OpenOffice.org war auf den Grazer Linuxtagen 08 am 19.04.2008 mit einem Infostand und zwei Vorträgen vertreten. Hier mein kleiner Bericht von der "Dienstreise":

[Eine Fassung mit Links und Fotos befindet sich hier: http://stefan-weigel.de/?ID=108]

Zur Anreise am Vortag habe ich die mittlerweile schon bei mehreren Events bewährte OOo-Infostand-Box geladen. Sie verstaut nicht nur kompakt die Geräte und Materialien und ist auf Rollen bequem transportierbar, sondern bietet auch einen gewissen Widerstand gegen unerwünschten Besitzwechsel des teilweise wertvollen Inhalts.

Bei Graz steuerte ich zuerst den etwa 10 km außerhalb gelegenen Bauernhof an, wo ich mir preiswert ein Zimmer mieten konnte. Das Angebot fand ich im Vorfeld per Google-Suche (billig schlafen Graz). Bei meiner Ankunft wurden die Kühe gerade das erste Mal nach dem Winter wieder auf die Weide gelassen und sind bei dieser Gelegenheit gleich ausgebrochen. Von meinem spontanen, körperlichen Einsatz beim Wiedereinfangen gibt es leider keine Bilder.

Dann fuhr ich nach Graz zur FH Joanneum, dem Veranstaltungsort. Die FH präsentierte sich in bester Lage in einem modernen, stilvollen Gebäude, für das Event bestens geeignet. Ich traf die Organisatoren der Linuxtage und mein Kontaktmann Michael Prokop wies mir den zweifellos prominentesten Platz im Ausstellerbereich für den OOo-Stand zu. Strom und Internet waren vorhanden. Nach ersten Vorbereitungen zum Standaufbau und einem Technik-Check mit Notebook und Beamer im Vortragssaal nutzte ich den Abend für eine kleine Erkundung der Altstadt von Graz.

Ich bestieg den sich in der Stadtmitte erhebenden Schloßberg, von dem man einen Rundumblick über die Stadt und die Umgebung hat. Auf einem kleinen Spaziergang durch die Fußgängerzone spürte ich das sympathisch-urbane Straßenleben in der steirischen Hauptstadt.

Nach einem kräftigen Bauernfrühstück am nächsten Morgen fuhr ich wieder zur FH, wo der Eingangsbereich bald durch ein eifriges Aufbauen der Community-Stände geprägt war. Gegen 9 Uhr füllte sich das Haus mit Besuchern, die Veranstaltung war eröffnet.

Die Grazer Linuxtage sind etablierter Bestandteil der traditionellen österreichischen Linuxwochen, eine alljährliche Veranstaltungsreihe quer durch die Bundesländer. Die heuer besonders avisierten Zielgruppen waren Desktop-Benutzer, Administratoren und Softwareentwickler, was sich auch in den drei parallelen Tracks mit insgesamt 28 Vorträgen widerspiegelte. Die im Vorfeld erschienene Pressemitteilung erklärte OpenOffice.org ausdrücklich zu einem Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung, insbesondere für Umsteiger.

So kamen auch zahlreiche Besucher an den Stand, die sich über den Wechsel von einem proprietären Office-Paket auf OpenOffice.org informieren wollten. Einige hatten ihre Fragen und Probleme dabei, die zum großen Teil vor Ort gelöst werden konnten oder zumindest mit Hinweisen auf weitere Infoquellen und Lösungsansätze gut befriedigt wurden. Wenige brachten auch ihre Enttäuschung über gescheiterte Anfreundungsversuche zum Ausdruck. Viele andere wiederum kamen einfach nur, um schlicht Ihrer Freude Ausdruck zu geben und Danke zu sagen. Das ist natürlich für einen selbst, der viel für das Projekt aufwendet, eine riesige Motivation!

