Vorsicht länger.

Florian Effenberger wrote:
> naja, wie willst dus sonst machen? Nimm zB mal meine Frage zur
> Systems-PM als Beispiel. Da will ich auch nur wissen, ob es Widerspruch
> oder Vorschläge gibt. Da werd ich sicher keine Deadline setzen oder ne
> Schluss-Auszählung machen...

Wunderbares Beispiel! Natürlich muss man etwas "was wäre wenn" spielen,
aber es geht ja jetzt darum, Alternativen zu diskutieren.

Hintergrund: Es gibt in deiner Arbeit eine Entscheidung zu treffen, bei
dem du vermutest, dass sie in der Community umstritten sein könnte. In
diesem Fall liegt das Problem in den kommerziellen Teilaspekten einer
gemeinsamen PM.

Dein Vorgehen: Du hast nach kurzer Vorstellung des Sachverhalts und
deiner Präferenz nach weiteren (insbesondere entgegenstehenden)
Meinungen gefragt und zwei knappe Zustimmungen erhalten, eine davon mit
"+1", eine mit ausführlicher Begründung.

Ich will jetzt mal zwei Aspekte unterscheiden, den der Meinungsbildung
und den der Entscheidungsfindung.

Meinungsbildung: Es könnte ja sein, dass du wirklich nicht weißt, nach
welchen Kriterien du entscheiden sollst. Da die Community (vielleicht)
weiser ist, kann eine Nachfrage eben dazu beitragen, dir die
Entscheidung zu erleichtern. In jedem Fall ist die Meinungsbildung eine
Diskussion und keine Abstimmung. Es zählt nicht die Anzahl der Stimmen
je Argument, sondern lediglich die Qualität der Argumente selbst.

Entscheidungsfindung: Wenn sich jeder Diskutant seine Meinung gebildet
hat (und noch mehr als eine übrig geblieben ist), muss man eine
Entscheidung finden. Aber soll dies über eine Abstimmung geschehen?

Unerwünschte Abstimmung: Hier besteht natürlich erstens die Möglichkeit,
dass du überhaupt nicht an einer Abstimmung interessiert bist. Diese
würde dich ja überhaupt nur davon abhalten, Dinge zu tun, die du für
richtig und wichtig hältst. Du bist ja eh tiefer in der Materie als
jeder andere und in deinem besonderen Fall sowieso schon durch eine
Abstimmung als Pressekontakt legitimiert. Das ist sicherlich ein sehr
berechtigtes Anliegen.

Allerdings verselbstständigen sich Fragen manchmal, wenn man sie nicht
ganz genau formuliert. So wie einer mit +1 geantwortet hat, hätten ja
auch andere mit -1 antworten können. Plötzlich steht der
antikommerzielle Flügel des Projektes auf und du hast lauter
"demokratische" Gegenstimmen, vielleicht sogar ohne die meinungsbildende
Diskussion, die du dir im Grund gewünscht hast. In dieser Hinsicht ist
es nur klug, kein Abstimmungsende und keine Auszählung anzukündigen,
wenn man nicht an einer "basisdemokratischen" Entscheidung interessiert ist.

Erwünschte Abstimmung: Wenn ein Abstimmung notwendig und erwünscht ist,
gibt es viele Details zu berücksichtigen, um ein demokratisches Ergebnis
zu erzielen. Etwa wie man die Frage formuliert und die
Abstimmungsalternativen beschreibt, wenn mehrere Entscheidungen
miteinander verknüpft sind. Diese Dinge können viel wichtiger werden als
irgendwelche Regeln zur Wahldurchführung. Beispiel: So hättest du in
einer möglichen Abstimmung als Alternative zur gemeinsamen PM
vorschlagen können, eine OOo-spezifische zu schreiben. Oder: entweder
die gemeinsame oder gar keine PM. Oder: die gemeinsame zusätzlich zur
normalen PM. Die Abstimmung wäre jedes Mal sicherlich anders ausgegangen.

Es kann auch plötzlich kompliziert werden, ohne dass es vorher absehbar
wäre. Beispiel: Wenn bei der Frage nach der Presseerklärung ein
Mitarbeiter der Firmen auch im de-Projekt mitarbeitet, muss man dann
eine geheime Abstimmung anbieten, damit er unbefangen anstimmen kann?
Schließlich könnte er ja Probleme bei seiner Firma bekommen, wenn er
gegen die Interessen seiner Firma stimmt.

Und schließlich, was wir immer bedenken müssen. Wir können stundenlang
diskutieren und ganz tolle Entscheidungen fällen, wenn sich niemand
freiwillig meldet, um es auch umzusetzen, hilfts alles nicht.

Fazit: Man kann es in vielerlei Hinsicht anders machen, als es im Moment
passiert. Letztlich haben wir im Moment keine Regeln und jeder stellt
seine Nachfragen eben so, dass es ihm am besten passt. Das ist auf der
einen Seite gut so, um die Motivation des Einzelnen nicht zu sehr zu
fesseln. Auf der anderen Seite haben wir demokratische Ansprüche im
Projekt (die aber nicht ganz echt sind, es sind eben nur Ansprüche) und
feste Regeln würden uns gerade in den Zweifelsfällen, wo es zum Streit
zu kommen droht, helfen. Aber viel Arbeit machen. Daher meine
ursprüngliche Idee, Wahlleiter zu finden, die den Umständen entsprechend
handeln.

Mein Vorschlag wäre, auf alle kleinen Abstimmungen zu verzichten,
die nicht echte Personal oder Strategieentscheidungen sind. Wer nicht
wirklich vorhat, die Stimmen an einem angekündigten Termin auch
auszuzählen, veröffentlichen und entsprechend zu handeln, sollte keine
Abstimmung anfangen. Und wer auf die Bitte eines Mitarbeiters um weitere
Meinungen nicht mehr anzubieten hat als kleine Integerzahlen, sollte
sich die Elektronen sparen. Zustimmung zu guter Arbeit kann man
voraussetzen.



Gruß,
-- 
                          Michael Thomas Kirchner

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