From: [EMAIL PROTECTED] (Domino Gastgewerbe GmbH)
Subject: Re: [imafdi] Entwicklungsstufen / Bewertungskriterien von=
Banken.Websites
Date sent: Wed, 12 Jan 2000 11:35:45 +0100
Matthias Homann schrieb:
> Ein bislang oft genutztes Schema zur Klassifizierung von Websites
> sind ja die Entwicklungsstufen
> - Information: statische Informationen dominieren
> -> elektronische Werbebroschuere
> - Interaktion: interaktive Elemente, dynamische Informationen,
> bequeme Moeglichkeit fuer den Besucher
> in Kontakt mit dem Unternehmen zu treten
> - Transaktion: ueber den Website koenen Produkte
> / Dienstleistungen bestellt werden
>
> Inzwischen ist meiner Meinung nach dieses Schema jedoch
> zu grob, da je nach Branche schon etliche Unternehmen auch
> Transaktionen anbieten.
Die Stufen beschreiben eher historische Entwicklungsstufen, also wie sich =
die
Websites im Laufe der letzten Jahre entwickelt haben, als einen Plan fuer =
die
Entwicklung einer Unternehmens-Website.
> Wie lassen sich Websites aber dann kategorisieren?
>
> Ich habe mir eine Einteilung anhand der beiden Kritieren
> Produktangebot und Nutzungskomfort / Service ueberlegt:
> - Produktangebot: Umfang der auf dem Websites des
> Unternehmens bestellbaren / nutzbaren
>
> - Nutzungskomfort / Service: hier spielen Kriterien wie
> Bedienungsfreundlichkeit des Websites (Design, Navigation,
> etc) aber auch Umfang / Qualit=3DE4t des Services eine Rolle
> (Reaktionsschnelligkeit des Unternehmenes bei Anfragen,
> Umfang der Supportleistungen des Unternehments)
>
>
> Wie beurteilt ihr die obige Einteilung?
Das findet sich so oder aehnlich bei allen Rankings. Z.B.
hat die Unternehmensberatung Baumgartner & Partner
in Kooperation mit dem VDI die Websites der Top 100 der
deutschen Industrie bewertet. Sieger wurde die Bewag AG.Bewertet wurden
Teilapsekte von Design, Inhalt, Nutzerbeteiligung, Ergonomie und
Zielgruppen-Orientierung (im Einzelnen). Prof. Norbert Mundorf, University=
of
Rhode Island, ist wissenschaftlicher Leiter der Website-Studie gewesen. Al=
s
Kriterien wurden angegeben:
Design
Grafik-Qualit=E4t (Gewichtungsfak=
tor 2,6)
Qualit=E4t der Fotos (2,4)
Lesbarkeit (1,2)
Text-Bild-Balance (4,2)
Inhalt
Textumfang (2,6)
Informationsgehalt (5)
Unterhaltungswert (2,4)
Nutzer-Beteiligung
Interaktivit=E4t (4,3)
Anregung zum Dialog (2,8)
Ergonomie
Benutzerfreundlichkeit (4,7)
Navigation (4,7)
=DCbersichtlichkeit (4,4)
Zielgruppen-Orientierung
Kunden (4,8)
Investoren (3,8 )
Stellenbewerber (4,3)
http://www.baumgartner.net/unternehmensberatung/studie/design.html
Fuer mich sind das Kriterien, denen man sich als Entwickler von Websites
durchaus stellen mu=DF, aehnlich wie Produktentwickler den Kriterien der S=
tiftung
Warentest oder Autobauer den Autotests der Autozeitschriften oder auch all=
e
miteinander den gesetzlichen Vorschriften ueber Produkte, bei Websits z.B.=
ergonomischen Vorschriften, sie sind aber nicht geeignet, eine Vision, bei=
m Auto
heisst es, glaube ich, Studie eines neuen Modells zu entwickeln. Die Einha=
ltung
dieser Kriterien bzw. hohe Erfuellungsgrade garantiert auch keinen Erfolg =
einer
Website.