Überproportional viele Lehrer und andere Menschen aus dem Bildungsbereich waren anwesend. Dabei kam wieder einmal das Fehlen wirklich guter Schulungsunterlagen zur Sprache. Auch die ECDL sei gerade an Schulen in Österreich ein wichtiger Aspekt, wie man mir berichtete. Doch es fehlt wohl an der Infrastruktur, um die ECDL auf OpenOffice.org erwerben zu können. In diesem Zusammenhang hochinteressant war der Infostand des Projekts desktop4education, welches von Sun Microsystems Österreich und dem Bildungsministerium unterstützt wird. Das Projekt gibt eine Server- und eine Desktop-Distribution für Schulen als komplett freie Client-Server-Lösung heraus. Die DVD ist gebundelt mit einem videobasierten Training für OpenOffice.org.

Besonderes Interesse weckten auch die für die OpenOffice.org 3.0 beta angekündigten neuen Features, die man an unserem Stand auf plakatierten Screenshots und natürlich auch anhand eines Developer-Snaphots auf dem PC in Augenschein nehmen konnte.

Für die Verpflegung der Mitwirkenden hatten die Organisatoren gut gesorgt. So gab es zum Mittagessen ein vollständiges Dreigänge-Menü. Inzwischen waren auch ein paar Jünger der Linux User Group Passau und vom Bildungskreis für Freie Software eingetroffen, die für mich in den nächsten Stunden den OpenOffice.org-Stand "bewachten", während ich meine Vorträge hielt.

Zuerst hielt ich einen Kurzvortrag zu OpenOffice.org Portable, das gerade noch rechtzeitig zwei Tage vor dem Event in der Version 2.4.0 released wurde. Der Saal war gut gefüllt und das Publikum verfolgte interessiert, wie auf einem Linux-PC ein USB-Stick für Windows installiert wurde. Abschließend gab es überraschend viel interessiertes Feedback rund um das Büro für die Westentasche.

Am Nachmittag war ich dann nochmal an der Reihe, mit meinem Vortrag zum Datenpiloten (PDF). Der Saal war fast voll. Doch auf Befragen stellte sich heraus, dass kein einziger der Anwesenden vor dem Lesen des Vortragsprogramms jemals vom Datenpiloten gehört hatte. Das war genau der passende Einstieg für mich. Denn mein Vortrag hatte genau die Beobachtung zum Thema, dass der Datenpilot als überaus nützliches und produktives Tool, das entgegen landläufiger Auffassung kein Spezialwerkzeug für Fortgeschrittene ist, zu wenig kommuniziert wird. Ich darf in aller Bescheidenheit sagen, dass die am Ende von einigen Zuhörern sichtbar signalisierte Begeisterung weniger in meiner Vortragskunst, als wohl mehr durch die frappierende inhaltliche Erkenntnis begründet war.

Während eines langen, anstrengenden aber hochinteressanten Tages hatte ich zwischendurch Gelegenheit, Bekanntschaften mit Vertretern anderer Projekte zu schließen und mit bekannten Gesichtern von früheren Events in Wien, Dresden, Chemnitz und so weiter zu plaudern. Ich traf auch auf Organisatoren der Schwesterveranstaltung Linuxwochen in Wien, wo OOo auch heuer wieder vom 15. bis 17. Mai mit einem ähnlichen Auftritt wie in Graz vertreten sein wird.

So manch T-Shirt, PrOOo-Box oder USB-Stick fand seinen Abnehmer, wodurch auch ein paar Spenden für den Förderverein OpenOffice.org Deutschland e. V. entstanden sind.

Am abendlichen Social Event konnte ich leider nicht teilnehmen, weil ich schon am folgenden Sonntagmorgen das Anwenderfrühstück in Passau zu moderieren hatte. So machte ich mich nach einem gemütlichen Abendessen mit den anderen Jungs aus Passau recht bald auf die Heimreise.

Meine große Gratulation zu dieser gelungenen Veranstaltung, viel Lob und mein ausdrücklicher Dank gilt den Organisatoren der Grazer Linuxtage, die das Event professionell vorbereitet und mit sympathischer Gastfreundschaft durchgeführt haben.

Gruß

Stefan

---------------------------------------------------------------------
To unsubscribe, e-mail: [EMAIL PROTECTED]
For additional commands, e-mail: [EMAIL PROTECTED]

Antwort per Email an