Hallo Friedhelm, Christian, alle

das habt Ihr jetzt davon!

Ihr habt so viel geschrieben, dass ich mich auch einmischen muss ;-)

Friedhelm Abels schrieb:

[... einiges an Inhalt und viel emotionales gelöscht ...]

Ich versuche mal das zusammen zu fassen, was ich aus dieser Diskussion mitgenommen habe.

Falls ich das eine oder andere Wichtige vergessen haben sollte, dann ergänzt es bitte. Aber das erspart uns vielleicht, dass wir an einander vorbei diskutieren oder Bekanntes wiederholen.

Im Prinzip diskutieren wir hier zwei Punkte, die sich recht leicht voneinander abtrennen lassen:


1) Die Bitstream Vera wird als freie Schriftart mit OpenOffice.org ausgeliefert und ist somit auf allen PCs mit OOo installiert. Leider ist sie in vielen, für nicht romanische Schriften notwendigen Unicode-Zeichenbereichen nicht definiert.

2) Es ist suboptimal, dass die Times New Roman als OpenOffice.org-Standardschriftart in der Fallback-Reihe *vor* der ersten freien Schrift steht, so dass sie auf allen Windows-Rechnern verwendet wird, falls der Anwender es nicht manuell ändert.


zu 1)
Es gibt Alternativen zu Bitstream Vera:

Wie Christian schon sagte, haben DejaVu, Gentium und Charis SIL einen wesentlich umfangreicheren Zeichensatz - und DejaVu beruht auf den Bitstream-Zeichen. Für diesen Austausch gibt es ja schon einen Issue:
http://de.openoffice.org/issues/show_bug.cgi?id=59853


Zu 2):
Optimal wäre es, einen freien Font zu verwenden, der auf allen Betriebssystemen vorhanden ist (oder einen, der exakt den gleichen Schriftschnitt wie Times New Roman besitzt, so dass es bei der Konvertierung zu keinen Formatierungsfehlern kommt - ein eher utopisches Unterfangen)

Leider gibt es (im Moment) diesen Font nicht, so dass es nur Workarounds mit unterschiedlichen Negativseiten gibt:


2A) Status Quo: Times New Roman ist auf vielen Nicht-Windows-Rechnern nicht oder nur in qualitativ minderwertigen Alternativen vorhanden

Vorteil:
-> Ein an MS-Office-Nutzer weitergegebenes Dokument (von OOo unter Windows) sieht dem OOo-Dokument weitgehend ähnlich.

Nachteil:
-> Ein Dokument, dass mit OOo unter Windows geschrieben wurde, kann unter Linux unschön aussehen, wenn die Linux-Distribution nur eine schlechte Ersatzschriftart bietet. Dann kann es sogar sein, dass Formatierungen nicht 1:1 übernommen werden.


2B) Freier Font auch bei Vorhandensein von Times New Roman als Standard: Dieser Font ist aber auf Windows-Rechnern ohne OOo in der Regel nicht vorhanden.

Vorteil:
-> Der Dokumentenaustausch zwischen Windows und Linux unter OOo ist problemlos, es treten keinerlei Umformatierungen auf (falls die Anpassung an die Durckereinstellung deaktiviert ist).

Nachteil:
-> Der Dokumentenaustausch mit MS Office-Anwendern wird schwieriger, es kommt vermehrt zu Beschwerden über die vermeintlich fehlerhafte Formatierung von OOo. Die Umstiegsbereitschaft zu OpenOffice.org sinkt.


2C) Der verwendete Standardfont wird mit der Datei gespeichert und beim Empfänger installiert

Vorteil:
-> Das Dokument wird immer mit dem passenden Font geöffnet, keine Formatierungsprobleme

