Werte! (als Anrede gedacht, nicht als Wunsch. Obwohl...) 2009, das Jahr der "Krise". 2010, das Jahr des Aufschwungs? Netter Plattwitz. Entbehrlich, kommt aber - unvermeidlich wie die Neujahrsansprachen aller Mächtigen und Ohnmächtigen. Dem möchte ich noch ein überflüssiges Neujahrsmail hinzufügen, wer es halt lesen mag.
Ich meine: Wenn schon Krise, dann Führungskrise. Niemand hat mehr Visionen, eigentlich sind alle ziemlich ratlos, aber niemand traut sich das einzugestehen. In Wirklichkeit fretten sich wir alle mal so durch - froh, dass das überhaupt noch geht. Das meine ich für die einen finanziell, für die anderen gesundheitlich, emotional oder leistungsmäßig. Wer kann, reisst sich noch schnell einen ordentlichen Brocken heraus, als Wintervorrat - ohne erahnen zu können, in welcher Form der Winter hereinbrechen wird. Solidarität wird als Schlagwort von 1989 wahrgenommen und das ist doch sowas von letztes Jahrtausend. Bestenfalls noch als "Teamwork" uminterpretiert, zur Beförderung der eigenen Karriere, siehe --> Wintervorrat. Die große Mehrheit, so scheint mir, nimmt die derzeitigen Zustände geradezu submissest devot hin. Weil es geht uns ja nicht wirklich schlecht. Aber geht es uns eigentlich gut? Ich vermeine zumindest Unzufriedenheit bei vielen zu verspüren. Wahrscheinlich sind es die sogenannten "Umstände", die Angst vor Veränderung, die alle kuschen lassen. Einzig die StudentInnen haben ein bisserl aufbegehrt, aber nur bis die Ferien anbrechen. Und die KindergärtnerInnen. Dabei müssten eigentlich fast alle aufbegehren: Ich höre von Bau-Schwarzarbeit um 4 Eur/Stunde, 50-Stunden-Jobs mit geringfügiger Anstellung als "Probezeit", Praktika mit gar keiner Entlohnung. Privaten Gelddruckereien mit öffentlicher Haftung wie der Hypo Kärnten. Parken von Kranken im Arbeitslosenbezug als Standardprozedur. Künftige Bauskandale wie der Hauptbahnhof Wien (weil die Party am Wiener Flughafen derzeit unterbrochen ist). Chronisch Kranke, die um ihre Therapien bei den Kassen kämpfen müssen. Die Aushöhlung des Verfassungsrechts. Die Beweislastumkehr. Alle Hunde chippen - Menschen derzeit nur im Reisepass. Das Faustrecht an Wiener Taxistandplätzen. Die Limits der Stromversorgung. Die unangemessene Sicherheit für Reisende. Das österreichische Bundesheer - noch existent, aber an Sinn und Gütern darbend. Die Luftgüte in Graz, in Lokalen und in Lungen von Kindern. Mehr Kinos als Besucher. Nur mehr je ein Spezialist für jedes Detail. (Wieder)einführung des digitalen und analogen Blockwarts. Alles irgendwie am Limit, oder zumindest aus dem Lot. Auf jeden Fall bewegt sich für österreichische Verhältnisse unglaublich viel - und das ist Risiko und Chance. China, das Vorbild. Die haben noch was: Zukunft! Aber diese Lemminge wissen noch gar nicht, was auf sie noch alles zukommt... Und jenseits des Atlantiks? Amerika is in search for a good war. As always. So weit sind wir in Europa glücklicherweise noch nicht, denn man kämpft aus Tradition ohnedies gegen sich selbst. Österreich hingegen ist das Land der Bequemen. Hier finden keine Revolutionen statt, nur Volksbelustigungen. Vorauseilend wird hierzulande nichts verändert, weil jede Änderung Staub aufwirbelt. Obwohl es nötig wäre und eigentlich schon weh tut. Vielleicht wäre eine zeitgemäße Form der direkten Demokratie anzudenken. Obwohl direkte Demokratie seit dem Schweizer Minarettentscheid auch heftig diskutiert wird. Unser Zusammenleben als Schwarmintelligenz - geht das? Am 26C3 Chaos Communication Congress Berlin wurde über die Entwicklungen bei internetbasierten voting- und direct democracy Systemen diskutiert. Die verschiedenen Konzepte scheinen sich in einem überparteilichen und unabhängigen Verein liquid democracy zusammengefunden zu haben. Wie man sieht - es sind immer noch die Menschen, die zusammenfinden müssen, um gemeinsam was auf die Beine zu stellen, Software und Konzepte hin oder her. Bemerkenswert war für mich in 2009 die "Freiheit im MQ! Bring your Beer to Museumsquartier" Kampagne unter Verwendung des privat betriebenen Werkzeugs facebook. Die österreichische Nichtraucherinitiative auf derselben Plattform ist logische Folge und wie ich finde richtige Richtung. Sie wollen 100.000 Unterstützer, das wären 13.33% der Wähler, denn Facebook hat derzeit 750.000 user in Österreich. Derzeit sind etwa 4%, also 30.000 Personen der Gruppe beigetreten. Sollte es gelingen, daraus tatsächlich ein Volksbegehren oder vielleicht gar eine Volksabstimmung zu entwickeln, dann Hut ab. Dann wären die sogenannten Web 2.0 Plattformen doch nicht ganz für die Fisch'. In diesem Sinne: Prosit 2010. fra links: http://events.ccc.de/congress/2009/Fahrplan/events/3464.de.html http://liqd.de/about/vereinziele/ http://www.facebook.com/event.php?eid=89218829570 (Freiheit im MQ) http://www.facebook.com/group.php?gid=207474724730 (Rauchverbot in Lokalen) Studien zur Nutzung von social media systemen in Österreich: http://www.marketagent.com/default.asp?CID=Shop.MultiClient&Country=40 (Mai 2009) http://www.ambuzzador.com/2009/07/13/studie-zur-social-media-nutzung-2/ http://www.blogaboutjob.de/3826/social-media-network-demograpie-zugriffszahlen/
