From: Drehli Robnik <[EMAIL PROTECTED]>
Subject: Vortrag von Drehli Robnik zu "Die Fälscher" /Depot, Wien, 2.
Juni
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******* Crossposting ist das Spammen der Armen. *******
Liebe Hochinteressierte,
untenstehend die Ankündigung eines Vortrages,
den ich am kommenden Montag im Depot zu Wien halten werde.
Es grüßt
der Drehli
**********
Montag, 2. Juni, 19 Uhr Depot, 1070 Wien, Breitegasse 3
Massenmord als blinder Fleck der Wissensökonomie
Zur Geschichtsvermittlung durch Stefan Ruzowitzkys Film "Die Fälscher"
Vortrag von Drehli Robnik
Seit seiner Premiere bei den Berliner
Filmfestspielen 2007 und insbesondere im
Anschluss an die Verleihung des "Auslands-Oscar"
2008 wurde "Die Fälscher", Stefan Ruzowitzkys
Film über die von der SS betriebene
Geldfälscherwerkstatt im Konzentrationslager
Sachsenhausen, im Rahmen öffentlicher Diskurse
evaluiert, die im wesentlichen auf zwei Bahnen
verlaufen: Zum einen ist die Rede von der
notwendigen Förderung des
Filmwirtschaftsstandorts Österreich und den
Chancen seiner international vergleichsfähigen
Produkte auf dem Weltmarkt; zum anderen wird
Ruzowitzkys Film als konsensträchtige Form von
Geschichtsvermittlung gefeiert und, zumal im
Rahmen der vom Unterrichtsministerium
finanzierten Aktion "Kino macht Schule", als
praktikables Lehrmittel und Medium für das
Outsourcing historischer Wissensvermittlung
genutzt. Dabei fällt auf, wie das Thema von "Die
Fälscher" die Umsetzung
vernichtungsrassistischer
nationalsozialistischer Politik und die
Möglichkeiten von Widerstand gerade in der
Nobilitierung des Films in einer Weise
ausgewertet wird, die dessen Ausblendung nahekommt.
Angesichts der Deutungshegemonie von
Kulturpatriotismus, Österreichmarketing und
Bildungskrisenbewältigung bringt mein Vortrag
einige Einsprüche vor. Dass Ruzowitzkys Film in
den genannten Zugriffsformen nicht aufgeht, ist
womöglich schon darin angelegt, dass er diese
selbst zu Perspektiven seiner
Geschichtsvermittlung im Blick auf den Holocaust
macht: Geht es doch anhand der Fälscherwerkstatt
im KZ gerade um einen (im Rahmen eines
"Heimatschutzprojekts" fungierenden)
Kreativwirtschaftsstandort, dessen
motivationspsychologischer Kontrolle das Problem
des Wissens entgegensteht das Problem der
Kenntnis der ausgewählten Wissensarbeiter vom
Massenmord an den Unerwünschten und
Überflüssigen, der rund um sie herum hinter
Zäunen abläuft. Um diese Punkte zu verdichten,
wird der Vortrag Begriffe zur Beziehung von Kino
und Postfordismus, sowie zur Geschichtlichkeit
des Films zum Einsatz bringen, und überdies auf
die Figuration des NS-Massenmordes in
Ruzowitzkys früheren Regiearbeiten eingehen.
nach dem Vortrag Diskussion mit Ingo Zechner (Historiker und Philosoph)
Drehli Robnik, Historiker, Filmwissenschaftler,
Key Researcher am Ludwig Boltzmann-Institut für
Geschichte und Gesellschaft zum Thema
"Geschichtlichkeit des Films anhand von
Hollywoods (Re-)Visionen des Zweiten
Weltkrieges"; lehrt an der Universität Wien,
Masarykova Univerzità Brno, Universität für
Angewandte Kunst; Publikationen zu Theorie und
Ästhetik des Films, insbesondere Film und
Nationalsozialismus, Film und
Geschichte/Politik, Kino und Krieg, Horrorfilm;
gelegentlich Filmkritiker, Disk-Jockey und Edutainer; "lebt" in Wien-Erdberg.