Liebe freunde der FSF-de,
diesen beitrag aus unserem kreis gebe ich euch einfach zur information weiter. Die letzte antwort von Peter Frey habe ich am ende mit angehaengt.
mit lieben gruessen, willi


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Betreff: Re: Open Source im Fokus von Macht und Gier
Datum: Mon, 12 Jun 2017 16:52:23 -0400
Von: willi uebelherr <[email protected]>

Lieber Peter und Jens,
in dieser diskussion lasse ich eure adressen immer eingebunden. Und ich bin schon sehr gespannt, was Peter hervorschuerft. Er ist ja nicht nur ein theoretiker, beobachter, sondern auch ein praktiker. Da entsteht der klare zugang.

Lieber Wolfgang und Norman,
ich habe eure adressen mit ihm CC ingebunden, weil es mir im text fuer notwendig erschien. Ich habe es auch dort erklaert.

Dieser kreis ist eine versammlung von freien DenkerInnen. Das thema ist "Wie wollen wir leben" oder "Wie koennen/koennten wir leben". Es geht also darum, die "Zukunft zu denken", wie wir es von Robert Jungk schon lange kennen. Den Zukunftswerkstaetten. Entstanden vor vielen jahren aus der Attac-de, die sich "Anti-Beton-Fraktion" nannte.

Lieber Detlev, liebe freunde,

du beschreibst es richtig:
"... reicht es nicht, alle paar Tage eine noch perfektere Abwehr zu errichten. Es bestätigt sich sonst Kaczynskis These, daß die Systemlogik technisch komplexer Systeme die Gesellschaft letztlich in antifreiheitliche, totalitäre Strukturen zwingt."

Einer meiner wesentlichen differenzen mit den "experten" in IGF (Internet Governance), ISOC (Internet Society) mit IETF und IRTF, mit NetMunial (Brasilien), den NICs war, dass sie alle so reagieren und so denken, ohne das potential der technischen methoden fuer all das geschehen in frage stellen zu wollen.

Mit der entstehung der offenen telekommunikation nach den 60er/70er jahren gab es eine klare ausrichtung durch die staatlichen behoerden der USA, Emgland und Frankreich: Dieses transportsystem muss in privaten haenden liegen. Deswegen wurde Jonathan Postel so gehasst.

Einige der wesentlichen technischen konsequenzen: Die telekommunikation wird in verschiedene private sphaeren aufgesplittet mit den AS (Autonome Systeme) als grundlage fuer private ISPs (Internet Service Provider), die Virtualisierung der globalen IP adressen und zentralisierung des DNS (Domain Name System), die strenge Stern-Struktur in ASes und den datenzentren und die erhaltung der trennung verschiedener formen der telekommunikation wie TV, Radio, Web und text-kommunikation.

Das, was wir mit strassen und wegen kennen, sollte in der telekommunikation nicht stattfinden. Die telekommunikation war von anfang an gedacht als eine gewaltige geldfluss generierungsmaschine, aufgebaut auf den realen beduerfnissen der menschen zur telekommunikation.

Dieses war eng verknuepft mit dem ziel, in der lage zu sein, alle datenfluesse ueberwachen zu koennen, ein selbstaendiges bild ueber das denken und tun der vielen menschen zu gewinnen, auch um das sogenannte "Markt geschehen" handhaben zu koennen.

Aber mit dieser technischen strukturierung wird der anonymen und heimlichen aktion tuer und tor geoeffnet. Die reaktionen vieler in bezug auf "Privatspaere und Anonymitaet", technisch ein voelliger unsinn, half da mit und wurde auch gezielt gefoerdert. Das habe ich selbst in den kreisen der aktiven wie CCC (Hamburg), FreiFunk, Freie Software und dergleichen erlebt.

Ich denke, das hat viel mit dem unverstaendnis zu tun, was auch bei den aktiven zur telekommunikation vorhanden ist. Also wie eigentlich telekommunikation funktioniert, wenn wir mal die ganzen nebelwolken wegschieben. www.Netzpolitik.org ist ein gutes beispiel. Dass ich dort gesperrt bin als autor und kommentator, liegt ja nahe.

