Ab morgen werden viele US-Amerikaner sehr verärgert sein, speziell wenn sie
Internet-Dienste von AT&T, Time Warner Cable, Cablevision Systems, Comcast oder
Verizon beziehen - und wenn sie P2P Dienste verwenden wollen. Also eh fast
alle. Es geht - natürlich - um illegale P2P-Downloads, denen mit gesetzlichen
Methoden nicht beizukommen ist. Daher wurde nach Alternativen gesucht und diese
mit einiger Verspätung jetzt umgesetzt - eigentlich hätten die Maßnahmen schon
2012 starten sollen.
Implementiert wurde das System "Six Strikes". Das funktioniert so:
Die Provider suchen aktiv nach P2P-Datentransfers. Wird ein solcher erkannt,
erhält man eine Warnung, dass der Internetanschluß "augenscheinlich zum
Diebstahl von Online-content" verwendet würde und daher Konsequenzen drohen.
Eine zweite derartige Meldung folgt.
Beim dritten und vierten Mal erscheinen in den Internet-Browser injizierte
Pop-Ups des Providers. Man muss abnicken, dass man eine Meldung betreffend der
Konsequenzen bei Diebstahl von Online-content erhalten habe. Man nimmt damit
aber auch zur Kenntnis, dass der eigene Anschluss für kriminelle Handlungen
genutzt würde.
Beim fünften und sechsten Mal wird zu "gezielten Gegensteuerungsmaßnahmen"
gegriffen. Dazu gehört alles, was den user nervt: Limitierung der Bandbreite
oder die ständige Umleitung auf eine landing page, die einen auffordert, die
Situation mit dem Provider abzuklären. Gedacht ist das als "Warnschuß vor den
Bug", bedeutend: "wir wissen, wer du bist". Es passiert das übliche: Wenn sich
eine Firma beschwert, dass ihr Internet nicht mehr funktioniert, wird schnell
eine Ausnahme gesetzt - und alle, die sich nicht melden, landen auf einer Liste
für die MPAA.
Vermutlich haben die nimmermüden P2P-Bekämpfer ein wenig Angst vor der eigenen
Courage. Und so ist das System der "six strikes" ein großer Lauskamm geworden,
mit dem man nun durch das Gewirr der Internet-Leitungen zieht und einmal
schaut, was da so hängen bleibt. Wenn sich zu viele Leute beschweren, weil
legale Dienste plötzlich nicht mehr funktionieren, kann man zurückrudern. Wenns
funktioniert, dann legt man ein Schäuflein nach. Aber die Kiddies ein wenig
nerven, das wird nach Meinung der RIAA doch wohl noch zulässig sein!
Ein Schuß, der schnell nach hinten losgehen kann. Denn jedes Kind kann mit
Bordmitteln heute solche Maßnahmen aushebeln. Ab morgen wissen wir mehr - wenn
sich denn die Gerüchte bewahrheiten.
fra
links:
http://tinyurl.com/awuadm6 (torrentfreak: six strikes)
http://tinyurl.com/ar5tyqp (Gizmodo about six strikes)
http://tinyurl.com/b2uv8pg (Int.Business Times: six strikes explained)
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