> Gibt es eigentlich sowas wie Missbrauch von Freifunk? Es wäre wirklich verwunderlich, wenns das nicht gäbe. Ich gehe davon aus, dass folgende Missbrauchsszenarien bereits in der Praxis vorkommen:
- Urheber(verwertungs)rechtsverletzendes Filesharing über Freifunk als VPN-Ersatz. - Saturierung von einzelnen Freifunk-Knoten durch einzelne Down- oder Uploader (vieleicht auch per Video-Streaming), sodass andere Nutzer ein schlechteres "Surferlebnis" haben. - Äußern von Beleidigungen und "Hetze", "Trolling", Stalking und Grooming in Foren, Chats und Social-Networks über Freifunk als VPN-Ersatz. - Nutzerverfolgung, -Profilbildung, Traffic- und Inhaltsauswertung auf einzelnen Knoten. Das Netz hat, zumindest in Hamburg, inzwischen eine ausreichende Größe, dass es für Forscher und Geheimdienste langsam interessant wird. Später werden sich auch Strafverfolgung und die Werbebranche für die Daten interessieren. Bereits in den Startzeiten des hamburger Netzes wurden für die Karte Daten-Snapshots angefertigt, die Endnutzer-MAC-Adressen mit Knoten-MAC-Adressen korrelieren und für die Bewegungsprofilbildung geeignet sind. Dies kann vermutlich auch heute noch jeder Knotenbetreiber jederzeit tun. Zukünftig wäre auch mit folgendem zu rechnen: - Leaken von Regierungs-, Firmen-, aber auch privaten Geheimnissen über Freifunk. Es könnte sich dabei dann in Einzelfällen sogar um "Landesverrat" handeln. - Handel mit illegalen Gütern und Dienstleistungen wie illegalen Drogen, illegalen Waffen, Menschen, Auftragsmorden, illegaler Pornografie und verbotenen Schriften. Vermutlich wird Freifunk dabei häufig lediglich als Zusatzverschleierung beim Winsatz von TOR verwendet. - Ausforschung und Angriff von Rechnern und Rechnerverbünden über Freifunk als VPN-Ersatz oder mittels der Freifunk-Knoten und/oder -Server als Botnetz (momentan ist unser Netz aufgrund der Größe und Performanz unattraktiv für diese Einsatzzwecke). Manches davon wird von Manchem allerdings nicht wirklich als "Mißbrauch" wahrgenommen. ;) > Und wenn ja, wie würdet Ihr das definieren? Wie würdet Ihr es finden, > wenn, sagen wir mal, moralisch nicht ganz koschere Unternehmen wie > "Shell" oder "backfactory" Freifunk anbieten würden? Oder > Scientology-Zentren? Würdet Ihr sagen: jeder Knoten ist ein guter > Knoten? Die Kernidee von Freifunk ist das diskriminierungsfreie Mesh. Und zwar diskriminierungsfrei sowohl auf Seiten der Teilnehmer als Knotenaufsteller, als auch auf Seiten der Teilnehmer als blose Knotennutzer. Daraus folgt zwingend logisch, dass wenn beispielsweise die amerikanische Botschaft als offizielle Vertretung eines Folterstaates einen Freifunkknoten aufstellt und sich ans Picopeering hält, das Teilnehmen an Freifunk okay ist. Das gilt natürlich auch für Shell, die Scientology-Corporation oder sonst wen. Es würde sogar für "das Böse" (TM) persönlich gelten. > Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich mich positionieren soll. Wurde > zu dieser Frage schon mal ein Konsens gefunden? Irgendwo hatte ich mal eine klarer formulierte Position gefunden, die ich grade nicht wiederfinde. Aber die etwas "unschärfer" formulierte "Vision" sollte es auch tun: <http://freifunk.net/worum-geht-es/vision/> > Also, meine Erfahrung ist, dass sich diejenigen von Freifunk viel > leichter überzeugen lassen, die einen konkreten, geldwerten Vorteil > davon haben. Allerdings, wenn man überwiegend solche Leute anspricht > - irgendwie würde das Freifunk ja tatsächlich in eine Schmuddelecke > schieben; würde Freifunk in gewisser Hinsicht zum bloßen Service zur > Umgehung der Störerhaftung diskreditieren. Natürlich spricht etwas hauptsächlich die Leute an, die davon auch einen Vorteil haben. Und wenns nur der redundante Uplink über den Nachbarn ist, falls der eigene mal ausfällt... Aber den Service zur Umgehung der Störerhaftung? - den gibts ganz offiziell von der Telekom: <http://www.heise.de/netze/meldung/Telekom-Kunden-WLAN-im-Cafe-ohne-Haftungsrisiko-2579121.html> Es ist nicht schmuddelig, wenns sogar offiziell vom Marktführer in Sachen Telekomunikation für Geld angeboten wird. > Sollte man so schnell wie möglich wachsen, so dass Freifunk bald nicht > mehr aus der Gesellschaft wegzudenken ist? Oder sollte man "nicht > wachsen um jeden Preis", wie Andre es formuliert hat? Die Geschwindigkeit des Wachstums ist egal - es sollte blos stetig und nachhaltig sein. Natürlich sollte niemand fasten, nur um mehr Router kaufen und verteilen zu können. Also Wachstum um jeden Preis ist nicht empfehlenswert. Generell ist da der geldwerte vorteil für den Knotenaufsteller natürlich etwas, was die Nachhaltigkeit positiv beeinflusst: Wenn Freifunk Werbung ist, oder andere vorteile bringt, besteht ein gewisses Eigeninteresse, es weiter zu betreiben. Es sind Win-Win-Beziehungen anzustreben... -- Allan Wegan Jabber: [email protected] OTR-Fingerprint: A1AAA1B9C067F9884A424D339834346929164587 ICQ: 209459114 OTR-Fingerprint: 71DE5B5E67D6D758A93BF1CE7DA06625205AC6EC
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