Zunaechst: Jeder host, Client oder Server, egal welcher, existiert real an einem geografischen ort. Da koennen wir virtualisieren, soviel wir wollen. Pakete wandern von einem host zu einem andern. Also von einem geografischen ort zum anderen. An dieser physikalischen grundbedingung kann sich niemand vorbei schleichen.

Deswegen werden zur navigation der pakete, ruhend auf den IP adressen, immer geografische informationen gebraucht. Cisco, der wichtigste lieferant fuer router (paketfluss gestalter) und Gateways (uebergang zwischen verschiedenen transportsystemen) hat deshalb ein eigenes routingprotocoll eingesetzt, in dem die virtuellen adressen auf geografische orte und raeume abgebildet werden.

Heute laufen die pakete von zentrum zu zentrum in sternstrukturen, auch wenn der zielpunkt direkt neben deinem haus steht. Das fuehrt dazu, dass pakete oft ueber den halben planeten geschickt werden, um dann wieder zurueckzukommen.

Mit diesen methoden ist es moeglich fuer die geheimdienste der USA und England, an wenigen punkten den gesamten datenfluss erreichen zu koennen.

Mit der systematischen konstruktion von kostenfaktoren konnten die server installationen regional und global zentralisiert werden. So war das entstehen von Google und Facebook, die Cloud Server konzentrationen von Amazon, Google, Microsoft und Rackspace und anderen, aber auch GitHub, GitLab und aehnliches moeglich.

Durch die systematische private ausrichtung wurde auch das moeglich, wovon Peter spricht. Dass investmentfonds dort agieren koennen.

Ich weisse immer daraufhin, dass die grundlage dafuer wenige technische konzepte sind, die aus politisch/sozial/philosphischen grundannahmen resultieren.

Wenn wir diese strenge kaskade von ursachen und wirkungen nicht sehen wollen, haben wir in diesem bereich keine chance. Dann entstehen die illusionen und pseudo erklaerungen.

Diese apparative struktur hat eine vielzahl von beschaeftigungsmoeglichkeiten erzeugt, die aber fuer die telekommunikation voellig ueberfluessig sind. Das ist der grund, warum ich bei NetMundial, bei IGF und ISOC auf solchen widerstand stosse. Die meisten von ihnen brauchen diese jobs, leben von dem unsinn, und beginnen dann, wilde konstruktionsblasen entstehen zu lassen.

Das erste was kam, war, dass meine betrachtung, dass das Internet nur ein tranportsystem fuer digitale daten in packetform ist, damit zurueckgewiesen wurde, dass da 400 und mehr protokolle definiert sind, vom Client ueber die server zu den andern Clients, ueber die routing knoten, bis zu den zentralen service und applikations diensten, die allesamt das Internet bilden. Eine gigantische nebelwolke.

Das zweite bezog sich auf die geografisch definierte IP adresse. Der provokationspunkt war, dass ich sehr einfach darlegte, dass wir all die vielen instutionen wie IANA, ICANN, NICS, damit auch teile von ISOC, nicht brauchen, weil sie ueberfluessig sind. Das war natuerlich der horror pur.

Ich habe Wolfgang Kleinwaechter mit im CC einbezogen. So kann er mitlesen und vielleicht agieren. Er ist selbst noch nicht klar und agiert so dazwischen. Aber er versteht sehr gut, wovon ich spreche.

Wir muessen uns entscheiden. Brauchen wir die telekommunikation als geschaeftsfeld/Job oder zur kommunikation ueber geografische und zeitliche distanzen. Wenn wir die generierung von geldfluessen in den vordergrund schieben, ist diese absurditaet durchaus sinnvoll.

Stellen wir die telekommunikation fuer die menschen im globalen in den vordergrund, dann haben diese absurden konstruktionen keinen platz.

Aber wer soll denn das tun, wenn der groesste teil der menschen sich damit nicht beschaeftigen wollen? Und sie keine kriterien dafuer haben, an wen sie diese aufgabe delegieren koennen?

Waehlen wir die politischen profi-schwaetzer und die existierenden privaten und staatlichen instanzen dafuer aus, dann machen wir die Boecke zu den Gaertnern.

