...in eigener Sache. Die schlechte Nachricht zuerst: Das Internet ist in Gefahr. Die gute Nachricht: nein, es gibt keine Petition, die man unterschreiben könnte.
Ich würde nur um Eines bitten: nimm dir bitte die Zeit, suche dir die mailadresse von deiner/m Lieblings-EU-Abgeordneten heraus und schreibe ein mail. Denn am 27. Februar 2014 (rechtzeitig vor den EU-Wahlen) ist die entscheidende Abstimmung im ITRE-Ausschuß des EU-Parlaments, dort soll der derzeitige Vorschlag durchgewunken werden. Und der sieht vor, dass Provider künftig für Premium-Services auch Premium-Gebühren verlangen dürfen. Das bedeutet: anstatt wie derzeit für die generelle Anschlußgeschwindigkeit zu bezahlen, würde es künftig zulässig sein für einen Zugang zu google oder youtube extra bezahlen müssen. Von den Dienstunterscheidungen mail, web, ftp, bittorrent, telnet... für die man ebenfalls extra verlangen kann red ich ja gar nicht. Die Idee dabei ist aber auch, von den Anbietern Geld zu erpressen: nur wer zahlt, ist auch für die Konsumenten erreichbar und kommt ins Basispaket. Alle anderen Dinge sind "special interest" und nur gegen Aufpreis abrufbar. Die Folgen kann man sich ausmalen: ein Wildwuchs an Tarifen wie der Wegezoll im Mittelalter, anschließend eine Konsolidierungsphase und es bleiben 3 Contentanbieter übrig - wir haben das bei jedem Medium bisher genau so gespielt. Aus dem großen Marktplatz Internet soll eine regulierte Einbahnstraße werden - mit klaren Rollen: hie Anbieter mit definierten Pflichten, da Konsument mit definierten Rechten. Und jeder Menge Geld im Spiel. So das Ziel der Agenda. Daher: Frag nach, wie denn im Parlament die Meinung dazu sei und wie sie abzustimmen gedenken. Unsere Vertreter sollen ruhig wissen, dass das Thema jemanden interessiert. Am Mo, 9.Dezember von 19-21 saßen in einem Saal in Straßburg 29 Leute und haben sich die Stellungnahmen der Firmen angehört. Der Entwurf der Agenda entstand da, ohne großes öffentliches Aufsehen. Natürlich würde es auch zukünftig den Wunsch nach einem freien und neutralen Internet geben, in dem alle Teilnehmer gleichberechtigt anbieten und abrufen können. Aber es wäre verdammt viel Arbeit, so ein Internet wieder neu aufzubauen - etwa auf Funkbasis. Ich persönlich möchte mir das momentan ersparen, daher versuche ich, diese EU-Abstimmung zu beeinflussen. Und: wenn du das nicht möchtest freue ich mich schon auf die Zusammenarbeit im freien europäischen Funknetz, aber wie gesagt: wenn es nicht sein muss... Diese Abstimmung ändert nichts am Fernziel: Ich wünsche mir einen Katalog grundlegender Internet-Rechte, zu denen müsste der gleiche und unbeschränkte Zugang zu allen Diensteanbietern gehören. Nennt es von mir aus "Freier Markt" - ich nenne es Meinungsfreiheit. Aber so ein Grundgesetz-Paragraph müsste erst einmal formuliert werden. Danke für die Aufmerksamkeit. fra P.S.: wen die Alternative näher interessiert: es gibt in Wien, Graz, der Weststeiermark, in Teilen des Weinviertels und in Bad Ischl bereits experimentelle freie Funknetze. Über den Link zu funkfeuer gibt es nähere Informationen dazu. link: http://savetheinternet.eu/ (Initiative) http://tinyurl.com/pvs439g (q: Standard vom 14.1.2014) http://funkfeuer.at/ (Statt ich will ins Netz - wir sind das Netz!) http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/cf/dae/document.cfm?doc_id=2734 (EU Binnenmarkt für TK, Entwurf) http://tinyurl.com/p9peck3 (Europarl, Sitzung des ITRS vom 9. Dezember 2013) _______________________________________________ bagasch mailing list [email protected] http://monochrom.at/mailman/listinfo/bagasch
