Am Sonntag, 10. März 2013, 09:27:29 schrieb Michael Schnupp:
> Am 9. März 2013 11:00 schrieb Thomas Schäfer <[email protected]>:
> > Da ich heute einen public NAT64/DNS64-Service gefunden habe, können wir
> > auch
> > während des Workshops das ausprobieren, was bei den Kunden einiger US-
> > amerikanischer Mobilfunkkunden schon lange gang und gäbe ist - IPv6 only,
> > und
> > trotzdem alles(?) erreichbar.
> 
> Ich hatte früher(tm) eine ganze Weile mal ein IPv6-only-Netz für zu Hause
> im Einsatz.
> Man nehme einen guten alten Wlan-Router mit OpenWRT, installiere darauf
> einen Tunnel-Client für die IPv6-Anbindung, einen totd um ipv4-Adressen im
> DNS umzuschreiben und ein NAT-PT(?)-Packet (ich komme spontan nicht mehr
> auf den Namen) das die umgeschriebenen Adressen wieder nach IPv4
> weiterreicht.

Die Zeiten haben sich zum Glück etwas geändert. Es werden immer mehr native 
IPv6-Anschlüsse ausgerollt.

http://www.vyncke.org/ipv6status/compare.php?metric=p&countries=de

Im DSL/Kabel-Bereich mit unterschiedlichen Konzepten. Während die DTAG auf 
echtes Dualstack setzt, setzen einige Kabelbetreiber auf DS-lite - einem IPv4-
Tunnel, dessen Adressen meist auf Carrier-Seite schon geNATet werden. (CGNAT).
In Frankreich sind nach meinen Informationen viele Anbindung trotz IPv6-
Verfügbarkeit auf IPv4 angewiesen - RD-Tunnel hängen von funktionierenden IPv4 
ab. Das ließ sich schnell implementieren, hatte aber den Nachteil, dass man 
die eigentliche Arbeit noch vor sich hat.

Frankreich hat deswegen seit Jahren schon einen Verbreitungsgrad von ca 5%.

http://www.vyncke.org/ipv6status/compare.php?metric=p&countries=fr

Bei Mobilfunkanbietern zeichnet sich ab, dass IPv6-only ohne Dualstack die 
Lösung ist bzw. in Europa sein wird. Für die Übergangsphase ist NAT64 auf 
Providerseite  vorhanden, d.h. IPv6-Verbindungen gehen glatt durch, IPv4 wird 
übersetzt.

Als freie Lösungen habe ich zwei gefunden: 
TAYGA  http://www.litech.org/tayga/
"nat64" https://github.com/fln/nat64

Beide habe ich aber nicht selbst aufgesetzt.

Ich will mich am Samstag nicht an Bastler im engeren Sinne wenden, sondern 
eher über den zukünftigen (2014) Normalbetrieb  unter Linux berichten bzw. 
vorführen. 

Als kleine Bastlerlösung habe ich einen SQUID-Proxy im Betrieb, sozusagen die 
minimale Lösung für IPv6only.


Für meine Vorführung vom Netzwerkteilen/Tethering  hoffe auch auf Anwesenheit 
von Apple-Jüngern. 

Android hat nämlich noch einen hässlichen Bug:

http://code.google.com/p/android/issues/detail?id=32630

Notebooks von Vista bis 8 und Linux(PC/Notebook) sollten keine Problem haben, 
die geteilte (ipv4-freie) automatisch konfigurierte Verbindung nutzen zu 
können.


Zurück zu "Man nehme..."

Dazu braucht man kein Openwrt mehr, zumal im Normalbetrieb Dualstack auch 
schon von aktuellen handelsüblichen Routern beherrscht wird. 

NAT64 ist ein Fall für ISPs.


Ich werde mich wie angekündigt aber in erste Linie den Surfsticks(UMTS/LTE) 
widmen. Dazu braucht man nur einen aktuellen Modemmanager und das Wissen über 
einige geänderte Konzepte und Schnittstellen.
(und eine SIM - die IPv6-APNs anbietet/freigibt, welche im Moment noch 
Mangelware ist)

Da ich auch "Tethering" vorführen möchte, geht natürlich auch kein Weg an 
Autokonfiguration und DHCPv6 vorbei.

Alles mit Bordmitteln gängiger Distributionen.
(und somit auch in openwrt realisierbar, vielleicht ist es auch schon - ich 
habe openwrt lange nicht angeschaut)



> Problem waren lediglich Programmen, die hart auf IPv4 gecodet waren und
> Webseiten mit literalen IPv4-Adressen. (google :( )

Für google stimmt das nicht mehr. 

Die einzige populäre Anwendung, die derzeit nicht mit NAT64 klar kommt, ist 
skype.

Auf einem etwas älteren Ipad (ios4.X) eines Bekannten habe ich gestern eine 
Handvoll Apps und Webseiten ausprobiert. (auch TV und Radio-streams)

> Ich hatte noch versucht IPv4-Unterstützung komplett aus dem Kernel zu
> werfen, aber der IPv6-Code war damals einfach nur als Erweiterung von IPv4
> implementiert.

Wozu der Aufwand? Ohne vergebene IPv4-Adresse kann der Kernel keine IPv4-
Verbindung aufbauen. Und IPv4 ganz heraus schmeißen, kann noch unangenehme 
Folgen haben. Einige Dualstack-Anwendungen geben dann plötzlich merkwürdige 
Fehlermeldungen von sich, andere wollen Localhost doch irgendwie noch im Netz 
127/8 statt in 1::/128 wissen.



> 
> Ich kann mal noch schauen, was ich davon hier noch finde, aber ich vermute
> mal dass sich mittlerweile viel getan hat und man das heutzutage irgendwie
> anders machen würde.

Es hat sich viel getan. Kurz zusammengefasst: 
Wie sind beim Abbau der (provisorischen) Tunnel zugunsten von echten Internet.
Dafür kämpfen wir mit anderen temporären Zwischenlösungen. 
Die Flüche einiger Kabelkunden über IPv4-CGNAT sind in einigen Foren sehr laut 
-sind aber nicht die Schuld von Kabel Deutschland oder unitymedia, sondern das 
liegt an der allgemeinen Verschleppung der Umstellung. Ein paar Leute müssen 
jetzt auch in Deutschland den IPv4-Adressmangel ausbaden, solange die IPv6-
Verbreitung noch zu wünschen übrig lässt.
 
Auch NAT64 - obwohl es mich überzeugt hat (Es läuft mindestens genauso gut 
oder schlecht wie das bisherige CGNAT bei Mobilfunkprovidern - nur eben mit 
der Perspektive dass es zunehmend überflüssig wird.) ist nicht frei von 
Problemen.


> 
> Wikipedia sagt dazu: http://en.wikipedia.org/wiki/IPv6_transition_mechanisms

Über die Funktionsweise von NAT64 muss man zum Glück nicht viel wissen. Man 
muss nur seine Anwendung (Eintrag der DNS-Resolver) und seine Grenzen (IPv4-
Literale)  kennen.


Ich hoffe am Samstag auf einen großen Erfahrungsaustausch!



Mit freundlichen Grüßen
Thomas Schäfer


PS: So ist aus einer Email wieder ein Roman geworden....





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