Punkt a) würde mich auch interessieren, aber ich halte das für korrekt:
Rechteinhaber dürfen mit dem eigenen Code machen was sie wollen, auch
closed und kommerziell. Ich sehe nicht wo die GPL das untersagt, denn
die GPL ist nur für Nicht-Rechteinhaber relevant. Ich finde das auch
gut, denn Rechteinhaber sollten die Möglichkeit haben, Code, den sie
selbst kommerziell und closed nutzen, gleichzeitig der Allgemeinheit für
offene Projekte zur Verfügung zu stellen. Code committer müssen ja nicht
zustimmen. Und code von committern, die nicht zustimmen, baut man dan
besser nicht ein.
Mich würde interessieren, wie andere das sehen.
Punkt b) ist mir zu kompliziert, das braucht spezialisierte
Rechtsberatung. Solche Abgrenzungen sind schwierig und nur für den
Einzelfall treffbar.
Wieso kriege ich diese Listenmail eigentlich jetzt erst? Die ist ja
uralt ...
Am 06.12.19 um 21:42 schrieb der.fliegende.hamburger:
Guten Abend,
aus aktuellem Anlass habe ich zwei Fragen zur Anwendung/Interpretation einer
GPL-lizenzierten Software. Ich halte beide Punkte fuer nicht im intendierten
Sinn von GPL (moralisch/ethisch) und nicht legal:
a) wenn ausnahmslos alle (seit Beginn des Projekts) code Committer zustimmen,
kann dann diese Gruppe spaeter parallel zu der unter GPL veroeffentlichten
Software dieselbe Software einem Dritten unter einer anderen Lizenz als GPL
ueberlassen (damit der sie leicht abgeaendert in Teilen oder als Ganzes als
closed source vermarkten kann)
b) erlaubt die GPL das Erweitern eines GPL lizenzierten Programms, das ohne OS
auf einer embedded mcu laueft, derart, dass durch spaeteres separates Flashen
von closed code Fragment die Funktionalitaet des urspruenglichen Programms
erweitert wird. Das entspraeche vermutlich statischem (oder dynamischen)
Linken (denn der spaeter geflashte Binaerhaufen muss ja irgendwie mal
angesprungen werden.
Hierzu verweist der Autor als Legitimation auf dieses Paper
https://pdfs.semanticscholar.org/08da/c6c7f3bd7383a6a129f1ad597c7b12c307cb.pdf
Ich bin kein Jurist und vielleicht gibt es hundert andere Papers, die die Frage
ebenfalls behandelt haben
Details:
Konkret geht es um eine GPL Software, die auf die Hardware geflasht wird und
dann als stand alone binary direkt vom bootloader der mcu gestartet wird. Diese
Software ist unter GPL zugaenglich.
Ein moderner Zeitgenosse hat jetzt dazu eine Erweiterung gebastelt, deren code
er closed haelt (und fuer deren Einsatz er Geld verlangt; das ist seine
Motivation, soweit ersichtlich). Seine Rechtfertigung beruht darauf, dass er
seinen code separat kompiliert, irgendwo neben das GPL binary flasht und das
geflashte GPL binary so modifiziert, dass sein chunck auch irgendwie (per
Interrupt zB) aufgerufen wird.
Nach meinem Verstaendnis sind beide Punkte klar gegen die Intention der GPL,
aber bietet die GPL hier auch rechtlich Handhabe?
Falls die GPL (auf source code) durch Patchen des resultierenden Binary so
einfach auszuhebeln ist, dann waeren doch bestimmt schon frueher kriminelle
Gestalten auf diese Idee verfallen?
Oder ist mein leienhaftes Verstaendnis von GPL einfach falsch - dann waere auch
das gut zu wissen.
Ueber GPL-violations erhalte ich keine Hilfe mehr wegen anderweitiger
Aktivitaeten.
Wenn das Thema hier falsch ist, dann nehme ich gerne passende Hinweise.
Danke und Gruss,
der fliegende Hamburger
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