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Konferenzankündigung
 
"Der Sinn von Politik ist Freiheit.
Politisches Denken im 21. Jahrhundert"
Aus Anlass des 100. Geburtstags von Hannah Arendt
Internationale Tagung
Hermann-Cohen-Akademie für Religion, Wissenschaft und Kunst
Berlin (Deutschland)
2.-5. November 2006

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Die Frage nach Form und Inhalt des Politischen gewinnt eine
neue Brisanz vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen
einem zunehmenden religiösen und nationalen Fundamentalismus
und einem modernen Geschichtsoptimismus, als Januskopf der
Moderne, der trotz allem die Hoffnung auf Fortschritt nicht
aufgegeben hat. Das moderne Geschichtsbewusstsein –
entstanden aus der Hoffnung auf Geschichtsmächtigkeit und
der Erfahrung der Ohnmacht, zwischen einem Glauben an die
Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen und seiner
Selbstaufgabe in vorgeblich übermächtigen Prozessen –
bestimmt sinnstiftend in Rudimenten bis in die Gegenwart das
Bewusstsein von sowie den Blick auf Kultur, Politik und
Gesellschaft.

Die Frage nach der Bedeutung des Politischen zieht sich wie
ein roter Faden durch das Gesamtwerk Hannah Arendts und
steht grundlegend für ein Denken, das trotz der dunklen
Befunde der realen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts neue
Wege der vita activa sucht in der Frage: Hat Politik
überhaupt noch einen Sinn?

Hannah Arendts Reflexionen und Einsichten über Politik und
das Politische stehen in engstem Zusammenhang mit ihren
Erkenntnissen über den Totalitarismus, infolgedessen wir
geneigt sind, politisches Handeln mit gewalttätigem Handeln
gleichzusetzen. Das politische Unheil, welches von den
totalitären Staatsformen im 20. Jahrhundert angerichtet
worden ist, hat das Wesensmerkmal des Politischen – die
Freiheit – gänzlich ausgelöscht. Nach dem Verschwinden von
verschiedenen Versionen des Faschismus und Staatssozialismus
steht die Welt nicht nur unter den Zwängen der
Marktwirtschaft, sondern auch unter denen eines wachsenden
politischen Fundamentalismus, der in seinen Ansprüchen
totalitäre Charakterzüge aufweist.

Okzidentalismus und Orientalismus stehen sich als zwei
miteinander konkurrierende Weltentwürfe der Moderne
gegenüber und versuchen sich beide mit politischen
Machtmitteln durchzusetzen. Um gegen diese Entwicklung, der
beide Seiten ausgesetzt sind, ansteuern zu können, müssen
die Parameter von politischer, religiöser und geistiger
Freiheit neu definiert werden, um nicht in die Gefahr zu
geraten, Gewalt mit Gewalt zu beantworten, eine Entwicklung,
die im Zeitalter der Globalisierung politische Systeme und
somit den Weltfrieden zunehmend bedroht.

Wenn der Sinn von Politik in der Tat Freiheit ist, dann geht
es darum, diese Freiheit gegen jegliche Vereinnahmung zu
verteidigen.


Kontakt:

Silke E. Wahle
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Hermann-Cohen-Akademie für Religion, Wissenschaft und Kunst
Obergasse 6
D-74722 Buchen/Odw.
Deutschland
Tel.: +49 (561) 7395685
E-Mail: [email protected]
Web: http://www.hermann-cohen-akademie.de



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