Am 13.05.20 um 10:00 schrieb Theo Schmidt:

Ähnliche Analogien lassen sich für andere Gebiete aufstellen, z.B. Verkehr, Energie. Leider ist meine Erfahrung, dass die Anhänger der aus meiner Sicht besseren Alternativen dies meistens nur für ihr Gebiet so sehen, und nicht auch für die anderen. So sind z.B. gleichzeitige Linux-Bio-Solar-Fahrrad-Menschen relativ dünn gesät.


Genau das.

Und das ist aber auch teilweise berechtigt. Ich erlebe das im Umfeld immer mal wieder mit Aktivisten, die sich vorrangig mit "Nicht-IT-Themen" beschäftigen und oft extrem locker die Tools von Google und Co. nutzen. Die Wahrnehmung dort ist immer diesselbe: Unlösbare große Herausforderungen, kritische Probleme, viel zu wenig Leute, die dafür aktiv werden und Zeit erübrigen können/wollen. IT bleibt dann "bloßes Werkzeug", das es eben braucht, um kommunizieren und arbeiten zu können - und damit ein Werkzeug, bei dem man das nutzt, das den wenigsten (Zeit-, Betriebs-, Einarbeitungs-, ...) Aufwand verursacht und auch für potentiell Mitstreitende die Einstiegshürde möglichst niedrig setzt. Das ist dann gern das billige Android-Tablet oder der gebrauchte Acer-Laptop mit der kleinsten denkbaren Windows-Version und allem, was dort eben vorinstalliert ist. Dort wird niemand alternative Apps oder Programme, geschweigedenn ein neues Betriebssystem installieren.

Dazu kommt beispielsweise, dass subjektiv in meinem Umfeld die Bio/Öko-Fraktion entweder gänzlich IT-feindlich aufgestellt ist ("Spielzeug, das nur Ressourcen verbrennt und niemand braucht") oder Apple nutzt ("weil das nachhaltiger ist, die Geräte nicht verramscht werden, länger genutzt werden können und Qualität wie auch bei Bio-Lebensmitteln nun mal ihren Preis hat").

Die eine Herausforderung ist, Prioritäten zwischen Aktivisten verschiedener Spezialgebiete auszugleichen. Das ist eine Baustelle für sich. Die andere aber (immer und immer wieder, hier wie andernorts) ist aus meiner Sicht die, Komfort, Zugänglichkeit, Nutzbarkeit, Verfügbarkeit, Geschwindigkeit von FLOSS-Lösungen eben nicht nur als dem Datenschutz und der Privatsphäre entgegengerichtetes lästiges Beiwerk zu betrachten, sondern als Kernanforderung, die über (Nicht-)Akzeptanz von Lösungen bei relevanten Zielgruppen entscheidet.

Viele Grüße,
Kristian
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