Wolfgang hat zusammen mit Vint Cerf und William Drake einen text verfasst im auftrag des WEF (World Economy Forums). Hat mich ja auch gewundert.

Internet fragmentierung
http://www3.weforum.org/docs/WEF_FII_Internet_Fragmentation_An_Overview_2016.pdf

Da gibt es eine ganz klare positive bestimmung. Ich verwende jetzt meine freie uebersetzung: "Jedes Geraet am Netz muss in der lage sein, mit jedem anderen Geraet am Netz Daten auszutauschen, wenn beide es wollen."

Dass sollten wir ernst nehmen. Und weil alle geraete an einem geografischen ort existieren, muss eine transportstruktur entstehen, die den weg von einem ort direkt zu einem anderen ort ermoeglicht. Und das geht nur mit der netzstruktur, wo jeder knoten sich mit seinen nachbarknoten verbindet. Weil das aber in der telekommunikation nicht existiert, gibt es heute auch kein Internet.

Gemaess meiner klaren philosophischen grundlage, wo alle gesellschaften aus verteilten lokalen gemeinschaften bestehen. werden die lokalen gemeinschaften zu den konstituierenden elementen in diesem netz der netze. Das sind die lokalen netzwerke, deren verbindung das InterNet ist. Und alles, was digital transportiert werden kann, wird damit transportiert. Text, Sprache und Grafik (video ist die sequenz von grafik).

Damit sind wir dann bei dem, was wir von den strassen und wegen kennen.

Wir sollten uns im klaren sein, dass technisch kein unterschied von Client und Server existiert. Jeder Client kann auch als Server agieren. Das problem heute ist die kuenstliche, nicht technisch notwendige, asymetrie in den transport kapazitaeten fur "Download" und "Upload", also herunter und hinauf. Aber mit einer symetrie wuerden alle kraefte und zwaenge entfallen, zentrale server installationen zu verwenden, weil jede person in seinem haus einen server installieren koennte oder zusammen in der strasse oder in der gemeinde.

Inzwischen habe ich die allgemeine, abstrakte diskussion ausreichend forciert. Heute konzentriere ich mich darauf, dass wir unsere eigene technologie fuer die telekommunikation auf die beine stellen. Das ist dann das globale netzwerk fuer freie technologie auf der basis: "global denken, lokal handeln" und "Wissen ist immer Welterbe".

Deswegen habe ich auch Norman Schwirz aus Dresden von der TU mit im CC eingebunden aus der gruppe "Freie Software, freies Wissen an der TU dresden".

In dresden gibt es ein Institut fuer Hochfrequenztechnologie. Das waere ja der richtige ansatzpunkt.

Ich bin ueberzeugt, dass wenn wir die technischen grundlagen und materialisationen fuer die telekommunikation entstehen lassen, um ein solch hoch verbundenes netz zu errichten, auf der basis der telko-arbeitsgruppen in jedem dorf und jeder stadt, der gemeinschaft verpflichtet, dann sind wir auch in der lage, uns von all diesem irrsinn und buerokratisch/duemmlichen instanzen abzuloesen. Wir machen sie einfach ueberfluessig.

Die alternative ist nicht, den ganzen planeten aufzubuddeln, um dort kabel (kupfer/faser) zu verlegen. Die alternative sind echte punkt-zu-punkt verbindungen mit richtfunk, ohne den kosmos mit energie voll zu blasen, so wie es heute mit der transversalwellen basierenden dipol-technik von Heinrich Hertz passiert. In den gemeinden, auf plaetzen und strassen, ist es mit geringster energie fuer mobile geraete mit segmentantennen moeglich.

Lieber Detlev, ich habe viel um deine frage herumgeredet. Aber mir schien, dass es notwendig ist. Eine technische vordefinition, die von vorneherein "geheime und anonyme" prozesse den raum eroeffnet, ist fuer alles zu verwenden, was eine solche "geheime und anonyme" aktion notwendig macht. Das finden wir jetzt streng formuliert von Theresa May in England. Ich habe den link zum text von Wolfgang hier verteilt.

