*EINLADUNG ZUR BUCHPRÄSENTATION*
*am Donnerstag, 15. Mai 2008, 18.00*
Hugo Theodor Horwitz: /Das Relais-Prinzip. Schriften zur
Technikgeschichte/. Wien 2008.
(Herausgegeben von Thomas Brandstetter und Ulrich Troitzsch)
im
*TECHNISCHEN MUSEUM WIEN*
Mariahilfer Str. 212, 1140 Wien
Zum Buch:
Mit diesem Band sollen die Schriften von Hugo Theodor Horwitz, einem
fast vergessenen Theoretiker der Technikgeschichte, wieder zugänglich
gemacht werden. Zu entdecken gilt es einen Autor, dessen Überlegungen
zur spezifischen Logik des Technischen erstaunlich aktuelle Anregungen
bieten können -- gerade vor dem Hintergrund eines zunehmenden Interesses
für die medientechnischen Bedingungen unserer Kultur.
Horwitz wurde 1882 in Wien geboren, studierte an der dortigen
Technischen Hochschule und ging schließlich nach Berlin, um den Titel
eines Doktor-Ingenieurs zu erwerben. Anschließend lebte er hauptsächlich
in Wien, wo er sich im interdisziplinären Austausch mit Prähistorikern,
Völkerkundlern und Kunsthistorikern um eine kulturwissenschaftliche
Fundierung der Technikgeschichte bemühte. Nach der Machtübernahme der
Nationalsozialisten wurde er als getaufter Jude im November 1941 nach
Minsk deportiert und dort umgebracht.
Die Textauswahl soll einerseits dazu dienen, einen weiteren Aspekt jener
vielfältigen Wissenschaftskultur zu erschließen, die im Wien der
Zwischenkriegszeit prosperierte. Abgesehen von diesem historischen
Interesse sollen die Thesen und Theoreme Horwitz' auch auf ihre
Aktualität für heutige kultur- und technikgeschichtliche Ansätze hin
befragt werden.
Dabei steht das sogenannte ,Relais-Prinzip' im Vordergrund. Dieses hat
seit kurzem im Lichte medienwissenschaftlicher Zugänge ein erstaunliches
Interesse erweckt: so haben einige Autoren darin nicht weniger als eine
Genealogie kybernetischer Maschinen gefunden. Horwitz Behandlung des
"Problem(s) des Entstehens der Maschine" zielt nämlich nicht nur auf die
kinematischen Abläufe, wie sie primitiven Werkzeugen zu Grunde liegen,
sondern auf den "Schaltungs- und Überwachungsdienst", den er bereits in
den frühesten technischen Gebilden am Werk sieht. Für ihn waren es die
Fallenkonstruktionen, in denen sich bereits in der Urzeit der
technischen Entwicklung so etwas wie eine Logik der Schaltung
materialisierte. Denn die Auslösemechanismen, die primitiven Fallen und
Selbstschüssen ebenso zugrunde liegen wie den elektrischen Relais,
installieren eine Differenz zwischen Signal und Energie, welche die
Grundlage für jegliche symbolische Maschine bildet -- was Claude Shannon
wenige Jahre später mit seiner algebraischen Formulierung von
Relaisschaltungen auch tatsächlich gezeigt hat. Horwitz' Untersuchung
primitiver Fallenkonstruktionen als Relais ist deshalb so bemerkenswert,
weil es sich dabei um den Versuch handelt, eine Archäologie der Episteme
des 20. Jahrhunderts vorzulegen.
Eingeleitet wird der Band durch zwei Texte: erstens durch einen
biographischen Beitrag (Ulrich Troitzsch), der anhand neuer Quellen den
Lebens- und Werdegang des Autors nachzeichnet. Zweitens durch eine
theoretische Einführung (Thomas Brandstetter), der die Thesen Horwitz'
nicht nur im zeitgenössischen Kontext verortet, sondern auch ihre
Aktualität für die heutige medien- und technikgeschichtliche Forschung
erkundet. Abgeschlossen wird das Buch durch eine ausführliche
Bibliographie von Horwitz Werken.
Herausgeberbiographien:
Thomas Brandstetter: Mitarbeiter am Institut für Philosophie der
Universität Wien. Publikationen u.a.: "Windmacherey. Frühe
Dampfmaschinen als Projekte (1695-1725)," in Krajewski. M. (Hg):
Projektemacher. Zur Produktion von Wissen in der Vorform des Scheiterns.
Berlin 2004; Kräfte messen. Die Maschine von Marly und die Kultur der
Technik 1680-1840. Berlin 2008 (in Vorbereitung).
Ulrich Troitzsch: emeritierter Professor für Geschichtswissenschaft an
der Universität Hamburg. Publikationen u.a. (Hg.): "Nützliche Künste":
Kunst- und Sozialgeschichte der Technik im 18. Jahrhundert. Münster u.a.
1999; (Hg.): Technik-Geschichte. Historische Beiträge und neuere
Ansätze. Frankfurt/Main 1980; Ansätze technologischen Denkens bei den
Kameralisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Berlin 1966.
Bei Fragen kontaktieren Sie bitte:
Thomas Brandstetter
Institut für Philosophie
Universität Wien
Universitätsstr. 7
1010 Wien
Tel.: 0042 (0)699 12724076
Email.: [EMAIL PROTECTED]