Am 19. Januar 2016 um 21:16 schrieb Matthias Bock <[email protected]>: > …“ Mir ist es wichtig, dass die Community nach wie vor definiert, was > technisch gewollt ist und was gemacht werden soll. Nicht alles was man > machen kann, entspricht unserem Freifunk Gedanken. Am Ende wollen wir > weiterhin Freifunk bauen, nicht einfach nur Access Points.“ > > > > Finde ich nachvollziehbar und absolut richtig. Allerdings widerspricht nach > meinem bisherigen Verständnis das, was im Zusammenhang mit > Flüchtlingsunterkünften nun beschlossen ist, schon jetzt dem > Freifunk-Gedanken. Offensichtlich ist das bei der Frage der teilweisen > Kommerzialisierung. Ich behaupte, dass diese Entscheidung ohne die > moralische Zwickmühle, in der wir stecken, so nicht gefallen wäre. Wie > richtig man eine Entscheidung im Plenum findet, bei der die Hälfte der > Anwesenden zum ersten Mal und mit einer bestimmten Zielsetzung erscheint > (ich zum Beispiel), wurde anscheinend schon diskutiert. Technisch stellt > sich mir die Frage, was nach der Umsetzung in einer Unterkunft noch von > Freifunk übrig bleibt, außer „einfach nur Access Points“ und, ok, einem > Störerhaftungsvermeidungsdienst.
Wir zensieren nicht, wir loggen nicht, wir fordern keine Anmeldung, wir sind offen, wir bieten vom Netz unabhängige Dienste bzw. arbeiten daran, wir bauen ein Mesh (ja es gibt zum Glück auch Unterkünfte mit Nachbarhäusern wo man z.B. Richtfunk oderr mehrere DSL-Anschlüsse nutzen könnte indem man mehrere "Uplink"-Router hat), wir stellen unsere Arbeit (in Form von Code, etc) als Open Source zur Verfügung, wir treffen Entscheidungen gemeinsam, wir leben vom Mitmachen, <you name it> Bleibt schon mehr von Freifunk über, als man denkt ;) > > > > Es gibt zwei Gründe, warum ich darauf rumreite: Der mir zugegeben weniger > aber eben auch wichtige Punkt ist, dass ich es falsch finde, dass FF-HH sich > verbiegen und eventuell Schaden nehmen muss, aufgrund einer oktroyierten > moralischen Verpflichtung gegenüber Flüchtlingen. Nicht jeder stellt diese > bedingungslos über die Freifunk-Prinzipien. Wenn die Flüchtlingsaktion mit > sich bringt, dass ein bedeutender Teil des lange aktiven Kernteams für lau > und teils gegen eigene Überzeugung einen erheblichen Mehraufwand hat > und/oder das Freifunk-Netz aufgrund des sprunghaften Wachstums > performance-Probleme einkassiert und/oder technische Kompromisse gemacht > werden müssen, die das gesamte FF-HH-Netz beeinträchtigen, erscheint mir das > ungerecht und falsch. Nachdem ich das Wort "oktroyierten" mal nachgeschaut habe, finde ich es gar nicht so lustig, dass mir (und anderen?) eine aufgezwungene moralische Verpflichtung vorgeworfen wird. Das solltest du eventuell überdenken. Das Wort "Kernteam" ist leider auch etwas unpassend. Das sogenannte "Kernteam" besteht schlicht aus Leuten, die dauerhaft aktiv an den anfallenden Dingen arbeiten. Wie sicher bekannt, suchen wir immer helfende Hände und sind da nicht so verschlossen, wie es das Wort "Kernteam" erwarten lassen würde. Leider ist es sehr schwer, aktive zu finden. Bei beiden Dingen nehme ich einfach mal an, dass du dich schlicht etwas ungünstig ausgedrückt hast, ohne tieferen Hintergedanken. > > > > Der zweite Grund ist das Thema, warum ich nun mal zu Freifunk gekommen bin, > nämlich geflohenen Menschen Kommunikationsmöglichkeiten anzubieten, mir egal > wie, aber möglichst schnell und möglichst gut. Ich mache mir Sorgen, dass > dieses Ziel darunter leiden könnte, dass wir Freifunk technisch und > organisatorisch/moralisch erst mal verbiegen müssen. Wenn ihr mir sagen > könnt, „sei unbesorgt, in zwei Wochen kann die Firmware mehrere Kanäle, > Trafficlimit per IP, VPN-Offload, der zwei VDSL-Anschlüsse auslastet, > Autoupdate läuft immer noch, wir kriegen auf jeden Fall die zusätzliche Last > durch tausende neue Clients innerhalb von ein paar Wochen geregelt und es > wird dann nicht die Hälfte des Kernteams kein Bock mehr haben“ – ok. Genau hier offenbart sich mir ein großes Missverständnis bzgl. Freifunk. Genau dies können wir nur mit deiner Hilfe sagen. Freifunk lebt vom Mitmachen, kann nur funktionieren, wenn viele an einem Strang ziehen. Freifunk ist keine Entität, die, mal eben, ohne dich und andere, innerhalb von 2 Wochen X Dinge implementieren/umsetzen kann. Das sieht man ja schon ganz gut an der Versorgung von Flüchtlingsunterkünften. Die sieben (oder wie viele waren es?) versorgten Unterkünfte konnten nur versorgt werden, weil Leute mitgemacht haben, Dinge in die Hand genommen haben, sich engagiert haben. Genau wie du. > > > > Wenn nicht, könnten die Leute aus dem Kernteam, die das explizit wollen und > die neuen Leute, die primär Flüchtlingen helfen wollen, für die Unterkünfte > „einfach nur Access Points“ machen. Wenn nötig, buchen wir halt > VPN-Kapazitäten bei einem Dienstleister und stellen das der Stadt in > Rechnung… Ich werde (vermutlich) noch heute Abend eine Einladung zu einem Brainstorming bezüglich Firmware für Flüchtlingsunterkünfte am kommenden Montag herumschicken. Da soll dann mal in größerer Runde definiert werden,welche Features wir für sinnvoll halten, wie ein geeignetes Setup aussehen kann, wie wir nötige Veränderungen umsetzen. Ich hoffe, dass du, und viele andere, dann auch dabei sein werden. Eben aus dem Grund, dass Freifunk nur vom Mitmachen lebt. > > > > > > Erstma > > > > Matthias > Viele Grüße Leo > > > _______________________________________________ > Freifunk mailing list > [email protected] > https://www.hamburg.ccc.de/mailman/listinfo/freifunk _______________________________________________ Freifunk mailing list [email protected] https://www.hamburg.ccc.de/mailman/listinfo/freifunk
