Hallo,

--On Dienstag, 23. Januar 2007 16:41 +0100 Jörg Schmidt <[EMAIL PROTECTED]> wrote:

Mathias Bauer schrieb:
Was ist daran so schlecht, wenn Umsteiger es leichter haben?
Und gerade
der Pinsel ist ein Beispiel, dass man es den Umsteigern
leichter machen
kann, ohne irgendwas zu verschlimmern. Für den kundigen
Anwender tut er
nämlich das Gleiche wie die Gießkanne. Und die wirst du doch nicht
verteufeln wollen?

Ich halte den Pinsel für eine prima Idee für Anwender, die halt nicht
mit Styles arbeiten wollen. Und diese haben genauso ein
Recht, dass man
ihre Arbeitsweise respektiert und ihnen ein möglichst komfortables
Arbeiten ermöglicht.

(Ich schicke voraus das ich Jasnas pessimistische Grundstimmung so nicht
teile und ihr in den letzten Monaten bereits auf ähnliche Mails wie die
hier Vorliegende i.d.S geantwortet hatte)

Du schreibst sinngemäß das wir uns nicht scheuen sollten auch Dinge von
MS zu übernehmen, wenn sie gut sind. Richtig. Aber wie ist hier die
Situation:

hat Word Vorlagen - ja.
arbeitet der Normaluser damit - eher nein
warum?

IMHO weil die Vorlagen in Word zwar nicht substanziell schlechter sind
als in Writer, aber das Hart-Formatierungs-Konzept im Mittelpunkt steht.

Hat das Vorteile?
Naja, es ist anfangs leichter zu verstehen.

Hat das Nachteile?
Ja, denn der Nutzer wird nie versuchen zu erkunden wie Vorlagen
funktionieren und wird letztlich mit dem Programm nicht wie mit einer
Text*verarbeitung* arbeiten können, wird ineffektiv arbeiten.

Meine Meinung dazu:

Ein unbedarfter Benutzer wird kaum von sich aus dazu kommen, Vorlagen zu erkunden und die damit verbundenen Vorteile zu sehen. Das Konzept ist erklaerungsbeduerftig und _deshalb_ arbeitet der Normaluser eher selten damit. Das hat wenig mit dem verwendeten Textverarbeitungsprogramm zu tun und wie die Vorlagen ins UI integriert sind.

Wenn der Benutzer nicht durch Schulung (bzw. Hinweise von anderen Benutzern etc.) das Vorlagenkonzept erklaert bekommen hat, wird er kaum von sich aus Vorlagen benutzen, sondern die harte Formatierung, weil das einfach intuitiver, schneller zu erfassen ist.

Und dann wird er immer entweder immer wieder neu formatieren oder sich die Arbeit mit dem Pinsel etwas leichter machen. Insofern ist der Pinsel eine Vereinfachung für den nicht mit Vorlagen vertrauten Benutzer. Die Alternative ist also nicht Pinsel oder Vorlagen, sondern Pinsel oder die anderen Formatierungssymbole. Fuer diesen Benutzer ist der Pinsel eine Verbesserung.

Der fortgeschrittene Anwender, der das Vorlagenkonzept anwendet, ignoriert den Pinsel genauso wie die Symbole fuer Schriftgroesse, Fett und Unterstreichung etc..


Haben wir nun trotzdem Verantwortung oder sollten wir diese empfinden?
Nun - ich glaube ja. Wenn man weiß das der User selbst nur schwer zu
Vorlagen findet, aber auch weiß das harte Formatierungen Probleme
machen, sollte man dann nicht konzeptionell das Mögliche tun um den User
an Vorlagen heranzuführen?

Aber wie soll der Benutzer geschult werden? Mehr als das in der Hilfe entsprechende Hinweise sind, kann ich mir an Schulung durch die Anwendung selber nicht vorstellen.


Kann es uns egal sein immer die Hilfeschreie zu hören 'ich muß morgen
meine DA abgeben und wollte noch schnell umformatieren muß das jetzt
aber per Hand machen'? Der User hat hier nur wenig Schuld, denn er hat
ja darauf vertraut das wenn der Pinsel so zentral angeboten wird das
keine 'Nebenwirkungen' auftreten, Nebenwirkungen die er zunächst
garnicht abschätzen kann - und deshalb sollten wir uns darum bemühen.

