Reinhard, danke für deine Antwort. Ich finde es übrigens gut, dass du paraphrasierst.
Mir scheint, dass ich mit "Funktionäre" eine unglückliche Wortwahl getroffen habe. Sorry allerseits. Und sorry, dass es schon wieder so lang geworden ist. Weiter unten kommt öfters mal ein Fragezeichen vor. Das sind alles rhetorische Fragen. Zum Nachdenken, keine Aufforderungen zur Rechtfertigung. Am 03.11.2016 um 18:54 schrieb Reinhard Müller: > Was du als "egalitär" bezeichnest - überspitzt formuliert: "Jeder Mensch > hätte die selben Möglichkeiten, wenn jemand diese nicht nützen kann, ist > er selber schuld und muss eben an sich arbeiten." Nein, das ist nicht > mein Weltbild. Hier muss ich einhaken, weil meine Aussage an einem wesentlich Punkt verfälscht wiedergegeben ist: Nirgends mache ich eine Aussage über Schuld! Meine Formulierung war "... ist es eben so". Beispiel: Falls du bloß 1,70m groß bist, wird es wohl nichts mit der Basketballkarriere. Daran bist du nicht selbst schuld. Aber niemand ist dir deswegen etwas schuldig, auch nicht die Gesellschaft oder ein als "Community" abgegrenzter Teil derselben. Deal with it. Spiel Schach oder Minigolf. Es wird deswegen keine Zwergenquote im Profibasketball eingeführt. > Was du als "autoritär" bezeichnest - wieder überspitzt: "Es gibt zwei > Sorten von Menschen, absolut starke und absolut schwache. > Die schwachen > müssen wir entmündigen und beschützen." Nein, das ist auch nicht mein > Weltbild. Das Wörtchen "absolut" entstellt den Sinn. Die Aufteilung in zwei Gruppen habe ich von Max geerbt und sie ist meinerseits (und vermutlich auch seinerseits) nicht als frei von Schattierungen gemeint. Die Schattierungen wurden für die Diskussion gerade nicht gebraucht. Lass mich für "Die Schwachen müssen wir entmündigen und beschützen" eine andere Formulierung vorschlagen: "Den Schwachen müssen wir auf organisatorischer/struktureller Ebene Waffen gegen die Starken in die Hand geben, damit die Welt wieder gerecht ist. (oder: damit sie sich <<auch>> <<wohlfühlen>>)" Passt das jetzt besser? > Ich sehe Menschen wesentlich vielschichtiger, mit sehr individuellen > Fähigkeiten und Bedürfnissen, Stärken und Schwächen. Geschenkt. Einteilung in zwei Gruppen vs. alle sind Individuen ist ein falscher Gegensatz. Natürlich sind Menschen sehr individuell. Aber eben auch nach Kriterien einteilbar. Wenn du die Möglichkeit der Gruppierung verneinst, kannst du nicht mehr denken. Ab und zu muss man die Bäume als Wald, als Allee oder als alle Fichten eines bestimmten Mischwaldes sehen. Ist ok. Ich habe inzwischen selbst kapiert, dass meine implizite Aufforderung "legt doch hier mal eure Menschenbilder im Detail dar", ziemlich unverschämt ist. Ich schätze deinen prompt unternommenen Versuch. > Und ich möchte Teil > einer FSFE sein, in der sich alle wohlfühlen können. Kennst du dieses fiese Ziehen, wenn Eis, Säure oder sowas an einen frei liegenden Zahnhals kommt? Das habe ich, wenn "wohlfühlen" in bestimmten Kontexten auftaucht. Auch schon bei Eriks Text, der hatte es auch noch mit einer deutschen Übersetzung von "Safe Space" verbunden. Inwiefern fördert "wohlfühlen" erfolgreiche politische Arbeit? Wirkt es nicht unter Umständen sogar entgegen? > Das ist schwierig, > und oft mache ich selbst Fehler, die dazu führen, dass sich andere nicht > wohl fühlen. Selbstkritik ist entwaffnend und macht sympathisch. Aber ist sie auch wahr? Kannst du dich an einen konkreten solchen Fehler erinnern? Und wenn: Du hast etwas getan, jemand anderer fühlt sich nicht wohl. "Fehler" bedeutet, du bist schuld. Ist das immer so? Denke in einer ruhigen Minute mal darüber nach was es bedeutet, dass du die Verantwortung für die Gefühle anderer auf dich nimmst. Wie fühlst du dich, wenn du meine Kritik hier liest? > Trotzdem: es sind viele Menschen auf uns (ja, die "FSFE > Funktionäre", denn wir sind es eben, an denen solche Dinge > hängenbleiben, wir machen das nicht aus Profilierungssucht) zugekommen > und haben ihr Bedürfnis nach einem Code of Conduct geäußert. Und ich bin > überzeugt, dass diese Menschen das nicht gemacht haben, um die Community > zu unterdrücken oder sich selbst zu entmündigen, sondern um die FSFE zu > einer Gemeinschaft zu machen, in der sie sich wohlfühlen. Für diese > Menschen setze ich mich nun auch offen für den Code of Conduct ein. Profilierungssucht: Schon klar. Liegt mir fern zu behaupten. Menschen mit Bedürfnis nach CoC: Alle unsere Motive - deren wir uns bewusst sind - sind ethisch makellos. Sonst hätten wir andere. Aber du weißt auch, was "gut gemeint" manchmal ist? Wie an anderer Stelle gesagt: Ich stehe nicht gegen den CoC. Der ist ein Symptom. Die geistige Strömung, welche die Forderung nach dem CoC hervor bringt und die dafür sorgt, dass viele ihn für selbstverständlich und nützlich halten, ist es, die mir Sorgen bereitet. Es fällt mir schwer, diese Strömung in Worten fest zu nageln, aber sie ist eines nicht: Freiheitlich. > Nicht für mich selbst oder für Erik oder für Matthias. Selbstverständlich. Nie vermutet oder behaupten wollen. Ich habe es nicht geschafft zu vermitteln, worauf es mir ankommt. Das deutet stark darauf hin, dass es mir selbst noch an Klarheit mangelt. Ich habe ein starkes Bauchgefühl, dass es eine schiefe Bahn gibt. Die fängt oben an mit der Idee, dass ein sozialer Zirkel eine eigene Ordnungsmacht braucht. Angetrieben von einigen Mitgliedern des Zirkels, welche glauben, dass es eine Lücke zwischen staatlichen und informellen Mechanismen zum Schutz vor schädlichem Verhalten gibt. Und sie endet unten in einer komplett zerstörten Diskurskultur. In der wird nicht darum gerungen, was wahr oder nützlich ist, sondern darum, was überhaupt von wem auf welche Weise geäußert werden darf und wer überhaupt Teil der "Community" sein darf. Bevor ich diese schiefe Bahn nicht als Ursache-Wirkungsbeziehung in Worte fassen kann, brauche ich nicht weiter zu diskutieren. Am Besten wäre es natürlich, wenn sich das Bauchgefühl als falsch heraus stellt. Vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben. Abschließend nochmal der Hinweis: Alle Fragen sind rhetorisch. Wenn ihr euch getrieben fühlt im Detail zu antworten, habe ich selbst herbei geführt, wovor ich (auch) warnen wollte: nämlich dass die FSFE sich bald nur noch mit sich selbst beschäftigt. Ich mag zwar Ironie, aber doch nicht, wenn sie mich selbst betrifft... ;-) Liebe Grüße, Franz _______________________________________________ FSFE-de mailing list [email protected] https://lists.fsfe.org/mailman/listinfo/fsfe-de
