Vollinhaltlich sei hier ein Eintrag von der Webpage von
"Wir sind Helden" wiedergegeben, weil besagte Site unter
dem großen Ansturm der Anfragen zusammengebrochen ist
und die Alternative facebook nicht wirklich eine ist.
Ich denke, das ist auch im Sinne von Judith Holofernes.

Das Original dazu lag/liegt hier:
http://www.wirsindhelden.de/

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P.S. Judiths Lieder sind fehlerfreier als ihre 
Korrespondenz. Korrekt müsste es heissen: "es hakt",
weil es kommt von "einhaken", nicht von "abhacken".


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Die Anfrage

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-​Kampagne betraut, in der wir 
hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und 
ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.

Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu 
produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat-​ und Anzeigenmotive sollen die 
bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, 
Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.

Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern “Wir sind Helden” 
gewinnen.

Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD 
spendet in Namen jedes Prominenten 10.​000,- Euro an einen von Ihnen zu 
bestimmenden Zweck.

Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur 
Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende 
Informationen.

Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören.
Herzliche Grüße aus Hamburg,
Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH


Unsere Antwort

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -​Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit sogenannten Testimonials, 
also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von 
sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir 
seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher 
eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten 
gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die 
Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon 
schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie 
unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe 
Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine 
wackelige, glitschige, aber hey, was soll's, auf der anderen Seite liegt, sagen 
wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr 
kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem 
Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, 
verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt's: ihr könnt sagen, WAS IHR 
WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine 
pseudo -​distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder 
Clever-​ Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie 
aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem 
unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der 
saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -​Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest 
in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. 
Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die 
Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn 
ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und 
ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. 
Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das 
heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut 
und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine 
witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die 
Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber 
weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein 
stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das 
Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

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