Er hat vielleicht doch auch etwas Schuld, weil er sich nicht informiert hat, wie man eine Textverarbeitung sinnvoll fuer eine DA einsetzt.


Und ein
*fehlender* Pinsel kann unmöglich ein Qualitätsmerkmal sein.

'OOo ohne Pinsel' stand für das konsequente Vorlagen-Konzept, 'OOo mit
Pinsel' könnte es auch tun, tut es aber nicht. Und genau hier hat OOo
eine Chance verspielt den Nutzer sanft zum Besseren zu leiten, das ist
das Problem.

Was macht der Benutzer ohne Pinsel? Er greift zu Vorlagen? Ich denke: falsch. Er benutzt die Formatierungsbuttons in der Symbolleiste, weil die unmittelbar erreichbar und verstaendlich sind.



Es sind (für mich) zwei völlig verschiedene Dinge ob man entweder sagt:
*ja, wir wollen den Pinsel weil die User ihn von MS gewöhnt sind und
weil wir User gewinnen wollen, wir sind uns aber bewußt der ist nicht
'nebenwirkungsfrei' (und überlegen deshalb auch gleich wie wir es besser
als MS machen können um die Nebenwirkungen zu mildern)
oder ob man sagt:
*die User wollen den Pinsel und Pinsel oder Vorlagen macht doch keinen
Unterschied und ist allenfalls eine Geschmacksfrage
Ersteres ist OK, nur Zweiteres ist keine Alleinfrage des Pinsels sondern
damit werden Konzepte verwässert.
Außerdem: selbst wenn nun (entgegen meinem Empfinden) Vorlagenkonzept
und harte Formatierungen gleichwertig wären und das Motto hieße Beides
soll angeboten werden, weil Beides zumindest in sofern besser wäre als
wir dem Nutzer die Auswahl bieten, dann wäre auch die Frage gestattet
warum wir sie ihm bei bedingten Formaten in Calc verweigern und uns
einseitig auf Zellvorlagen festlegen.


Es behauptet sicher kaum jemand, dass es nur eine Geschmacksfrage ist. Aber wenn der Pinsel fehlt, findet der weniger geschulte Benutzer eben nicht zu den Vorlagen, sondern benutzt einfach die anderen Moeglichkeiten der harten Formatierung.



Wenn wir bezüglich des Pinsels geschickt wären und es besser machen
wollte als MS hätten wir (zumindest) 2 Möglichkeiten gehabt:
1.
dem Pinsel konzeptionell/optisch den ihm gehörigen Platz zuweisen (im
'Schatten' der Vorlagen)

Dann wird er nicht gefunden. Dann muesste man konsequenterweise die ganzen anderen Symbole fuer die harte Formatioerung auch aus der Standardsymbolleiste entfernen!!! Stimmts?


oder eine andere Strategie mit dem Ziel dem
Nutzer (ohne ihn mit Hilfedateien zu langweilen) die Botschaft zu
vermitteln: 'der Pinsel kann bequem sein, aber er ist nicht ohne
Nebenwirkungen, beschäftige Dich mit Vorlagen, dann wirst Du
anschließend auch mit dem Pinsel souverän umgehen können'
(ich wage zu vermuten Letzteres wird niemand mehr wollen wenn er
Vorlagen verinnerlicht hat)

Zustimmung. Nur, wie bekommen wir diese Botschaft an den Benutzer vermittelt...?


2.
falls es so wäre das wir zu der Einschätzung kämen die
Bequemlichkeit/Intuitivität des Pinsels sei es wert einige Nachteile zu
tragen, so könnte diesen Nachteilen auch mittels programmtechnischer
Konzepte begegnet werden, ganz einfach dadurch das OOo automatisch harte
Formatierungen in Vorlagen umsetzt und dabei auch die zweckmäßige
Hirarchie dieser Vorlagen im Auge hat.
Ja, das ist aufwendig, aber es ginge, und hier könnten wir zeigen das
wir besser als MS sind, nämlich nicht nur Konzepte übernehmen sondern
sie weiterentwickeln.

Das ist eine coole Idee!


Gruss,
Manfred

---------------------------------------------------------------------
To unsubscribe, e-mail: [EMAIL PROTECTED]
For additional commands, e-mail: [EMAIL PROTECTED]

Antwort per Email an