demnach wäre es also auch kein Punkt, falls Angreifer A in der
Endzone steht und der Mitspieler B ganz nah außerhalb der Endzone aus
Versehen die Scheibe fallen lässt und A diese fängt.

Experte 2: Exakt. Das ist kein Pass und damit kein Punkt. A muss zurück zur
Punktlinie und weiter spielen.


*3. Fange ich eine Scheibe, wenn ich sie vom Boden aufhebe?*

Experte 1: Oh. Das kann man so nicht beantworten!

Experte 2: Wieso denn nicht?

Experte 1: Nun, laut Regelwerk 12.1 bedeutet Fangen, dass man Kontrolle
über eine sich nicht-drehenden Scheibe erlangt.

Experte 2: Also fängt man beim Aufheben. Da steht ja nichts davon, dass sie
in der Luft sein muss.

Experte 1: Das stimmt schon, aber "Kontrolle" ist so eine Sache.
Vollständige Kontrolle über ein Objekt auszuüben widerspricht streng
genommen dem Spirit of the Game. Wir müssen schon davon ausgehen, dass die
Scheibe freiwillig am Spiel teil nimmt.

Experte 2: Ein wichtiger Gedanke.

Experte 1: Ich möchte noch ergänzen, dass es in einer Welt, in der es
Greifvögel gibt, die die Scheibe aus der Hand reißen können, man ohnehin
nicht wirklich von Kontrolle sprechen kann.

Experte 2: So gesehen, fangen wir also niemals Scheiben?

Experte 1: Sehr richtig.


*4. Darf ich meine Teamkameraden umarmen?*

Experte 1: Selbstverständlich nicht! Das Regelwerk ist hier sehr eindeutig.
Während 12.6. Kontakt mit dem Gegner untersagt, gilt 12.9. sogar für alle
Spieler.

Experte 2: Contest! Wenn ich beispielsweise den Werfer umarme, weil ich
sehe, dass sein Huck sicher in der Endzone gefangen werden wird, ist das
weder gefährlich, noch wäre das Ergebnis des Spielzuges bedeutend
beeinflusst.

Experte 1: Nun und?

Experte 2: Also meiner Meinung nach ist das beiläufiger Kontakt und der ist
erlaubt.

Experte 1. Wie bitte? Keinesfalls. Das tun Sie doch bewusst, also nicht
beiläufig.

Experte 2. Das ist ein interessantes Argument. Leider ist es auch völlig
falsch. Sehen Sie, die Definition von beiläufigem Kontakt lautet: "Jede
Berührung, die nicht gefährlich ist, und die das Spielgeschehen nicht
wesentlich beeinflusst"

Experte 1. Und?

Experte 2. Haben Sie das Wort "bewusst" gehört?

Experte 1: Nein.

Experte 2: Natürlich nicht, denn es kommt in der Definition nicht vor. Ich
kann sehr wohl unbewusst nicht-beiläufigen Kontakt intiieren, indem ich
nicht schaue wo ich hinlaufe, aber auch bewusst für eine Umarmung.

Experte 1: Sag ich doch! Bewusst! Jetzt geben sie es zu.

Experte 2: Ich kann bewusst die Umarmung eines Spielers initiieren, der mit
dem Ergebnis des aktuellen Spielzuges nichts mehr zu tun hat. Das ist nach
Definition immer noch ein beiläufiger Kontakt.

Experte 1: Sie sind ein Bohème!

Experte 2: Man kann es aber auch eng auslegen.

Experte 1: Wieso eng? Dafür ist das Regelwerk da. Kontakt ist untersagt.

Experte 2: Herr Kollege ...

Experte 1: Vielleicht könnte man mit viel Augenzudrücken 12.10. gelten
lassen, wenn ein Kontakt erfolgt, da zwei oder mehrere Spieler gleichzeitig
sich auf einen Punkt zu bewegen. Aber mal ganz ehrlich, eine Umarmung als
non-accidental auszulegen, ist schon einer gewagte Auslegung der Regeln. Wo
kommen wir denn da hin?

Experte 2: Ar....l...

Experte 1: Bitte?

Experte 2: Nichts.


*5. Darf man einen verletzten Spieler vom Feld tragen? *

Experte 1: Ja, das darf man, allerdings ...

Experte 2: allerdings, was?

Experte 1: Allerdings darf das gemäß 12.12. kein Spieler.

Experte 2: Wieso?

Experte 1: Kein Spieler darf einem anderen Spieler physisch bei dessen
Bewegung unterstützen.

Experte 2: Letztlich korrekt, aber das Spiel ist ja unterbrochen.

Experte 1: Ja, und?

Experte 2: Na, das Spiel ist unterbrochen und der Spieler ist verletzt!

Experte 1: Ich kann Ihnen nicht folgen.

Experte 2: Nun im WFDF-Forum steht auch: "Still, common sense needs to be
applied".

Experte 1: Und das bedeutet?

Experte 2: Na, dass man "common sense" anwenden sollte.

Experte 1: Sehr interessant. Ich habe noch nie von diesem Konzept gehört.
Wieder typisch die Amerikaner.

Experte 2: Natürlich.
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