Hallo Ilu,
On 19.12.21 13:54, Ilu wrote: > Ich möchte dem entgegnen, dass nach meinem Eindruck Ursache für einem > großen Teil der politischen Entscheidungen nicht eine fehlgeschlagene > Diskussion ist, sondern eine Lobby-gesteuerte Absicht (häufig hart am > Rande der Korruption). Die wahrnehmbare Diskussion und die darin > vorgetragenen Argumente dienen nur als Feigenblatt für eine ohnehin > schon aus ganz anderen Gründen vorhandene Agenda. Partielle Zustimmung. Ich glaube auch, dass das (zumindest auf den höhren Ebenen von Politik und Verwaltung) eine große Rolle spielt. Aus meiner Sicht ist aber die "wahrnehmbare Diskussion", die sich als Feigenblatt benutzen lässt, das was ich auch "als dysfunktionalen Diskurs" bezeichnen würde. Eine Diskussion, in der nicht alle Argumente in der erforderlichen Breite transparent auf den Tisch kommen, sondern in der bestimmte (Schein)-Argumente in den Vordergrund gestellt und andere Argumente bewusst de-facto unsichtbar gemacht werden, sollte aus meiner Sicht keine Grundlage für eine Entscheidung sein. Ich glaube ich nicht, dass dieses Problem (allein) durch eine bessere Kommunikationssoftware gelöst werden kann. Aber eine solche kann dazu beitragen, dass sich eine andere, konstruktivere *Diskurskultur* entwickelt, und dass sich dann Entscheidungsträger:innen irgendwann für bestimmte Nebelkerzen-Manöver selber zu blöd sind (aus brechtigter Angst um ihren Ruf als ernstzunehmende Diskursteilnehmer:innen). > > Das klingt vielleicht wie eine Verschwörungstheorie, aber ich war selbst > 10 Jahre lang politisch tätig und habe dabei Einblick erhalten in > unschöne Vorgänge. Man kann meine These anhand beliebiger politischer > Vorgänge überprüfen und wird fast immer eine "heiße Spur" finden. Sehr > instruktiv z.B. die Landwirtschaftspolitik. (Investigativer Journalismus > leistet da gute Dienste, leider meistens erst Jahre später und > ignoriert vom Bürger und von der Politik.) Glaube ich gerne. Im Mediensystem gäbe natürlich auch noch viel zu verbessern (Stichworte: Themensetzung und Quellennennung). Aber das ist ein separates Projekt. > > Ein soziales Problem mit technischen Mitteln lösen - das wird nicht > gehen. Weder für die im Vordergrund stattfindende Diskussion (die Gründe > dafür hat Michael vorgetragen) noch für die im Hintergrund verfolgte > Agenda. Ich halte diese Ablehnung für zu pauschal (siehe meine Antwort an Michael). Tatsächlich haben wir (als Menschheit) schon viele soziale Probleme mit Hilfe von Technik gelöst: Bildung durch Buchdruck, Fotokopierer, Beamer, etc. > > Wir haben eigentlich genügend Diskussions-Tools. Ich denke die Quantität ist hier nicht entscheidend. Es gab auch X verschiedene Foren-Tools. Aber trotzdem hat das Stack-Overflow-Prinzip die Antworten nicht chronolotisch, sondern nach Bewertung zu sortieren einen fundamentalen Unterschied gebracht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine Lösung finde (oder eine Antwort auf meine Frage bekomme) ist meiner Erfahrung nach drastisch gestiegen im Vergleich zur Prä-StackOverflow-Ära. > Das einzige, was ich > vermisse, ist ein brauchbares freies Abstimmungstool, mit dem Beschlüsse > und Wahlen - wenn nötig auch geheime Abstimmungen - von > Online-Versammlungen (in BBB, jitsi, mumble, matrix, ...) durchgeführt > und dokumentiert werden können (z.B. fürs Vereinsregister). Rechtlich Verbindliche Online-Abstimmungen sind schwierig (ich hatte letztes Jahr einen Vorschlag dazu gemacht und auf Basis des Feedbacks eingesehen, dass es (für mich) ein zu dickes Brett aus zu hartem Holz ist). Für weniger hohe Ansprüche (z.B. in Gruppen mit hohem gegenseitigem Vertrauensniveau) hier nochmal der Hinweis auf ein von mir entwickeltes Tool: https://moodpoll.uber.space (Web-App u.a. zum systemischen Konsensieren) https://video.dresden.network/w/9e2Cavpdjhm7bxJBLnWJQK Wie ich schon in der Antwort an Antje geschrieben habe, sind "Diskurs" und "Entscheidungsfindung" aus meiner Sicht aber getrennte Probleme, die mit getrennten Tools gelöst werden sollten. Noch was Allgemeines, weil das jetzt die vierte Mail ist, in der ich auf Feedback reagiere: Vielen Dank für Eure Anmerkungen und die konstruktive Kritik. Der Sinn meiner Antworten ist es nicht, Euch zu bekehren, sondern noch deutlicher zu machen warum es aus meiner Sicht bessere Diskussionstools braucht. Das kann man naturgemäß auch anders sehen. Ich persönlich glaube nicht, dass die Art und Weise wie wir (als Menschheit) bisher digitale Diskussionen organisieren die beste aller möglichen Optionen ist, oder dass wir nur "warten müssen" bis genügend Menschen verstehen, wie man auf den bestehenden Medien konstruktiv diskutiert – aber ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen. :) Gruß, Carsten -- https://python-fuer-ingenieure.de (Website zum "... für dummies"-Buch) https://tu-dresden.de/pythonkurs (Pythonkurs für Ingenieur:innen) https://dresden.bits-und-baeume.org/ https://cknoll.github.io (Blog) https://social.tchncs.de/@cark (Mastodon-Profil) https://tuuwi.de (TU Umweltinitiative) https://fsfw-dresden.de (HG für Freie Software und Freies Wissen) https://sober-arguments.net (Web-App für konstruktivere Diskussionen) https://moodpoll.uber.space (Web-App u.a. zum systemischen Konsensieren) https://plq.de (Gründungsinitiative der Partei für Lebensqualität) Was bedeutet eigentlich der Anhang "signature.asc"? -> http://cknoll.github.io/emails-signieren.html
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