> kriterien die Websites anders einteilen, als das klassische
> Schema Information, Interaktion, Transaktion?
a) organisationsorientiert versus zielgruppenorientiert. Die einen bilden =
die
Organisationseinheiten des Unternehmens nach, die anderen bieten Zugaenge =
fuer
verschiedene Nutzergruppen oder auch fuer verschiedene Zielgruppen verschi=
edene
Websites oder "Mini-Sites", die bei Dritten untergebracht sind, z.B. das J=
ohnnie
Walker-Spiel vom Stern (ich weiss nicht, ob das noch online ist). Beispiel=
e fuer
zielgruppenorientierte Sites finden sich in der Getr=E4nkeindustrie, z.b. =
die Site
von J=E4germeister. Ich weiss nicht mehr, wo ich diesen Beitrag gelesen ha=
be, aber
es wurde behauptet, jugendaffine Marken wie Pepsi-Cola haetten es ueberhau=
pt
nicht noetig, eine eigene Website zu haben, sie sollten sich eher auf dyna=
mische
Werbung, Spiele, Sonderwerbeformen auf anderen Sites konzentrieren. D.h. d=
ie
Zielgruppenorientierung wird sich dann moeglicherweise verstaerkt in der F=
orm
zeigen, dass man dorthin geht, wo die Zielgruppe ist und das ist nicht unb=
edingt
auf der eigenen Website. Eine gute Internetpraesenz setzt - behaupte ich m=
al -
keine eigene Website voraus. Zu beurteilen waere demnach der gesamte
Internetauftritt einer Marke oder eines Unternehmens und nicht nur isolier=
t die
Website.
b) Information versus Erlebnis. David Siegel spricht auch von 1.,2. und 3.=
Generation. Bei der 3. Generation (aus Design-Sicht gesehen) werden Besuch=
er
durch eine Site geleitet (z.B. Eingangstunnel,Kern,Ausgangstunnel). Aus de=
r
Sicht des Besuchers erlebt er die Site mehr in Richtung Film, Theater oder=
Restaurantbesuch. Durchaus mit Moeglichkeiten, die Handlung oder das Menue=
zu
bestimmen oder zwischendurch mal auf die Toilette zu gehen, aber doch mit =
einem
grob vorgegebenem Handlungsschema. Ich denke dabei weniger an Videosequenz=
en als
an Navigationselemente, die das Durchlaufen von Sequenzen von Pages erlaub=
en wie
bis hin zu Tools wie webchain von oneseek.com (Ich habe so etwas mal auf m=
einer
eite http://www.abseits.de/kunstmuseen.htm eingebaut, um eine Folge von
Kunstmuseen-Websites miteinander zu verknuepfen). Neuere Konzepte sind Web=
rides,
bei denen Seiten-Fuehrer Touren erlauetern. Erlebnis heisst aber Spiele, A=
vatare
usw.
c) inwieweit Aspekte von Virtuellen Communities realisiert sind:
1. Nutzer koennen einen festen Bestand an Informationen nur konsumieren.
2. Nutzer koennen Feedbacks geben, mit der Folge, dass der Umfang der
Information veraendert wird, z.B. Abstimmungen, Fehlermeldungen, Fragen,
E-Mail-Kontakt.
3. Nutzer koenen eigene Informationen hinzuf=FCgen, z.B. G=E4steb=FCcher, =
eigene
Webseiten, ihre Adressen, redaktionelle Beitr=E4ge, Leserbriefe usw.
4. Nutzer koennen miteinander in Verbindung treten, z.B. Mailinglisten,
Messenger, Anzeigen, Auktionen, E-Cards.
5. Es gibt Nutzer (z.B. "Guides", "Superuser" usw. genannt), die sich stae=
rker
engagieren und mit mehr Rechten (Mitsprache, Informationsgestaltung)
ausgestattet sind.
6. Die einfachen Nutzer bestimmen (mit), wer "Guide" wird oder auch wieder=
abgesetzt wird. (a la "Schuelermitverwaltung", z.B. bei Giga.de realisiert=
).
7. Die Nutzer beherrschen die Website; das Unternehmen hat keine Kontrolle=
(mehr) dar=FCber.
Ich sehe die Nummern 1 bis 7 nicht unbedingt als zeitliche Abfolge, die ei=
ne
Website durchlaufen muss. Unternehmen koennen auch direkt bei hoeheren Zif=
fern
einsteigen, z.B. seniornet.com, bei der eine Versicherung (wenn ich mich r=
ichtig
erinnere) nur noch als Sponsor auftritt (Ziffer 7) oder die Lila-K=FChe-Si=
te von
Milka (Ziffer 4) oder campus4you.de, bei der die Guides vor der
Veroeffentlichung der Site ausgewaehlt worden sind (Ziffer 5).
Mit freundlichem Gruss
Gerhard Schoolmann
[EMAIL PROTECTED]
http://www.abseits.de
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