Google ist zwar noch nicht gegangen, aber ich nehme an, dass China bald die
Demissionierung annehmen wird. Im Land selbst hört und sieht man nichts von
diesem Fall. google hat nie existiert in der Öffentlichkeit, es wird niemandem
abgehen. Der Grund für den massiven Angriff ist gar nicht aussenpolitisch zu
suchen, sondern eine vorbeugende Massnahme für die sich massiv aufblähende
Wirtschaftsblase in China. Sollte die unglaubliche Immobilien- und Kreditblase
dort platzen, rumpelt's ordentlich. Und China ist derart groß, dass die Führung
ihren Machtanspruch nur aus der Unterstützung durch wenig vernetzte lokale
Machtansprüche stützen kann. Natürlich besteht die immense Gefahr, dass der
Mittelbau, die Lokalkaiser, zu mächtig werden und Begehrlichkeiten anmelden.
Daher wird dieser Bereich regelmäßig durch große Anti-Korruptions-Schauprozesse
zurückgestutzt.
Google de facto zum Rückzug zu zwingen, weil es sich vor dem Chaiser
(bleibender Tippfehler aus China und Kaiser als Synonym für die Partei) nicht
beugen mag ist ein deutliches innenpolitisches Signal: So lange du kleiner
Wicht dich im Land aufhältst, wissen wir alles über dich. Also untersteh dich,
auszuscheren. Bleib und pass dich an oder geh.
Das Internet wird's überleben. Wenn die wirklich Schweinereien mit IP4 gemacht
haben, dann werden sie an der Komplexität der Filtermaßnahmen früher oder
später scheitern müssen. Niemand kann seinen Internet-Traffic im Land halten
("Surf nur bei Chinesen"?), dazu ist die Auslands-Community zu groß. Vielleicht
hilft auch IP6. Wär ohnedies schon lang nötig.
fra
----- Ursprüngliche Mail -----
Von: "Clemens Buchegger" <[email protected]>
An: [email protected]
Gesendet: Donnerstag, 14. Januar 2010 00:06:40
Betreff: Re: [monochrom] grosse feuerwall ein bisserl hoeher
ich denke dass es eine mischung zwischen business entscheidung und naivem 'we
don't do evil' freedom of speech glauben ist. je nach interpretation kann man
sich dann aussuchen was wahrscheinlicher ist. ich finde es schade dass google
aufgibt. wer glaubt denn wirklich dass der rückzug von google jemanden
ernsthaft kratzt? alle bekannten applikationen werden kopiert und viel besser
an die lokalen bedürfnisse inklusive regierungskontrolle angepasst, google wird
dementsprechend niemandem fehlen. spannend ist für mich die frage was mit gmail
passiert, laut einer einschätzung von tim wu in einem vortrag beim berkman
center, würde viele leute in der chinesischen administration und upper
/business class diesen mailprovider nutzen und galt deswegen als unantastbar.
auf jeden fall ist der ausstieg von google ein weiterer schritt in richtung
einer "nationalisierung des internets" in viele kleine netze...schade!
On Wed, Jan 13, 2010 at 4:15 PM, hans christian voigt < [email protected] >
wrote:
bin etwas skeptisch aber neugierig ob der einschätzung:
"This will make the extent of Chinese censorship a lot clearer even to ordinary
Chinese people who are not aware of it," said Jeremy Goldkorn, who does the
blog and runs an Internet research firm. He also runs a Web site called
danwei.org , which has been blocked since July.
"Many people think Google should negotiate with the Chinese government," said
Zhou Shuguang, a blogger who has done investigative reporting across the
country and has used the name Zola.
But he said that "the withdrawal from China will wake up more Chinese and make
more people discover that China lacks freedom on the Internet and the
government has very strong censorship online. There are no benefits to people
at all if Google continues to make concessions with Chinese authorities."
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/01/13/AR2010011301168.html