Liebe Carolyne Lea (und Mitleser),

"heureka"!
Über den jüdischen Friedhof in Elbing habe ich
doch noch etwas gefunden:

Im Jahre 1811 mietete die Gemeinde von dem
Kaufmann Johann Convent 1 Morgen Land (2500 qm)
zur Anlage eines Friedhofs. Vorher mussten die
Elbinger Toten auf dem alten Friedhof von Powunden
(Kreis Mohrungen) beerdigt werden. Wie ich schon
schrieb, muss dieser Friedhof im Norden der Stadt
gelegen haben; denn dort befand er sich auch noch
bis Kriegsende. Dieser Friedhofsgrund entstand auf
Erbpachtgrund. Daraufhin entstand in Elbing auch
der Israelitische Beerdigungsverein "Chewra
Kadischa".
Es war leider nicht einfach, dieses Grundstück zu
lokalisieren. In den Elbinger Adressbüchern wird
zwar die Synagoge in der Sturmstrasse immer
erwähnt, leider aber nicht der Friedhof. Erst im
Adressbuch von 1926 heisst es im Text: "Der
Friedhof der Gemeinde befindet sich (in der)
Kastanienallee". Nun hatte 1926 diese
Kastanienalle 119 Häuser. Das Haus Nr. 45 gehörte
der Israelitischen Gemeinde. Ich gehe davon aus,
dass hier auch der Friedhof war.
Wo war die Kastanienallee? Im Jahre 1912 gab es
noch keine Strasse mit diesem Namen. Ich konnte
aber feststellen, dass diese Strasse früher "Lange
Niederstrasse" hiess.
Im Adressbuch von 1934 gab es aber weder die
"Lange Niederstrasse", noch die "Kastanienalle"!
Kartenvergleiche und Vergleiche mit den
Hausbesitzern zeigten, dass nun die Strasse
"Ziese-Strasse" hiess (Kommerzienrat Ziese war der
Besitzer der Schichau-Werke). Heute ist diese
Strasse in zwei Namen aufgeteilt:
Erster Teil der Strasse vom ehemaligen
Carlson-Platz bis Mattendorfstrasse = "ul.
Browarna",
zweiter Teil von der Mattendorfstrasse bis zur
Chausse nach Terranova = "ul. Mazurska".
In KEINER meiner Karten ist dieser Friedhof
eingezeichnet. Er hat sich aber bestimmt an der
Schnittstelle Mattendorfstrasse befunden!
(Elbinger Stadplan 1945 Planquadrat C6)
Die Truso-Vereinigung e.V. (TV) hat im Laufe der
Jahre dafür sorgen können, dass an Stelle der von
den Polen (aus ideologischen Gründen) eingeebneten
ehemalichen Friedhöfe Gedenksteine in zwei
Sprachen gesetzt wurden, wo man eventuell Blumen
niederlegen kann, was die TV auch jedes Jahr bei
den Fahrten nach Elbing (Elblag > spell Elblong)
macht.
Von einem jüdischen Gedenkstein ist mir momentan
nichts bekannt. Es ist aber auch nicht
unwahrscheinlich, dass so ein Stein (oder sogar
Originalsteine) noch existieren.

Nun zu Carolyne Lea:
Im Handellungs-Adressbuch von 1820 für Elbing
findet sich bereits unter "Kaufmannschaft" >Levin
Levinson - Manufactur-Handlung, Wasser Strasse
489.
1848:
Levinsohn, Phiipp, Handelsmann, Wasser Strasse 28
Lewinsohn, E., Posamentier-Waren-Fabrikant, Lange
Hinter Strasse 12
1852:
Levinsohn, Philipp, Handelsmann, Fischer Strasse
20
Levinsohn, Eduard, Kaufmann, Wasser-trasse 53
1867:
Lewinson, Moses, Handelsmann, Lange Hinter Strasse
5
Lewinsohn, Handelsmann, Wasser Strasse 69
1872:
Levinson, Eduard, Kaufmann, Innerer Mühlendamm 36
Levinson, Nachfolger, Getreidehandlung,
Heiligegeist Strasse 5
1876:
Levinson Getreidehandlung dito
Levinson, Eduard, Kaufmann, Am Lustgarten 10
1881:
Levinson Getreidehandlung wie vor
Levinson, Rosa, Witwe, Rentiere, Am Lustgarten 10
Levinsohn, Isaac, Bürstenfabrikant, Wasser Strasse
18
Levinsohn, Moses, Commissionär, Wasser Strasse 18
Levinsohn, Marianne, Witwe, Burg Strasse 22
Levinsohn, Louis, Schottland Strasse 1b
1887:
Levinson Getreidehandlung wie vor
Levinsohn, Isaac, Bürstenfabrikant, Jacob Strasse
3
Levinsohn, Marianne, Gastwirtin, Junker Strasse 53
Levinsohn, Samuel, Kürschner Strasse 13/14
Levinsohn, Rosa, Musiklehrerin /Fräulein), Jacob
Strasse 3
1890:
Lewinsohn, Bertha, Kindergärtnerin, Junker Strasse
12
Lewinsohn, Moses, Handelsmann, Am Elbing 7/10
Lewinsohn, Rosa, Musiklehrerin, Junker Strasse 12
1892:
Levinson, Fanny, Witwe, geb. Arnheim, Junker
Strasse 12
Levinson, Rosa, Musiklehrerin, Junker Strasse 12
Levinson, Bertha, Klavierlehrerin und
Kindergärtnerin, Junker Strasse 12
1994:
Lewinsohn, Moses, Handelsmann, Moses, Wasserstr.
92
Lewinsohn, Rosa, Musiklehrerin, Junker Strasse 12
Lewinsohn, Fanny, Witwe, Junker Strasse 12
1900:
Levinsohn, Bertha, Kindergärtnerin, Junker Strasse
12
Levinsohn, Rosa, Musiklehrerin, Junker Strasse 12

Es es gibt noch weitere Adressbücher von Elbing,
aber vielleicht waren die Levinsohn, die Lea
betreffen, zu dieser Zeit bereits nach Amerika
ausgewandert.

Wer diese Zeilen in deutsch nicht lesen kann,
wende sich bitte an meinen Freund Juergen DOST >
email [EMAIL PROTECTED] der alles sehr gut
übersetzen kann und möchte.

Liebe Leser, bitte haben Sie Verständnis dafür,
dass ich nun nicht nach jedem jüdischen Namen
in den Elbinger Adress-Büchern suchen kann.
Diese Auskunft für Rosalyn Lea soll bitte eine
Ausnahme sein..! :((

Ganz herzliche Grüsse in die Welt von einem
bekennenden Elbinger
Günter




 
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