Am Mittwoch, 29. Juni 2005 12:40 schrieb Florian Effenberger:
> Hallo Herbert,
>
> das Problem an der ganzen Sache ist mE, dass mittlerweile für
> jede Kleinigkeit ein Patentschutz erteilt wird, auch wenn sie
> bereits seit Jahren existiert und keinerlei geistige
> Schaffenshöhe erkennen lässt.
>
> Insbesondere im Bereich der Open Source-Entwickler wird es
> schwierig, denn Patentrecherchen sind teuer und dauern lang, und
> das Risiko, dass man doch ein Patent verletzt, ist enorm hoch. Es
> handelt sich hier um ein anderes Szenario, als das in einem
> größeren Unternehmen, das mit seinen Produkten Geld verdient.
> Große Unternehmen können mittels Crosslizenzen sich gegenseitig
> von Patentansprüchen freihalten - so geschieht dies auch
> tagtäglich -, aber die kleinen OSS-Entwickler bleiben außen vor
> und jeder Mitbewerber kann gegen jede noch so triviale Funktion
> vorgehen.
Ein Beispiel hierzu steht in diesem Heiseartikel 
http://www.heise.de/newsticker/meldung/61183 in dem darüber 
berichtet wird, dass Amazon in den USA ein Patent darauf erhalten 
hat, auf seinen Webseiten Produktempfehlungen auf Grund seines 
bisherigen Kaufverhaltens abzugeben.
Übertragen auf die "reale Welt" bedeutet das, dass die gute, alte 
Tante Emma längst ein Patent auf genau dieses erhalten hätte. Denn 
auch sie kennt Ihre Kunden genau und gibt entsprechende 
Empfehlungen ab:
"Ich habe hier eine ganz besondere, neue Schokolade für Sie Frau 
Hübendübel. Die schmeckt Ihnen bestimmt, Sie naschen doch so gern 
Schokolade mit Yoghurt-Füllung."
Auf die zugrundeliegenden Techniken und Algorithmen kann jeder 
Programmierer kommen. Es ist genauso simpel, wie der 
"One-Click-Buy"-Button von Amazon.

Hier sieht man sehr schön, zu welchen Blüten das führt.

Und es sage jetzt bitte keiner, dass das die USA wären und nicht 
Europa. Wir sind mit Volldampf dabei, eine schlechtbezahlte 
Filliale von den Laden zu werden.


>
> Theoretisch gibt es ja eine richterliche Überprüfung. Allerdings
> dürften die meisten Beklagten schon allein ob des hohen
> Prozesskostenrisikos, das mal eben ein paar Monatsgehälter
> auffrisst (für ein Hobbyprojekt!) lieber klein beigeben.
In den USA führt das (Einem Heise-Artikel zur Folge) dazu, dass 
Patente allgemein ignoriert werden und erst dann, wenn geklagt wird 
etwas unternommen wird.

Das kann auch nicht der Sinn der Sache sein. Selbst das kann nur 
dazu führen, dass Konzerne wie Microsoft (die ja selbst Patente 
befürworten), dann wenn geklagt wird mal eben ein paar 100 
Millionen Dollar zahlen, um den Streit beizulegen.
Kleinere Unternehmen und der Mittelstand gehen daran zu Grunde.

>
> Patente auf Software sind nichts anderes als moderne Bomben, die
> man zu gegebener Zeit in die Menge werfen kann, hat mal jemand
> gesagt. Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen.
FullACK

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