Nachteil:
-> Wenn der Font nicht beim Schließen des Dokumentes wieder deinstalliert wird, werden immer mehr Fonts installiert, bis es zu Speicherplatz- oder Performanceproblemen kommen kann. -> Ein für MS Office zur Weiterbearbeitung vorgesehenes Dokument kann im .doc-Format keine Fonts einbinden. Hier müsste ein neues gepacktes Dateiformat entwickelt werden, das sich auf dem Rechner des Empfängers entpackt, den Font in den Font-Ordner kopiert und dann das Dokument öffnet. Das Prinzip erinnert mich sehr an Malware, außerdem müsste der Font dauerhaft gespeichert werden, denn die Datei wird danach ja im "echten" MS Office-Format gespeichert und muss beim erneuten Aufruf wieder auf den Font zugreifen können. -> Das OpenDocument-Format sieht keine Einbindung von Fonts vor, dafür müsste das Format entsprechend geändert werden. Da ODF-Dokumente (zumindest im Moment) fast ausschließlich mit OOo geöffnet werden, ist es einfacher, den entsprechenden Standardfont bei der Programminstallation gleich mit zu installieren.

2D)
Dokumente in OOo-Format im freien (mit OOo ausgelieferten) Standard-Font, für den Austausch mit MS Office bestimmte Dokumente Times New Roman als Standardfont: Dies würde eine Abfrage bei der Dokumentneuanlage bedeuten, um zu klären, welche Standardvorlage man verwenden will.

-> Vorteil: Datenaustausch innerhalb OOo klappt mit eigenem Font, mit MS Office wird auf MS Font zurückgegriffen: Ebenfalls keine Formatierungsprobleme

-> Nachteil: Man muss sich schon bei der Dokumentenerstellung darüber klar sein, wer dieses Dokument weiter bearbeiten soll - falls beide Anwendergruppen damit arbeiten, steht man vor dem gleichen Dilemma wie bisher.


2E) Meines Erachtens bester Workaround: Verwendung einer alternativen Formatvorlage für den Austausch mit OOo-Linux- oder MS-Office-Nutzern. Welche der beiden Vorlagen als Standardvorlage definiert wird, muss individuell geklärt werden.

Hier ist tatsächlich eine "politische" Entscheidung notwendig: Will man mehr MS Office-Anwender zur Verwendung von OOo gewinnen, sollte man die Standardvorlage so belassen wie jetzt, für den Dateienaustausch zwischen Windows und Linux unter OOo jedoch eine alternative Vorlage mit dem freien Font wählen. Zielt man eher auf die bisherigen OOo-Nutzer ab, wäre es andersherum sinnvoller.

Wenn man mich fragt, muss ich aber klar sagen, dass ich erfahrenen OOo-Anwendern eher zutraue, die Standardvorlage zu ändern als (potentiellen) Wechslern von MS Office. Deshalb kann ich mit dem Status Quo ganz gut leben.

Ich würde vielleicht eine zusätzliche Auswahl bei der Installation bevorzugen, die genau diese Frage stellt, welche Vorlage (Schriftart) zum Standard erklärt werden soll (mit Hinweis auf die jeweiligen Probleme). Dann weiß jeder Anwender schon, dass es Alternativen gibt, und wird nicht gleich auf OOo schimpfen, wenn er ein entsprechendes Dokument öffnet.

Vielleicht wird es ja wirklich irgendwann einmal eine freie Schrift geben, die auf (fast) allen Windows-Computern zu finden ist - dann kann man auch den "großen Schnitt" machen und diese Schriftart zur Standardschriftart machen.

So das war's - zumindest fast.

Eins noch zu Deinem Wunsch, von Microsoft unabhängige Standards zu etablieren, Friedhelm: Das geht nur, wenn wir entweder Marktführer sind, einen einfache Alternative zum Austausch mit dem bisherigen Standard anbieten (siehe ODF -> DOC) oder uns von der "Masse" der anderen Anwender abkapseln wollen. Alle drei Möglichkeiten scheinen im Bezug auf den Standardfont im Moment nicht realisierbar zu sein.

Wenn es aber einem Nischenprodukt gelingt, Marktführer auch auf Windows-Systemen zu werden und auf fast allen Windows PCs installiert wird, und dieses dann bei seiner Installation einen freien Font mitliefert, dann wird OpenOffice.org sicherlich ohne lange zu zögern vom MS Font zu diesem Font wechseln.

Natürlich ist es wieder lang geworden - aber habt Ihr im Ernst etwas anderes erwartet?

Was ich vergessen habe, schreibt einfach dazu - vielleicht kommen wir dann relativ bald zu einem gemeinsamen Ergebnis.

Herzlichen Gruß

Bernhard





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