Das "geheime und anonyme" gilt nur fuer uns. Fuer die zentralen instanzen ist nichts geheim und nichts anonym. Jeder, der in der telekommunikation von "anonymer Privatheit" redet, ist entweder ein dummkopf oder ein luegner.

mit lieben gruessen, willi
Asuncion, Paraguay


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Betreff: Re: Open Source im Fokus von Macht und Gier
Datum: Mon, 12 Jun 2017 09:53:21 +0200
Von: Detlev Matthias Daniel <[email protected]>

Lieber Willi,

ich muß eingestehen, daß ich in diesen Themen fachlich nicht durchsteige. Aber wenn die Perspektiven elektronischer Kommunikationsnetzwerke diskutiert werden, wüßte ich gerne, ob einer der "Experten" einen Ausblick darauf geben kann, wie sich die speziellen Machtkämpfe im Netz künftig auflösen könnten. Insbesondere die Möglichkeiten der physischen Einflußnahme (das ganze Thema Viren, Malware, Hacking, Kontrollübernahme und Sabotage) erzeugen eine Systemlogik, die in der Konsequenz einer offenen, vertrauensvollen Kommunikation und Zusammenarbeit entgegensteht.

Ich denke, wenn solche offenen Kommunikationsnetze eine wichtige Rolle bei der Transformation zu einer nicht mehr machtbasierten Gesellschaft spielen sollen, reicht es nicht, alle paar Tage eine noch perfektere Abwehr zu errichten. Es bestätigt sich sonst Kaczynskis These, daß die Systemlogik technisch komplexer Systeme die Gesellschaft letztlich in antifreiheitliche, totalitäre Strukturen zwingt.

Gruß
Detlev


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Betreff: Re: Open Source im Fokus von Macht und Gier
Datum: Mon, 12 Jun 2017 09:38:59 +0200
Von: Ped <[email protected]>

Liebe Interessenten,

da ich im Arbeitsleben stehe, kann ich leider nicht so umgehend auf Eure Gedanken eingehen. Ich werde in dieser Woche einen Artikel zu Investmentfonds entwickeln (bzw. neu aufarbeiten) und beim Rubikon zur Veröffentlichung anbieten.

Worauf ich aber schon im vorab hinweisen möchte:
Ich sehe keine im Dunkeln arbeitenden Geheimbünde, die uns über das Finanzsystem unterwerfen wollen! Was bei Investmentfonds u. allem was da drum drum geschieht, abgebildet wird, ist unser Alltag. Nur ein Ansatz zum Nachdenken: Man schätzt, dass die Hälfte aller in den versch. Arten von Investmentfonds getätigten Gelder von instutionellen - und Großanlegern (Einzelpersonen) und die andere Hälfte von Kleinanlegern kommen; Menschen wie Du und ich. Das sind schätzungsweise jeweils 20 Billionen US-$ - Tendenz steigend. Kleinanleger sind gleichzeitig Konsumenten und diese Dualität gehört eng zusammen, weil sie auf ein und dasselbe Verhaltensmuster verweist. Und nur deshalb gibt es überhaupt noch Wirtschaftswachstum, in dem heute die Fonds eine überragende Rolle spielen. WEIL WIR ES SO WOLLEN, ABER BEI UNS NICHT SUCHEN.

Diese Art von Geldverdienen ist gesellschaftlich akzeptiert und wird jeden Tag aufs Neue kultiviert. Und es ist nicht immer das System als Teil des Gesamtsystems erkennbar. Schauen Sie auf die Rentenfonds, die den Lebensabend sichern sollen. Dass sich dahinter ein System der Ausbeutung verbirgt, wer ergreift das in unserer Gesellschaft tatsächlich?

Das lässt sich bereits daran erkennen, dass jeden Tag, die wichtigste deutsche Nachrichtensendung, nämlich die 20:15Uhr tagesschau vor dem Wetter was bringt? Was die Vergangenheit aber auch gelehrt hat: OpenSource erfindet sich immer wieder neu - und das ist für mich eben der beste Beweis, dass wir keine Wesen nach dem Bild des homo oeconomicus sind.

Wie gesagt die Bitte um etwas Geduld; ich freue mich ansonsten sehr über diese lebendige Diskussion!

Herzliche Grüße an alle von Peter Frey aus Dresden


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